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Fachbezeichnungen

FA Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Ein bei docinsider registrierter Frauenarzt untersucht eine schwangere Frau, indem er ihren Babybauch abhört.
Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, auch Frauenarzt oder Gynäkologe genannt, beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane inklusive der Brust. Er ist Ansprechpartner für Verhütung und Familienplanung sowie für die Betreuung von Mutter und Kind in der der Schwangerschaft und bei der Geburtsvorbereitung.

Was ist ein Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe?

Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, auch Gynäkologe oder Frauenarzt genannt, beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Erkrankungen des weiblichen Körpers. Dazu zählen insbesondere die weiblichen Geschlechtsorgane inklusive der Brust. Der Gynäkologe ist aber auch der richtige Ansprechpartner für die Betreuung und Begleitung schwangerer Frauen und des ungeborenen Kindes.

Der FA Frauenheilkunde und Geburtshilfe kann in der Vorsorge und Behandlung von bösartigen Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane tätig sein. Der Frauenarzt befasst sich mit dem Hormon-Haushalt der Frau. Der Gynäkologe ist Ansprechpartner, wenn es um Verhütung und Familienplanung geht und diagnostiziert und behandelt Erkrankungen wie zum Beispiel Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Im Arbeitsbereich der Geburtshilfe ist der Gynäkologe mit der Betreuung der Schwangerschaft betraut. Dazu zählen unter anderem die regelmäßigen Untersuchungen in und nach den Schwangerschaften, die Mutterschaftsvorsorge, die Behandlung und Erkennung von Risikoschwangerschaften und die Geburtsbegleitung oder geburtshilfliche Eingriffe wie der Kaiserschnitt (Sectio caesarea).

Ausbildung zum Gynäkologen

Die Ausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe setzt ein abgeschlossenes Medizinstudium und den Erwerb der Erlaubnis zur Ausübung des Arztberufes (Approbation) voraus. An das Studium schließt sich eine in der Regel fünfjährige Weiterbildungszeit und ein Kurs zur Weiterbildung in der psychosomatischen Grundversorgung an, der die Behandlung von Patienten mit psychosomatischen Beschwerden und psychischen Krankheitsfolgen im Blick hat.

Im Anschluss an die Weiterbildung zum Facharzt für Gynäkologie besteht die Möglichkeit einer weiteren, in der Regel jeweils dreijährigen Spezialisierung in folgenden Schwerpunkten (SP):

  • SP Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin.
  • SP Gynäkologische Onkologie.
  • SP Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Wo arbeitet ein Frauenarzt?

Ein Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kann sowohl im stationären als auch ambulanten Bereich arbeiten. Ein Gynäkologe kann also in Krankenhäusern oder Universitätskliniken beschäftigt sein. Er kann aber ebenso als Facharzt in einer eigenen Praxis oder in Praxis-Zusammenschlüssen wie Gemeinschaftspraxen oder Medizinischen Versorgungs-/Gesundheitszentren arbeiten. Auch eine Anstellung in der medizinischen Forschung und Lehre ist für den Frauenarzt möglich.

Wann gehst du zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe?

Einen Termin beim Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kannst du entweder mittels Überweisung vom Hausarzt oder beim Frauenarzt direkt vereinbaren. Bei folgenden Fragestellungen und geschlechtsspezifischen Beschwerden und Erkrankungen kann der Frauenarzt der richtige Ansprechpartner sein:

  • Beschwerden im Intimbereich oder der Brust wie zum Beispiel Entzündungen der Scheide (Vaginitis), der Gebärmutter (Endometritis), Scheidenentzündungen durch Pilze (Candida-Mykose), Entzündungen oder Schmerzen der Brust (Mastitis oder Mastodynie).
  • Menstruations-Beschwerden und Zyklus-Beschwerden.

Auch wenn das Thema Verhütung, Familienplanung oder Schwangerschaft bei dir aktuell wird, kannst du einen Gynäkologen aufsuchen:

  • Beratung bezüglich der Familienplanung und Verhütung inklusive Verschreibung oder Einbringen von Verhütungsmitteln (Kontrazeptiva) wie zum Beispiel der Pille oder einer Hormon-Spirale.
  • Feststellung einer Schwangerschaft, Schwangerschaftsbetreuung, Schwangerschaftsuntersuchungen, Mutterschaftsvorsorge.
  • Probleme des Sexuallebens inklusive Sexualberatung durch den Frauenarzt.
  • Beratung und Diagnostik in Fragen der Sterilität beziehungsweise eines unerfüllten Kinderwunsches.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Frauenarztes ist die Krebs-Vorsorge. Daher werden ab einem bestimmten Alter gewisse Vorsorgetermine für alle Frauen empfohlen:

  • Ab dem 20. Lebensjahr: einmal im Jahr Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge.
  • Ab dem 30. Lebensjahr: zusätzlich jährliche Untersuchung der Brust.
  • Vom 50. bis 70. Lebensjahr: alle 2 Jahre röntgenologische Untersuchung der Brust (Mammografie).

Untersuchungen beim Frauenarzt

Beim Gynäkologen oder Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kommen neben der üblichen körperlichen Untersuchung noch weitere Untersuchungs- und Diagnoseverfahren zur Anwendung. Zum Beispiel:

  • Tastuntersuchung der Brust: Der Gynäkologe tastet das Drüsengewebe der Brust ab und sucht nach krankhaften Verhärtungen oder Veränderungen der Brust.
  • Mammografie: Die Mammografie ist eine Röntgen-Untersuchung der weiblichen Brust. Sie wird für Frauen zwischen dem 50. bis 70. Lebensjahr alle zwei Jahre als Brustkrebs-Screening empfohlen, kann aber auch beim Verdacht auf eine Veränderung des Drüsengewebes durchgeführt werden. In dieser röntgenologischen Untersuchung können gut- oder bösartige Veränderungen der Brustdrüsen frühzeitig aufgespürt werden.
  • Gynäkologische Tastuntersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl: Der Frauenarzt untersucht die Scheide (Vagina), den Muttermund (Cervix bzw. Portio uteri), die Gebärmutter (Uterus) sowie die Eierstöcke (Ovarien) und Eileiter (Tuba uteri) durch Abtasten durch die Bauchdecke und durch eine Tastuntersuchung durch die Scheide (vaginal) oder durch die Scheide und den Anus. Dabei können zum Beispiel Größenveränderungen oder druckschmerzhafte Bereiche der Organe aufgespürt werden.
  • Spekulumeinstellung auf dem gynäkologischen Stuhl: Mithilfe eines Untersuchungsinstrumentes, des Spekulums, kann der Frauenarzt die Scheidenwände, den Muttermund (Cervix bzw. Portio vaginalis) und auch die Beschaffenheit des Scheiden-Ausflusses (Vaginal-Sekret) einsehen und beurteilen. Die Spekulum-Untersuchung kann zum Beispiel zur Diagnostik einer Scheidenentzündung (Vaginitis) oder einer Veränderung am Gebärmutterhals helfen.
  • PAP-Abstrich: Mittels einer kleinen Bürste oder eines Spatels führt der Frauenarzt einen Abstrich vom Muttermund durch. Dabei entnimmt er eine Anzahl kleinster Zellen, die unter dem Mikroskop untersucht werden können. Der PAP-Abstrich ist Teil der routinemäßigen Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge. Unter dem Mikroskop können Veränderungen der Zellen beispielsweise aufgrund von Entzündungen mit Humanen Papillomviren (HPV) untersucht werden. Auch bösartige Veränderungen der Zellen können entdeckt werden.
  • Vaginaler Ultraschall: Beim vaginalen Ultraschall (Sonographie) wird ein Ultraschall-Kopf in die Scheide (Vagina) eingeführt. So können zum Beispiel die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die Eierstöcke (Ovarien), Eileiter (Tuben) und die Gebärmutterhöhle und die Gebärmutterwand sichtbar gemacht werden und auf Veränderungen untersucht werden. Durch die Sonografie kann auch eine Schwangerschaft festgestellt werden.
  • Kolposkopie: Unter Lupenvergrößerung mit einem Kolposkop kann der Gynäkologe die weiblichen Geschlechtsorgane wie die Scheide (Vagina) oder den Gebärmutterhals (Cervix bzw. Portio uteri) genau inspizieren und mithilfe bestimmter Testungen zum Beispiel entzündete oder veränderte Zellen darstellen und gegebenenfalls zur Zelluntersuchung entnehmen.
  • Hysteroskopie: Die Hysteroskopie wird auch Uterusspiegelung genannt. Über die Scheide (vaginal) wird hierbei ein Hysteroskop, ein gynäkologisches Instrument mit Videokamera und Lichtquelle, in die Gebärmutterhöhle geführt und die Gebärmutter mit Gas oder Kochsalz-Lösung etwas aufgedehnt. Auf einem Bildschirm kann der Frauenarzt dann die Gebärmutter von innen betrachten und nach Veränderungen suchen. Die Hysteroskopie kann auch mit einem operativen Eingriff kombiniert werden und daher auch in Narkose stattfinden. Eingesetzt wird die Hysteroskopie zum Beispiel, wenn im Ultraschall oder der Kolposkopie krankhafte Veränderungen aufgefallen sind, die weiter untersucht werden sollen.
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Diagnosekürzel

H42

H42 bedeutet im ICD-10 Diagnoseschlüssel Glaukom bei anderenorts klassifizierten Krankheiten.
Unter H40 und H42 wird im ICD-10 Diagnoseschlüssel das Glaukom (grüner Star) zusammengefasst. H42 steht für einen grünen Star, der bei Erkrankungen auftritt, die unter einem anderen IDC-10 Kürzel klassifiziert wurden.

H42: Glaukom bei anderenorts klassifizierten Krankheiten

Beim Glaukom, auch grüner Star genannt, handelt es sich um eine weltweit häufig vorkommende Augenerkrankung, die im Verlauf den Sehnerv beschädigen kann und bis zur Erblindung führen kann. Genaueres kannst du unter dem ICD-10 Diagnosekürzel H40 nachlesen.

Ein Glaukom kann nicht nur durch erhöhten Augeninnendruck, sondern durch viele andere Erkrankungen mitverursacht werden. Diese Glaukom-Fälle können von deinem Arzt unter H42 eingeordnet werden.

H42.0 Glaukom bei endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten

Inkl.: Glaukom bei Amyloidose E85
Glaukom beim Lowe-Syndrom E72.0

Unter endokrinen Erkrankungen werden Krankheiten der Körperdrüsen bzw. der hormonbildenden Organe zusammengefasst. Auch endokrine Erkrankungen kommen als Auslöser eines Glaukoms in Betracht und können hier ebenso wie Glaukom-Fälle bei Ernährungs- oder Stoffwechselerkrankungen wie dem Diabetes mellitus eingeordnet werden.

Der Fachbegriff Amyloidose steht für eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen es zur Ablagerung von Eiweißen in verschiedensten Geweben und folglich zu einem Funktionsverlust der verschiedensten Organe kommen kann. Amyloidosen können auch das Auge betreffen und Grund für ein Glaukom sein.

Beim Lowe-Syndrom handelt es sich um eine sehr seltene, angeborene Erkrankung, die fast ausschließlich Jungen betrifft. Beim Lowe-Syndrom, auch okulo-zerebro-renales Syndrom (OCRL) genannt,  kommt es bereits bei Geburt unter anderem zu Augenproblemen wie dem grauen Star (Linsentrübung, Katarakt), Störungen der Nierenfunktion und Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann sich ein Glaukom entwickeln.

H42.8 Glaukom bei sonstigen anderenorts klassifizierten Krankheiten

Inkl.: Glaukom bei Onchozerkose B73

Tritt der grüne Star im Zusammenhang mit anderen als unter H42.0 genannten Erkrankungen auf, kann der Arzt das diagnostizierte Glaukom unter H42.8 einordnen.

Ebenso unter H42.8 eingeordnet werden kann das Glaukom bei Onchozerkose. Als Onchozerkose, auch Flussblindheit genannt, wird eine Erkrankung durch den Fadenwurm Onchocera volvulus bezeichnet. Die Übertragung des Fadenwurms erfolgt durch Kriebelmücken (bevorzugt in Gewässer-Nähe). Onchozerkose kommt besonders im westlichen Afrika und Zentral-Afrika sowie in Süd- und Zentralamerika vor. Durch einen Stich der Kriebelmücke können die Wurm-Larven in deinen Körper gelangen. Nach der Infektion kann es bis zu 20 Monate dauern, bis du erste Krankheitserscheinungen bemerkst. Dann bilden sich zum Beispiel kleine Knoten in deiner Haut, die sogenannten Onchozerkome. Diese enthalten reife, adulte Würmer, die wiederum kleine, neue Würmer (Mikrofilarien) produzieren. Besonders gerne halten sich auch die Mikrofilarien in der Haut auf. Dies kann zu Hauterkrankungen mit Rötungen, Juckreiz, Ausschlag und Lymphknotenschwellungen führen. Auch das Auge kann durch die Onchozerkose betroffen sein. Die Augenbeteiligung äußert sich in Entzündungen der Hornhaut (Keratitis), der Iris (Iritis) oder anderer Strukturen und kann ebenso zum Glaukom und zur Erblindung durch Einwandern der Mikrofilarien ins Auge führen.

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Diagnosekürzel

H40

H40 bedeutet im ICD-10 Diagnoseschlüssel Glaukom (grüner Star).
Unter H40 wird im ICD-10 Diagnoseschlüssel das Glaukom (grüner Star) eingeordnet. Ein erhöhter Augeninnendruck oder eine verminderte Durchblutung des Sehnervs können Verursacher des Glaukoms sein.

H40: Glaukom

Exkl.: Absolutes Glaukom H44.5
Angeborenes Glaukom Q15.0
Traumatisches Glaukom durch Geburtsverletzung P15.3

Was ist ein Glaukom?

Das Glaukom wird auch grüner Star genannt. Dabei handelt es sich um eine weltweit häufig vorkommende Augenerkrankung, bei der es im Verlauf zur Schädigung des Sehnervs mit Gesichtsfeldausfällen (Skotomen), Sehproblemen und im schwersten Fall zur Erblindung kommen kann.

Verursacher für das Glaukom können Erhöhungen des im Auge herrschenden Drucks (Augeninnendruck) sein. Fälschlicherweise wird ein erhöhter Augeninnendruck oftmals mit einem Glaukom gleichgesetzt. Es gibt jedoch auch Glaukom-Formen, die nicht in Verbindung mit einem erhöhten Augeninnendruck auftreten. Hierbei ist eine verminderte Durchblutung des Sehnervs bei normalen Werten des Augeninnendrucks die Ursache des Glaukoms. Das Glaukom wird dann als Normaldruck- oder Niederdruckglaukom bezeichnet.

Es wird ein akutes Engwinkelglaukom (ICD-10 Diagnosekürzel H40.2) von einem chronischen Weitwinkelglaukom (ICD-10 Diagnosekürzel H40.1) unterschieden. Ebenso werden primäre Glaukome von sekundären Glaukomen, die in Folge einer anderen Augenerkrankung auftreten, differenziert.

Die Veränderungen des Augeninnendrucks oder der Sehnervdurchblutung können zu anfänglich unbemerkten Gesichtsfeldausfällen (Skotomen), also zu Einschränkungen des Sehbereichs führen. Bleibt das Glaukom bestehen, kann es zu weiteren Sehverschlechterungen, immer weiter zunehmenden Einschränkungen des Sehfeldes und letztlich bis zur Erblindung kommen.

H40.0 Glaukomverdacht

Inkl.: Okuläre Hypertension

Unter H40.0 kann dein Arzt Erkrankungsfälle einordnen, deren Symptomatik stark auf ein Glaukom hinweist, ohne dass aber die endgültige Diagnose Glaukom gestellt werden kann.

Okuläre Hypertension ist der medizinische Fachausdruck für erhöhten Augeninnendruck. Die Augeninnendruckerhöhung bezeichnet das wiederholte Auftreten und Messen erhöhter Augeninnendruck-Werte ohne dass Schädigungen des Sehnervs aufgetreten sind und festgestellt werden können. Erhöhter Augeninnendruck an sich stellt keine Erkrankung dar, ist jedoch ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms.

H40.1 Primäres Weitwinkelglaukom

Inkl.: Glaucoma chronicum simplex
Kapsuläres Glaukom mit Pseudoexfoliation der Linse
Glaukom mit mäßig erhöhtem Augeninnendruck
Pigmentdispersionsglaukom

Das Weitwinkelglaukom entwickelt sich langsam, schleichend und tritt in der Frühphase zumeist ohne Symptome auf. Im Verlauf kommt es allmählich zu Gesichtsfeldausfällen (Skotomen) bis hin zum Sehverlust. Das Primäre Weitwinkelglaukom, auch als Glaucoma chronicum simplex bezeichnet, kann durch zwei unterschiedliche Mechanismen Schädigungen am Sehnerv hervorrufen.

  1. Druckbedingte Schädigung des Sehnervs: In der vorderen Augenkammer zwischen der Linse und der Hornhaut des Auges befindet sich das sogenannte Kammerwasser. Das Kammerwasser wird ständig neu  produziert und fließt normalerweise über kleine Kanäle aus der Augenkammer ab. Die Menge des Kammerwassers bestimmt den im Auge herrschenden Druck, also den Augeninnendruck (intraokularer Druck). Kommt es zum Missverhältnis zwischen Kammerwasser-Produktion und Kammerwasser–Abfluss, führt dies zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks. Langfristige Erhöhungen des Augeninnendrucks können durch den Druck zu Schädigungen des Sehnervs führen.
  2. Durchblutungsbedingte Schädigung des Sehnervs: Beim durchblutungsbedingten (vaskulären) Glaukom kommt es nicht zur Erhöhung des Augeninnendrucks. Daher wird diese Glaukom-Form auch als Normal- oder Niederdruckglaukom bezeichnet. Die Schädigung des Sehnervs kann hier durch eine verminderte Durchblutung der Nervenzellen bedingt sein. Die Blutversorgung des Sehnervs ist abhängig vom Blutfluss im Körper-Kreislauf. Kommt es im Tagesverlauf zu starken Blutdruckschwankungen oder dauerhaft zu sehr niedrigen Blutdruckwerten, werden die Netzhaut und insbesondere die Nervenzellen des Sehnervs möglicherweise nicht ausreichend durchblutet. Ebenso kann Bluthochdruck zur schlechten Durchblutung des Sehnervs führen. Hohe Blutdruck-Werte führen zur Engstellung der Gefäße, was wiederum zu einer verminderten Durchblutung der Zellen führen kann. Auch Erkrankungen, die Verkalkungen, Verengungen oder andere Veränderungen der Gefäße mit sich bringen können, zum Beispiel der Diabetes mellitus, können zur Minderdurchblutung des Sehnervs führen.

Eine Sonderform des Weitwinkelglaukoms ist das sogenannte Pseudoexfoliationsglaukom. Hierbei kommt es zur Ablagerung von Zuckereiweißen (Glykoproteinen) im Auge und im Kammerwinkel, was den Abfluss des Kammerwassers behindern kann. Als Kammerwinkel wird der Winkel bezeichnet, der durch das Zusammentreffen von Hornhaut und Iris (Regenbogenhaut) in der vorderen Augenkammer gebildet wird.

Eine weitere Sonderform stellt das Pigmentdispersionsglaukom dar. Diese Form des Glaukoms wird durch abgelöste Pigmentzellen der Regenbogenhaut (Iris) verursacht. Durch Ablagerung des Pigments im Kammerwinkel wird der Kammerwasser-Abfluss erschwert und ein Glaukom kann entstehen.

H40.2 Primäres Engwinkelglaukom

Inkl.: Akutes Engwinkelglaukom
Chronisches Engwinkelglaukom
Intermittierendes Engwinkelglaukom
Protrahiertes Engwinkelglaukom
Primäres Winkelblockglaukom

Beim primären akuten Engwinkelglaukom oder beim primären Winkelblockglaukom kommt es zur akuten, plötzlichen  Behinderung des Abflusses des Kammerwassers im Kammerwinkel der Augenkammer.

Beim primären Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel, also die Verbindungsstelle von Regebogenhaut und Hornhaut im Bezirk der Augenvorderkammer, zu eng. Dadurch wölbt sich die Regenbogenhaut (Iris) vor die Abflusskanäle in der Augenvorderkammer. Die Folge: das Kammerwasser kann nur sehr schwer abfließen. Der Augeninnendruck steigt.

Eine Pupillenerweiterung (Mydriasis) sowie ein kurzer Augapfel bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) begünstigen die Verengung des Kammerwinkels durch die Iris.

Bei einem Winkelblockglaukom wird die Regenbogenhaut (Iris) entweder zum Kammerwinkel (Verbindungsstelle von Iris und Hornhaut im Bezirk der Augenvorderkammer) gezogen oder dorthin verdrängt, so dass die Kammerwasserdrainage blockiert wird. Das Kammerwasser kann nicht mehr ausreichend abfließen, der Augeninnendruck erhöht sich.

Der akute starke Anstieg des Augeninnendrucks kann zur raschen Schädigung des Sehnervs führen. Dabei treten Symptome wie eine akute einseitige Sehverschlechterung, Kopfschmerzen, ein rotes, steinhartes Auge auf. Das wird oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen. Das akute Winkelblockglaukom kann innerhalb von Stunden zur Erblindung führen und ist ein augenärztlicher Notfall. Das Krankheitsbild wird auch Glaukomanfall genannt.

Ein intermittierendes Engwinkelglaukom ist durch wiederholte, immer wieder auftretende Verdrängungen des Kammerwasser-Abflusses gekennzeichnet. Ein intermittierendes Engwinkelglaukom kann zum Beispiel bei Pupillenerweiterung wie beim Dämmerungssehen auftreten.

Als protrahiert werden in der Medizin Verläufe oder Erkrankungen bezeichnet, die verlängert bzw. verzögert verlaufen.

H40.3 Glaukom (sekundär) nach Verletzung des Auges

Ein sekundäres Glaukom ist ein Glaukom, das infolge anderer Augenerkrankungen auftritt. Glaukome können auch nach Verletzungen des Auges zum Beispiel durch eine narbenbedingte Behinderung des Kammerwasser-Abflusses auftreten.

H40.4 Glaukom (sekundär) nach Entzündung des Auges

Entzündungen des Auges hinterlassen oftmals Vernarbungen oder Verklebungen (Synechien), die eine Abflussstörung des Kammerwassers hervorrufen können und somit sekundär zur Ausbildung eines Glaukoms führen können.

H40.5 Glaukom (sekundär) nach sonstigen Affektionen des Auges

Unter einer Affektion wird in der Medizin der Befall oder die Erkrankung eines Organs bezeichnet. Unter H40.5 können Sekundärglaukome eingeordnet werden, die nicht auf bestimmte Verletzungen oder Entzündungen des Auges oder auf Arzneimittel zurückzuführen sind.

H40.6 Glaukom (sekundär) nach Arzneimittelverabreichung

Bestimmte Arzneimittel wie Kortison oder kortisonhaltige Augentropfen können die Durchblutung im Auge verändern. Sie können außerdem den Augeninnendruck zum Beispiel durch Erweiterung der Pupille und Verdrängung des Kammerwinkels erhöhen. Dadurch kann ein sekundäres Glaukom entstehen.

H40.8 Sonstiges Glaukom

Hier können Formen des grünen Stars klassifiziert werden, die nicht in die Kategorien H40.1 bis H40.7 eingeordnet werden können.

H40.9 Glaukom, nicht näher bezeichnet

Ist die Glaukom-Erkrankung nicht näher beschrieben, ist die Ursache des grünen Stars unklar oder soll der Grund nicht genauer angegeben werden, kann die Diagnose unter H40.9 verschlüsselt werden.

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Symptome

Tinnitus

Frau mit Tinnitus hält sich die Ohren zu, weil sie von den ständigen Geräuschen in ihren Ohren genervt ist.
Tinnitus kann für Betroffene sehr belastend sein. Umso wichtiger ist es daher, die Ohrgeräusche frühzeitig behandeln zu lassen.

Was bedeutet Tinnitus?

Als Tinnitus werden Ohrgeräusche bezeichnet, die nicht von einer äußeren Schallquelle ausgelöst werden und die für andere Menschen nicht hörbar sind. Tinnitus sind jedoch keine eingebildeten Geräusche. Das wäre eine akustische Halluzination. Tinnitus beruht auf einer Störung der Hörfunktion auf einem Ohr oder auf beiden Ohren.

Wenn es in deinem Ohr oder in deinen Ohren pfeift, rauscht, zischt, summt, schrillt, dröhnt oder klingelt, können das Symptome für Entzündungen im Ohr, Schalltraumata, einen Hörsturz oder für Fehlstellungen deines Kiefers sein. Ebenso kann dauerhafter Stress die Ohrgeräusche (Tinnitus) auslösen. Es gibt jedoch auch Formen des Tinnitus, bei denen die Ursachen nicht klar sind. Der Klang der Ohrgeräusche ist bei jedem Menschen mit Tinnitus verschieden. Ebenso ist der Tinnitus bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Ohrgeräusche können episodenhaft oder in Zusammenhang mit bestimmten Situationen wahrgenommen werden. Bei manchen Menschen ist der Tinnitus auch ein einzelnes Dauergeräusch.

Akute Ohrgeräusche durch Stress

Mediziner unterscheiden drei Arten von Tinnitus. Die Ohrgeräusche werden nach der Dauer der Beschwerden eingeteilt, und der Tinnitus wird unterschiedlich behandelt. Der akute Tinnitus dauert in der Regel einige Tage bis wenige Wochen. Die Ohrgeräusche sind beim akuten Tinnitus häufig die Folge von:

  • Schwerhörigkeit.
  • Lärmschäden.
  • Mittelohrentzündung. Weitere Folgen und Ursachen der Mittelohrentzündung.
  • Schwindel in Form von Drehschwindel. Weitere Arten von Schwindel und Infos zur Therapie von Schwindel.
  • Hörsturz.
  • Muskelverspannungen.
  • Blockaden an der Halswirbelsäule.
  • Fehlbelastungen des Kiefers.
  • Dauerhaftem Stress.

Bei akutem Tinnitus vergehen die Ohrgeräusche nach Behandlung meistens ohne Langzeitfolgen wieder.

Der subakute Tinnitus hält in der Regel ungefähr vier bis zwölf Wochen an. Beim subakuten Tinnitus treten die Ohrgeräusche hautsächlich in Phasen starker Belastung auf. Der Ausdruck „zu viel um die Ohren haben“ passt zum subakuten Tinnitus. Stressreduktion, psychologische Unterstützung und Maßnahmen zur Ablenkung von den Ohrgeräuschen lassen diese Form des Tinnitus oft vollkommen verstummen.

Hast du länger als drei Monate Ohrgeräusche, wird das als chronischer Tinnitus bezeichnet. Beim chronischen Tinnitus verschwinden die lästigen Ohrgeräusche nicht mehr. Bei dieser beständigen Form des Tinnitus setzt die Behandlung auf das Bemühen zu lernen, mit den Geräuschen zu leben und sich an sie zu gewöhnen.

Was sind die Ursachen von Tinnitus?

Wie genau Tinnitus entsteht ist noch nicht ausreichend geklärt. Mediziner vermuten, dass bei Tinnitus-Patienten die Sinneszellen (Haarzellen) im Innenohr geschädigt wurden.

Die Sinneshärchen verbiegen sich normalerweise durch Schwingungen des beim Hören aufgenommenen Schalls und senden Nervenimpulse aus, die an den Hörnerv weiter geleitet werden. Vom Hörnerv aus gelangen die Nervenimpulse ins Gehirn und werden dort verarbeitet. Im Gehirn werden die Nervenimpulse als Musik, Stimme, Straßenlärm oder anderes erkannt. Das sogenannte Limbische System im Gehirn bewertet diese Geräusche als angenehm, gefährlich, nervig, unangenehm und mehr. Das Limbische System verknüpft die Geräusche also mit bestimmten Gefühlsregungen.

Bei Tinnitus werden die durch die Schädigung der Sinneszellen fehlerhaft ausgesendeten Nervenimpulse nicht erkannt und somit negativ bewertet. Dadurch wird deine gesamte Aufmerksamkeit auf diese Signale gelenkt. Bei Tinnitus kannst du wichtige von unwichtigen Sinnesreizen nicht mehr unterscheiden. Tinnitus ist also keine Form des Hörverlustes. Dein Hörvermögen selbst wird durch die lästigen Ohrgeräusche nicht schlechter. Es kann jedoch sein, dass Tinnitus auftritt, wenn dein Gehör altersbedingt nachlässt. Tinnitus kann auch entstehen, wenn dein Gehör geschädigt wird, beispielsweise durch ein extrem lautes Geräusch in nächster Nähe oder Dauerlärm wie laute Musik. Manchmal zeigt sich Tinnitus auch ohne ersichtlichen Grund. Das wird als idiopathischer Tinnitus bezeichnet. Ebenso kann Tinnitus als unerwünschte Nebenwirkung bestimmter Medikamentenwirkstoffe wie Acetylsalicylsäure oder Chinin auftreten.

Welche Erkrankungen haben Tinnitus als Symptom?

Meistens ist Tinnitus jedoch mit bestimmten Ohrenkrankheiten oder anderen Erkrankungen verbunden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Schwindel (anfallsartiger Drehschwindel). Weitere Infos zu Schwindel.
  • Hörverlust
  • Menière-Krankheit: Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohres, die durch zu viel Flüssigkeit und Überdruck ausgelöst wird.
  • Gutartige Wucherung/en im Innenohr
  • Durchblutungsstörungen der kleineren Blutgefäße im Innenohr, die unter anderem durch eine kleine abnormale Windung eines Blutgefäßes ausgelöst werden können. Das kann einen Tinnitus verursachen, der mit dem Rhythmus deines Herzschlages zu- und abnimmt (pulssynchroner Tinnitus).
  • Bluthochdruck: Ein pulssynchroner Tinnitus kann auch durch Bluthochdruck verursacht werden. Hilfe bei Bluthochdruck.
  • Stress: Stress treibt den Blutdruck in die Höhe, und Bluthochdruck kann wiederum zu Ohrgeräuschen führen.
  • Mittelohrentzündung und andere Entzündungen im Ohr. Infos zur Mittelohrentzündung.
  • Fehlstellungen des Kiefers: Fehlstellungen im Kiefergelenk oder bei den Muskeln um den Oberkiefer können die Entstehung von Tinnitus begünstigen.

Wie macht sich Tinnitus bemerkbar?

Bei Tinnitus sind die Ohrgeräusche in ihrem Klang, ihrer Lautstärke, ihrer Dauer und ihrem Auftreten individuell verschieden.

  • Die Ohrgeräusche können in ihrer Art sausend, singend, piepsend, schrill oder dumpf sein.
  • Tinnitus kann als Brummton, Pfeifton, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen wahrgenommen werden.
  • Möglich bei Tinnitus ist eine verminderte Hörfähigkeit.
  • Oft tritt bei Tinnitus Schwindel auf. Anfallsartiger Drehschwindel kann auch die Ursache von Tinnitus sein.
  • Häufige Begleiterscheinungen von Tinnitus sind Schlafstörungen, Angstzustände, Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche.
  • Depressionen können als Folge von Tinnitus auftreten.
  • Chronische Ohrgeräusche können die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken. Der chronische Tinnitus wird oft als der reinste Psychoterror empfunden. Die Folge: Menschen mit chronischem Tinnitus ziehen sich oft vor der Außenwelt zurück, verkriechen sich in den eigenen vier Wänden und brechen ihre sozialen Kontakte ab. Menschen mit chronischem Tinnitus haben oft Angst davor, dass sich die unangenehmen Töne in ihrem Ohr oder in ihren Ohren in lauter Umgebung und im Stimmengewirr vieler Personen noch verstärken.

Welcher Arzt hilft bei Tinnitus?

Der erste Ansprechpartner bei Ohrgeräuschen ist dein Hausarzt. Er kann dich an einen Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO-Arzt) überweisen. Ein Besuch beim Zahnarzt kann nötig werden, wenn eventuelle Probleme mit deinem Kiefer abgeklärt werden sollen. Ein Psychologe kann dein Ansprechpartner sein, wenn Depressionen eine Begleiterscheinung von deinem Tinnitus sind. Psychotherapeuten, Hör- und Bewegungstherapeuten können dir mit entsprechenden Therapien dabei helfen, mit den lästigen Ohrgeräuschen besser fertig zu werden oder den Tinnitus zu überhören.

Hast du nicht nur Ohrgeräusche, sondern auch ein taubes Ohr solltest du keine Zeit verlieren und sofort zum HNO-Arzt gehen. Du könntest einen Hörsturz haben.

Untersuchungen bei Tinnitus

Dein behandelnder Arzt wird dir Fragen zur Art, Dauer und Intensität deiner Ohrgeräusche stellen. Ebenso wird der Arzt über bestehende und überstandene Erkrankungen wie Bluthochdruck informiert werden wollen.

Um Erkrankungen deines Ohres/deiner Ohren oder andere Erkrankungen als mögliche Ursachen des Tinnitus festzustellen oder auszuschließen, folgt eine körperliche Untersuchung. Um zu überprüfen, ob dein Trommelfell und dein Gehörgang unbeschädigt sind, blickt dein Arzt mit einem optischen Gerät in dein Ohr (Otoskopie). Nach einer Blutentnahme lassen sich in deinem Blut Spuren möglicher Entzündungen finden. Zu den sogenannten Entzündungsparametern gehören eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und eine Erhöhung des Wertes des sogenannten C-reaktiven Proteins (CRP). Mehr zum Laborwert CRP.

Um das Ausmaß einer Entzündung oder krankhafte Veränderungen im Innenohr sichtbar zu machen, können eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) deines Kopfes notwendig werden. Eine Hörprüfung kann bei der Diagnose des Tinnitus zeigen, ob bei dir ein Hörverlust vorliegt oder sich ein Hörverlust entwickelt.

Was tun bei Tinnitus?

Die Therapie von Tinnitus wird von deinem behandelnden Arzt immer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Deine Mithilfe ist bei der Behandlung deines Tinnitus jedoch unerlässlich. Ganz wichtig für den Therapieerfolg bei Tinnitus sind eine gesunde Lebensführung und auch eine positive Lebenseinstellung. Tinnitus ist keine lebensbedrohliche Krankheit. Die lästigen Ohrgeräusche sind ein Leiden, was sich in der Regel gut in den Griff bekommen lässt.

Tritt der Tinnitus erstmalig auf, solltest du Ruhe bewahren und den Geräuschpegel in deiner Umgebung senken. Je früher du dich bei Tinnitus behandeln lässt, desto besser. Der HNO-Arzt kann dir zur Linderung der Ohrengeräusche durchblutungsfördernde Medikamente verabreichen. Das kann auch über eine Infusion passieren. Je nach Diagnose können sich weitere Behandlungen anschließen. Wichtig bei der Therapie von Tinnitus ist auf jeden Fall, dass du familiären Stress und/oder berufliche Belastungen reduzierst oder besser noch aus dem Weg räumst. Bei Tinnitus lohnt es sich, über deinen bisherigen Lebenswandel nachzudenken und etwas zu ändern. Geh seelische und alle anderen Probleme an. Eine kleine Auszeit kann dir nicht nur bei Ohrgeräuschen helfen zu entspannen und die nötige Kraft zu tanken. Ein Austausch mit Tinnitus Leidensgenossen in Selbsthilfegruppen kann dir dabei helfen, die Angst vor den Ohrgeräuschen und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu verlieren oder zumindest zu lindern.

Bei den Therapien von chronischen Ohrgeräuschen (chronischer Tinnitus) geht es meistens darum, von den dauerhaften Ohrgeräuschen abzulenken. Hierbei kommen keine Medikamente zum Einsatz, sondern Maßnahmen zur Gewöhnung an die Ohrgeräusche.

Medikamente gegen Tinnitus

Bei der Therapie eines akuten Tinnitus sollen durchblutungsfördernde Medikamente die Durchblutung im Innenohr anregen. Manchmal können durchblutungsfördernde Medikamente auch als Infusion direkt in die Venen verabreicht werden. Als Wirkstoffe können bei akutem Tinnitus Hydroxyethylstärke + Natriumchlorid zum Einsatz kommen. Häufig kann auch Kortison verabreicht werden, um den Tinnitus schon kurz nach dem Auftreten zu bekämpfen. Bei Ohrgeräuschen kann auch eine Überdruck-Sauerstofftherapie hilfreich sein. Bei der Überdruck-Sauerstofftherapie atmest du in einer Überdruckkammer reinen Sauerstoff ein. Auf diese Weise soll der Sauerstoff besser zu deinen Ohren und zum Gehirn transportiert werden. Denn damit deine Nervenbahnen und Sinnessysteme optimal funktionieren, müssen ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe vorhanden sein. Um das zu gewährleisten ist es notwendig, dass Blut, Blutdruck und Blutfluss sowie dein Stoffwechsel gut funktionieren und zusammenarbeiten.

Tinnituszentrierte Musiktherapie soll den Geräuschpegel im Ohr senken

Mit einer sogenannten Tinnituszentrierten Musiktherapie soll die Lautstärke deiner Ohrgeräusche gesenkt werden. Dazu setzt die Tinnituszentrierte Musiktherapie darauf, deine Konzentration auf das Störgeräusch auszuschalten. Du lernst, auf andere Dinge zu hören statt auf deinen Tinnitus. Dadurch tritt der Tinnitus in den Hintergrund und stört dich nicht mehr. Als Tinnitus-Patient hörst du bei der Tinnituszentrierten Musiktherapie alltägliche Geräusche oder Musik, die deinem Tinnitus-Ton ganz leise beigemischt werden. Deinen individuellen Tinnitus-Ton ermittelt der Musiktherapeut durch Vergleichstöne und durch deine Beschreibung deines Tinnitus-Tons. Damit die Tinnituszentrierte Musiktherapie funktioniert musst du in der Regel über einige Wochen täglich Hörübungen zu Hause durchführen. Die Techniken dazu werden dir in Therapiesitzungen vermittelt.

Tinnitus Masker

Ist der Tinnitus zu einem Dauerzustand geworden und beeinträchtigt er dein Leben erheblich, dann könnte ein sogenannter Tinnitus-Masker Abhilfe schaffen. Der Tinnitus-Masker ist ein Gerät, das hinter deinem Ohr oder im Ohr getragen wird. Der Tinnitus-Masker erzeugt für sechs bis acht Stunden am Tag leise Gegengeräusche, die von deinem Tinnitus-Ton ablenken sollen. Deine eigentlichen Ohrgeräusche sollen auf diese Weise aus deiner bewussten Wahrnehmung verschwinden. Der Tinnitus-Masker ist vereinfacht gesagt ein Gerät, mit dem dein Tinnitus überhört werden kann.

Akupunktur gegen Ohrgeräusche

Akupunktur soll bei Tinnitus hilfreich sein, kann die klassische Behandlung jedoch nicht ersetzen. Die Akupunktur ist eine Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die TCM geht davon aus, dass Krankheiten nur dann entstehen, wenn die universelle Lebensenergie Qi nicht mehr ungehindert entlang bestimmter Bahnen (Meridiane) durch deinen Körper fließen kann. Das passiert, wenn Qi durch eine innere Störung der Organe und Meridiane blockiert oder gestaut wird. Bei der Akupunktur setzt der behandelnde Arzt die Akupunkturnadeln auf ganz bestimmte Punkte der Meridiane, um die entsprechenden Blockaden zu lösen. Wie die Behandlung bei Tinnitus aussieht ist individuell verschieden. Lass dich von deinem Arzt oder Heilpraktiker beraten.

Tinnitus Retraining Therapie

Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) ist eine Kombination aus Hörtraining, Entspannungsübungen und kognitiver Psychotherapie (kognitiver Verhaltenstherapie). Sie kann bei chronischem Tinnitus eingesetzt werden. Da der chronische Tinnitus mit länger als drei Monate lang andauernden Ohrgeräuschen sehr belastend sein kann, ist es hilfreich in einer Verhaltenstherapie den Umgang mit der Krankheit und den damit verbundenen Ängsten zu lernen. Auch sollen bei der Tinnitus-Retraining-Therapie falsche Verhaltensmuster erkannt und abgelegt werden. Gespräche in Gruppen von Leidensgenossen oder auch Einzelgespräche können dabei helfen. In der Hörtherapie sollst du lernen die Geräusche in deiner Umgebung wieder bewusster wahrzunehmen und somit die Tinnitus-Töne in dem Ohr neu zu bewerten. Mit Entspannungsübungen wie der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson kann der Stressabbau geübt werden. Da Anspannungen der Muskulatur häufig mit Unruhe, Angst und psychischer Anspannung einhergeht, ist das Therapieziel der progressiven Muskelentspannung, dass du frühzeitig muskuläre Spannungszustände wahrnimmst und lernst, diese aktiv zu vermeiden. Das Prinzip der Wahrnehmungsschulung für das Gefühl der Entspannung und Anspannung beruht darauf, eine Muskelgruppe willentlich anzuspannen, diese Anspannung zu halten und dann zu entspannen. Konzentriere dich dabei möglichst mit geschlossenen Augen auf die Wahrnehmung der Anspannung und der Entspannung. Um eine bessere Körperwahrnehmung zu erreichen ist es notwendig, regelmäßig zu üben. Die Übungen kannst du im Liegen oder im behaglichen Sitzen in bequemer, nicht einengender Kleidung durchführen. Vorsicht: Bei Menschen mit Angstzuständen können sich diese durch die Progressive Muskelentspannung noch verstärken. Denn genau wie das autogene Training fordert auch die Progressive Muskelentspannung dazu auf, in sich hinein zu hören. Asthmabeschwerden können während Entspannungsübungen zunehmen. Ähnliches gilt für Depersonalisations- und Derealisationsphasen bei Menschen mit Psychose.

Tinnitus vorbeugen

Akutem Tinnitus vorbeugen kannst du zum Beispiel, indem du lärmbehaftete Arbeiten wie mit einer Motorsäge mit einem Gehörschutz durchführst. Auch beim Musikhören solltest du mit der Lautstärke Maß halten. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichender Bewegung, gesunder Ernährung sowie emotionaler Ausgeglichenheit tragen auch beim Tinnitus und bei der Vorbeugung von Ohrgeräuschen dazu bei, dass Körper und Seele gesund bleiben.

Bei chronischem Tinnitus ist es ganz wichtig, dass du selbst aktiv wirst und dich von deinen ständigen Ohrgeräuschen nicht vereinnahmen lässt. Bei chronischem Tinnitus musst du lernen, mit den lästigen Ohrgeräuschen zu leben. Lass dir dabei helfen. Hilfe zu suchen und anzunehmen ist der beste Weg zur Besserung.

Ist Tinnitus heilbar?

Tinnitus kann in der Regel nach einigen Tagen abklingen, wenn die Ursache der Ohrgeräusche behandelt wird und eine Akuttherapie durchführt wurde. Ist der Tinnitus zu einem Dauerzustand und damit chronisch geworden, dann musst du versuchen zu lernen, mit deinen Ohrgeräuschen zu leben. Die meisten Menschen mit Tinnitus können die Ohrgeräusche auf Dauer gut ertragen. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen durch den Tinnitus die Lebensqualität sehr stark eingeschränkt wird. Trotzdem solltest du versuchen, die Dinge so zu sehen wie sie sind: der Tinnitus ist dein ständiger Begleiter, also akzeptiere ihn und lass ihn nicht zur Nummer eins in deinem Leben werden. Überhöre die Ohrgeräusche, das kannst du lernen. Wichtig ist bloß, dass du keine Wunder erwartest und Geduld mitbringst.

Widme deine Aufmerksamkeit anderen Dingen als deinen Ohrgeräuschen. Lerne, andere Geräusche bewusst wahrzunehmen. Nimm dein Schicksal in die Hand, überdenke deine Lebenssituation und lerne mit professioneller Hilfe, Stress-Situationen mutig ins Auge zu schauen. Du musst dich nicht verstecken. Du kannst trotz Tinnitus ein unbeschwertes Leben führen.

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Laborwerte

Na: Natrium

Na ist bei Laborwerten die Abkürzung für Natrium.
Na ist die Abkürzung für Natrium. Der Natriumspiegel im Blut oder im Urin kann unter anderem bei Bluthochdruck, Störungen des Flüssigkeitshaushaltes oder Nierenschwäche bestimmt werden.

Was bedeutet Na?

Na ist die Abkürzung für Natrium. Natrium zählt neben Kalium und Chlorid zu den wichtigsten Mineralsalzen (Elektrolyten) unseres Körpers. Natrium spielt in der Kommunikation zwischen den Zellen bzw. der Reizweiterleitung in den Nervenzellen eine Rolle. Ebenso wichtig ist Natrium für die Regulation des Flüssigkeits-Haushaltes in deinem Körper.

Natrium nimmst du überwiegend in Form von Speisesalz als Natrium-Chlorid (NaCl) über deine Nahrung auf. Fehlt deinem Blut Natrium, zum Beispiel durch eine verringerte Aufnahme mit der Nahrung, so strömt Wasser aus den Blutgefäßen in die Zellen. Warum? Um die dortige Na-Konzentration zu verdünnen und somit für einen Ausgleich des Na-Spiegels in der Zelle und außerhalb der Zelle (in den Blutgefäßen oder im Gewebe zwischen den Zellen) zu sorgen. Durch die vermehrte Wasser-Aufnahme schwellen die Zellen an.

Viel Natrium im Blut bedeutet wiederum, dass viel Wasser aus deinen Zellen in die Blut-Gefäße strömt. Über die Nieren wird dann wenig Wasser ausgeschieden, um möglichst viel Wasser zur „Verdünnung“ der Natrium-Konzentration im Blut bereit zu stellen. Die Zellen verlieren dabei eine große Menge Wasser und können austrocknen.

Wann wird der Na-Wert bestimmt?

Die Untersuchung der Na-Werte wird zum Beispiel zur Beurteilung deines Flüssigkeits-Haushaltes, aber auch zur Beurteilung deines Elektrolyt-Haushaltes (Elektrolyte sind für deinen Körper notwendige Salze) durchgeführt. Folgende Fragen könnten Anlass zur Na-Bestimmung sein:

  • Ist dein Körper ausreichend mit Flüssigkeit versorgt?
  • Werden deinem Körper Mineralsalze in ausreichenden Mengen zugeführt?
  • Hast du durch akute Erkrankungen (z.B. Erbrechen oder Durchfälle) zu viel Flüssigkeit oder Mineralsalze verloren?
  • Gehen deinem Körper größere Mengen an Wasser oder Natrium über den Urin verloren?

Normalwerte für Na

Gemessen werden kann der Na-Wert im Blutserum oder Urin. Die Messwerte der Natrium-Menge im Blutserum werden in mmol/l (Millimol pro Liter) angegeben.

Die Normwerte für Na im Blutserum sind abhängig vom Lebensalter:

  • Erwachsene: 135-145 mmol/l
  • Kinder (0-7 Tage): 133-146 mmol/l
  • Kinder (8-31 Tage): 134-144 mmol/l
  • Kinder (1-6 Monate): 134-142 mmol/l
  • Kinder (6 Monate bis 1 Jahr): 133-142 mmol/l
  • Kinder (<1 Jahr): 134-143 mmol/l

Im Urin kann die Natrium-Menge bestimmt werden, indem die gesamte Urin-Menge eines Tages (24 Stunden-Urin) gesammelt wird. Die gemessenen Na-Werte tragen die Messeinheit mmol/24h (Millimol pro 24 Stunden). Der Normwert für Na im Urin beträgt 50 bis 200 mmol/24h.

Bitte bedenke: Die Normalwerte sind von Labor zu Labor unterschiedlich und variieren je nach Messmethode. Am besten besprichst du deine Na-Werte und auch alle anderen Laborwerte mit deinem Arzt.

Was bedeutet es, wenn dein Na-Wert zu hoch ist?

Zu hohe Na-Werte im Blutserum werden als Hypernatriämie bezeichnet. Veränderungen im Natrium-Haushalt können durch Störungen in der Flüssigkeits-Aufnahme oder in der Flüssigkeits-Ausscheidung bedingt sein.  Auch eine veränderte Natrium-Zufuhr kann der Grund für zu hohe Na-Werte sein. Daher werden Veränderungen der Natrium-Werte in der Regel auch immer gemeinsam mit Veränderungen deines Flüssigkeits-Haushaltes (Hyper- oder Hypovolämie bzw. Dehydratation) betrachtet.

Hypernatriämie bei Hypervolämie

Gleichzeitig zu den erhöhten Natrium-Werten (Hypernatriämie) kann auch der Flüssigkeitsgehalt deines Körpers erhöht sein (Hypervolämie).

Grund dafür kann zum Beispiel eine übermäßige Zufuhr Salz-haltiger Infusionstherapien oder das Trinken von Meerwasser sein. Auch eine Störung der hormonellen Regulation, der primäre Hyperaldosteronismus, kann für die Na-Erhöhung verantwortlich sein. Deine Nebennieren produzieren dann ein Übermaß des Hormons Aldosteron, welches unter anderem in der Niere die Natrium- und Wasser-Ausscheidung hemmt.

Ebenso kann eine gestörte Nierenfunktion mit erniedrigter Natrium-Ausscheidung für hohe Natrium-Werte bei erhöhtem Flüssigkeitsgehalt des Körpers verantwortlich sein.

Hypernatriämie bei Dehydratation

Die erhöhten Natrium-Werte können mit einem verminderten Flüssigkeitsgehalt des Körpers (Dehydratation) einhergehen. Ursachen dafür können sein:

  • Verminderte Flüssigkeitszufuhr
  • Vermehrte Flüssigkeitsverluste durch Durchfälle, Fieber, Schwitzen. Ab welcher Temperatur beginnt Fieber?
  • Vermehrte Flüssigkeitsverluste durch gestörte Regulation der Wasser-Rückaufnahme in der Niere wie z.B. beim sogenannten Diabetes insipidus
  • Flüssigkeitsverluste durch Medikamente wie beispielsweise osmotische Diuretika. Diuretika sind Arzneimittel, die die Wasserausscheidung des Körpers mit dem Harn fördern.

Die zusätzliche Bestimmung des Natrium-Wertes im Urin kann weitere Hinweise auf die Ursache der Hypernatriämie in Bezug zur Nierenfunktion und der hormonellen Regulation liefern.

Was bedeutet es, wenn dein Na-Wert zu niedrig ist?

Erniedrigte Na-Werte im Blutserum werden als Hyponatriämie bezeichnet. Störungen im Na-Haushalt können durch Veränderungen der Flüssigkeits-Aufnahme oder der Flüssigkeits-Ausscheidung und damit durch Konzentrierungs- oder Verdünnungseffekte bedingt sein. Erniedrigte Natrium-Werte (Hyponatriämie) können auch durch eine veränderte Natrium-Zufuhr auftreten.  Na-Veränderungen (Hyper- oder Hyponatriämien) werden deswegen in der Regel zusammen mit Veränderungen des Flüssigkeits-Haushaltes (Hyper- oder Dehydratation) betrachtet.

Hyponatriämie bei Hyperhydratation

Bei erniedrigten Natrium-Werten und gleichzeitig einem erhöhten Flüssigkeitsgehalt deines Körpers ist dein Blutserum „verdünnt“. Gründe dafür können Störungen der Niere sein. Eine gestörte/fehlende Flüssigkeitsausscheidung führt zur Wasser-Überladung des Körpers. Der Natrium-Gehalt ist relativ erniedrigt. Auch eine schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Leber-Schäden (Leberinsuffizienz) können zur sogenannten „Wasservergiftung“ führen.

Hyponatriämie bei normalem Wassergehalt (Euvolämie)

Ursache des erniedrigten Natrium-Gehalts (Hyponatriämie) kann eine Störung im Hormon-Haushalt sein. Das Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon) wird in deiner Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Ausgeschüttet wird das Hormon zum Beispiel, wenn der Blutdruck fällt oder die Anzahl der gelösten Teilchen im Blut stark steigt. Dann werden in die Nierenzellen Wasser-Kanälchen (Aquaporine) eingebaut und Wasser wird aus dem Urin zurückgewonnen und gelangt in das Blut. So kann die Teilchen-Konzentration ausgeglichen bzw. der Blutdruck wieder gesteigert werden. Störungen dieser ADH-Ausschüttung können im Sinne eines Syndroms der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) auftreten. Obwohl kein Flüssigkeitsmangel besteht und auch die Elektrolytkonzentration im Blut nicht erhöht ist, setzt die Hirnanhangsdrüse ADH frei. Entzündungen, Tumoren oder Blutungen der Hypophyse aber auch viele weitere ungeklärte Mechanismen oder die Einnahme von Medikamenten (z.B. Thiazid-Diuretika) können die ADH-Ausschüttung beeinflussen und so zur Hyponatriämie führen.

Hyponatriämie bei Dehydratation

Treten erniedrigte Na-Werte zusammen mit einem niedrigen Körper-Wassergehalt auf, sind deinem Körper sowohl große Mengen Salze als auch große Mengen Wasser verloren gegangen. Gründe für diese Hyponatriämie bei Dehydratation können sein:

  • Heftiges Erbrechen
  • Heftiger Durchfall, auch Diarrhoe oder Diarrhö genannt
  • Mineralcorticoidmangel (Morbus Addison): Dem Körper fehlt es an bestimmten Hormonen wie Aldosteron, die für die Natrium-Rückresorption in der Niere zuständig sind. Mit dem Urin werden dann große Mengen Natrium ausgeschieden. Sekundär geht dem Körper auch Flüssigkeit verloren
  • Diuretikatherapie: Diuretika („Wassertabletten“) sind Urin-fördernde Mittel und werden zum Beispiel in der Therapie des Bluthochdrucks eingesetzt. Hilfe bei Bluthochdruck
    In der Niere gibt es bestimmte Kanäle und Transporter, die dafür zuständig sind, Mineralsalze aus dem Urin zurück zu gewinnen. Bei der Natrium-Rückgewinnung wird auch Wasser zurück gewonnen. Werden diese Transportmechanismen durch Diuretika gehemmt, erhöht sich die Konzentration der Mineralsalze wie Natrium im Urin. Gleichzeitig wird mehr Wasser ausgeschieden und der Blutdruck so gesenkt. Andere Diuretika hemmen das Hormon Aldosteron. Folge davon ist eine vermehrte Natrium- und Wasser-Ausscheidung.

Eine zusätzliche Messung des Natrium-Gehaltes im Urin kann weitere Hinweise auf die Ursache der Hypernatriämie in Bezug zur Nierenfunktion oder deinem Hormon-Haushalt bringen.

Was kannst du bei abweichenden Na-Werten selbst tun?

Für deinen intakten Flüssigkeits- und Elektrolyt-Haushalt kannst du selbst sorgen, indem du täglich mindestens zwei Liter trinkst und dich ausgewogen ernährst.

Eine täglich zu hohe Natrium-Zufuhr kann gefährlich für deinen Körper werden und dein Risiko für Bluthochdruck und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Natrium ist Bestandteil von Salz (NaCl). Salz ist besonders in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurstwaren, Fertigsoßen, Fertiggerichten und Konserven enthalten. Daher kannst du darauf achten deine Ernährung nur zu einem kleinen Teil durch diese Nahrungsmittel zu gestalten und stattdessen auf unverarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse zurückgreifen.

Zu hohe Natrium-Werte (Hypernatriämien) werden häufiger durch Flüssigkeits-Mangel verursacht als durch zu hohe Natrium-Mengen. Sind die Na-Spiegel also erhöht weil dein Körper zu wenig Flüssigkeit zur Verfügung hat (Dehydratation), kann eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr im Sinne einer erhöhten Trinkmenge oder durch eine Therapie mit Infusionslösungen helfen. Dadurch kann der Flüssigkeits-Haushalt und Natrium-Haushalt wieder ausgeglichen werden. Wichtig ist hier, dass der Ausgleich der Hypernatriämie langsam und vorsichtig geschieht: Zu schnelle Veränderungen im Flüssigkeits- oder Elektrolyt-Haushalt können durch die osmotische Effekte schädlich für unsere Zellen sein. Du solltest die Therapie der Hypernatriämie also deinem Arzt überlassen.

Du hast eine Hyponatriämie, also erniedrigte Natrium-Werte, und gleichzeitig eine erhöhten Flüssigkeits-Anteil, sodass deine Natrium-Konzentration im Blut „verdünnt“ ist? Dann kann eine Beschränkung der Trinkmenge ratsam sein. Sprich mit deinem Arzt.

Hyponatriämien im Rahmen von Natrium- und Wasserverlust bei Durchfall, Erbrechen oder Schwitzen können durch die Zufuhr von an den Körper angepasster (isotoner) Kochsalz-Lösung oder aber Elektrolyt-haltiger Getränke behoben werden. Besteht allerdings ein ausgeprägter Mangel und dein Körper ist „ausgetrocknet“, kann dir eine Infusionstherapie durch einen Arzt helfen.

Auch hier ist es wie generell bei den Elektrolyt-Störungen sehr wichtig, dass der Ausgleich langsam geschieht damit deine Zellen keinen Schaden nehmen. Versuche keine Experimente auf eigene Faust, sondern besprich die Therapie der Elektrolyt-Störungen mit deinem Arzt.

Bei erniedrigten Natrium-Werten solltest du mit deinem Arzt einen Blick auf deine Medikamenten-Liste werfen. Nimmst du zum Beispiel Diuretika (Harn-treibende, entwässernde Medikamente), können diese die Ursache der Hyponatriämie sein.

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Krankheiten

Bluthochdruck

Bei docinsider registrierter Arzt misst den Blutdruck am Oberarm eines Patienten mit Bluthochdruck.
Bei Bluthochdruck sind regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks wichtig. Der erste Messwert gibt Aufschluss über die Pumpleistung des Herzens. Der zweite gibt den Druck beim Erschlaffen des Herzmuskels an.

Bluthochdruck: Was ist das?

Dein Blut fließt mit einem bestimmten Druck durch deine Blutgefäße und Herzkammern. Dieser Blutdruck kann gemessen werden. Der erste, höhere Blutdruck-Wert (systolischer Druck) gibt den Druck beim Zusammenziehen des Herzmuskels an. Damit beurteilt dein Arzt die Pumpleistung deines Herzens. Der zweite, niedrigere Wert (diastolischer Druck) gibt den Druck beim Erschlaffen des Herzmuskels an. Er zeigt den Widerstand in deinen Blutgefäßen an, den dein Blut überwinden muss, um in deinen Kreislauf zu gelangen.

Bluthochdruck kann entstehen, wenn dein Herz pro Schlag mehr Blut als normalerweise in deinen Körper befördert, die Pumpleistung also erhöht ist. Zum Bluthochdruck kann es ebenfalls kommen, wenn dein Gefäßsystem dem Blutfluss viel Widerstand entgegensetzt. Es können auch beide Faktoren gleichzeitig zum Bluthochdruck beitragen.

Gemessen wird der Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Der optimale Blutdruck-Wert liegt unter 120/80 mmHg. Von krankhaftem Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) sprechen Mediziner, wenn der Blutdruck über mehrere Wochen über 140/90 mmHg liegt.

Blutdruck messen mit Hilfsmitteln aus der Apotheke

Besteht nur zeitweise ein hoher Blutdruck, wird das als labiler Bluthochdruck bezeichnet. Der Bluthochdruck tritt hier nach Belastungen wie Sport oder in Stress-Situationen auf.

Bei stabilem Bluthochdruck sind die Blutdruck-Werte im Rahmen von Krankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes oder Alkoholabhängigkeit ständig erhöht.

Normaler Blutdruck und Bluthochdruck

Dein Blutdruck ist während des Schlafens systolisch (bei der Blutdruckmessung der erste Wert) und diastolisch (bei der Blutdruckmessung der zweite Wert) natürlicherweise um etwa zehn Prozent niedriger als im wachen Zustand. Mit jedem Blutdruckanstieg um 20/10 mmHg, egal ob bei Tag oder in der Nacht, erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um das Doppelte. Bei Aufregung, körperlichen Anstrengungen oder durch bestimmte Krankheiten kann es kurzfristig oder dauerhaft zu Bluthochdruck kommen.

In der Tabelle siehst du gebräuchliche Werte und Definitionen für normalen Blutdruck und Bluthochdruck:

Blutdruck (mm/Hg) systolisch diastolisch
optimal < 120 < 80
normal < 130 < 85
hoch normal 130-139 85-89
Bluthochdruck
Stadium I
140-159 90-99
Bluthochdruck
Stadium II
160-179 100-109
Bluthochdruck
Stadium III
> 180 > 110

Mögliche Komplikationen von Bluthochdruck

Anhaltend hoher Blutdruck sorgt dafür, dass die Innenwände deiner Arterien leicht einreißen. An diesen kleinen Verletzungen kann dein Blut verwirbeln, es können sich Ablagerungen bilden, die deine Blutgefäße verengen. Dadurch kann sich das Risiko für eine koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Arteriosklerose erhöhen. Durch die verengten Gefäße muss dein Herz das Blut außerdem ständig gegen einen großen Widerstand in deinen Kreislauf pumpen. Auf Dauer kann durch diese Überlastung des Herzens eine Herzschwäche entstehen. Sind bei dir bereits Vorerkrankungen wie Diabetes oder eine Nierenschädigung vorhanden, kann die Verengung der Blutgefäße zu einer weiteren Verringerung der Nierenleistung führen. Wenn deine Nieren geschädigt sind, erkennt das dein Arzt an Eiweißausscheidungen (Mikroalbumin) im Urin.

Bluthochdruck: Ursachen

Auslöser für Bluthochdruck ist in vielen Fällen ein ungesunder Lebensstil. Dauerhaft falsche Ernährung mit zu viel Fastfood, mehr als einem Teelöffel Salz pro Tag sowie einem Übermaß an koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Cola und starkem Schwarztee kann Bluthochdruck begünstigen. Regelmäßiger Alkoholgenuss steigert die Herzfrequenz und Nikotin verursacht eine Gefäßverengung. Daher können auch Alkohol und Nikotin zu Bluthochdruck führen. Übergewicht und zu wenig Bewegung können den Blutdruck ebenfalls steigen lassen.

Bluthochdruck kann außerdem genetisch bedingt sein. Vor allem, wenn die Mutter unter Hypertonie leidet, können Kinder einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein ebenfalls an Bluthochdruck zu erkranken.

Medikamente wie „die Pille“ zur Empfängnisverhütung und glukokortikoid haltige Präparate (mit Hydrocortison, eingesetzt u.a. bei entzündlichen Hauterkrankungen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen) können als Nebenwirkung hohen Blutdruck verursachen.

Beruflicher und privater Dauerstress können dafür sorgen, dass dein Blutdruck steigt. Die Muskelfasern in deinen Arterien bleiben bei Stress ständig angespannt und die Blutgefäße bleiben eng eingestellt. Die Folge: deinem Herzen wird dadurch eine höhere Pumpleistung abverlangt, der Blutdruck erhöht sich.

Primäre und sekundäre Hypertonie

Mediziner unterscheiden zwei Formen des Bluthochdrucks. Die primäre Hypertonie, auch essentielle Hypertonie genannt, hat keine eindeutige Ursache. Teilweise kann sie vererbt sein.

Die sekundäre Hypertonie ist die Folge einer Erkrankung wie beispielsweise einer Verengung der Brustaorta (Aortenisthmusstenose), Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Sind Erkrankungen der Nieren und Nebennieren die Ursache des Bluthochdrucks wird das als renale Hypertonie bezeichnet. Ein durch Hormone verursachter Bluthochdruck wird als endokrine Hypertonie bezeichnet.

Bluthochdruck: Häufige Fragen

Dein Blutdruck wird von der Spannung der Blutgefäßwände, dem Salz-Wasser-Haushalt deines Körpers und dem Zusammenwirken von biochemischen Regelsystemen reguliert. Folgende Fragen werden im Zusammenhang mit Bluthochdruck häufig gestellt. Die Antworten dienen zur Information. Sie können eine ausführliche und auf den jeweiligen Bluthochdruck-Patienten und seine Beschwerden zugeschnittene Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen.

Ist Bluthochdruck immer gefährlich?

Bei Stress oder körperlicher Anstrengung kann der Blutdruck stark ansteigen. Auch im Normalzustand ist der Blutdruck im Laufe eines Tages starken Schwankungen unterworfen. Beim Gesunden fällt der Blutdruck nach Belastungen schnell wieder ab. Besteht der Bluthochdruck dauerhaft über mehrere Wochen und wird nicht behandelt, erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In vielen Fällen reicht oft schon eine Ernährungsumstellung, mehr Bewegung, Stressabbau und kontrollierte Gewichtsabnehme, um den Bluthochdruck zu senken. Durch die angemessene Therapie von Grunderkrankungen, die den Bluthochdruck fördern können, kann häufig auch der Blutdruck gesenkt werden. Wichtig bei allen Therapien ist, dass du selbst aktiv wirst und durch einen gesunden Lebenswandel zur Besserung deines Bluthochdrucks beiträgst.

Was tun bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft?

Wenn Bluthochdruck in der Schwangerschaft auftritt, passiert das in der Regel im letzten Drittel der Schwangerschaft. Der Bluthochdruck endet dann aber meistens etwa sechs Wochen nach der Geburt. Bei der sogenannten Präeklampsie (Bluthochdruck und Eiweißausscheidung im Urin) kann allerdings Gefahr für Mutter und Kind bestehen. Es ist daher sehr wichtig, während der Schwangerschaft den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Dein behandelnder Arzt kann dir bei Bedarf ein Medikament zur Senkung des Bluthochdrucks verordnen, das ähnlich wie ein Betablocker wirkt und gut verträglich ist. Ein Betablocker lässt das Herz langsamer schlagen, sorgt für Entspannung der Gefäße und senkt dadurch den Blutdruck. Auf keinem Fall solltest du als Schwangere auf eigene Faust versuchen, deinen Bluthochdruck zu senken. Sprich mit deinem Frauenarzt, zusammen werdet ihr eine Lösung finden.

Was ist eine Hypertensive Krise?

Von einer Hypertensiven Krise sprechen Mediziner, wenn der Blutdruck plötzlich und sehr rasch auf sehr hohe Werte über 200/115 mmHg ansteigt. Die Hypertensive Krise macht sich durch Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit und Unwohlsein bemerkbar. Beim Hypertensiven Notfall erhöht sich der Blutdruck auf lebensgefährliche Werte über 230/130 mmHg. Sowohl bei der Hypertensiven Krise als auch beim Hypertensiven Notfall ist eine ärztliche Versorgung dringend notwendig.

Blutdruck richtig messen: Wie geht das?

Bei Bluthochdruck ist es wichtig, den Blutdruck regelmäßig vom Arzt kontrollieren zu lassen. Für zu Hause gibt es zum Selbstmessen des Blutdrucks viele Geräte. Bitte lies die Bedienungsanleitung genau durch.

Blutdruck messen mit Hilfsmitteln aus der Apotheke

Um bei der Blutdruckmessung korrekte Werte zu erhalten, können folgende Tipps hilfreich sein:

  1. Miss deinen Blutdruck immer im Sitzen. Vor der Messung solltest du etwa fünf Minuten zur Ruhe kommen. Setz dich hin und versuche dich zu entspannen. Miss deinen Blutdruck immer an demselben Arm, damit du vergleichbare Werte erhältst.
  2. Achte bei Handgelenk-Messgeräten darauf, dass die Manschette gut am Handgelenk anliegt. Halte beim Messvorgang das Handgelenk in Herzhöhe.
  3. Wenn du ein Oberarm-Messgerät verwendest, leg die Manschette etwa zwei Finger breit über der Ellenbogenbeuge an. Achte darauf, dass die Manschette nicht verrutschen kann, aber auch nicht so fest sitzt, dass dein Arm eingeengt wird. Leg den Unterarm bei der Messung im Sitzen auf einem Tisch ab. Denn dann befindet sich der untere Rand der Manschette in etwa in Herzhöhe.
  4. Pumpe die Manschette um etwa 30 mmHg über dem erwarteten systolischen (ersten) Blutdruckwert auf. Viele Blutdruckmessgeräte machen das automatisch.
  5. Halte den Arm während der Messung ruhig und atme ganz normal weiter.
  6. Mach immer mindestens zwei Blutdruck-Messungen unmittelbar hintereinander. Wenn du die Blutdruck-Messung wiederholen willst, dann lass die Luft aus der Manschette vollständig ab und warte eine Minute bis zur nächsten Messung.
  7. Wenn dein Blutdruckmessgerät keinen elektronischen Speicher hat, notiere den gemessenen Blutdruck-Wert mit den Umständen, unter denen du den Blutdruck gemessen hast (z.B. nach dem Frühstück, vor einem wichtigen Geschäftstermin, nachdem die Kinder aus dem Kindergarten abgeholt wurden etc.).

Wann sind Medikamente gegen Bluthochdruck nötig?

Wird bei dir eine schwere Hypertonie festgestellt, dann bekommst du in der Regel sofort Medikamente zur Blutdrucksenkung. Lautet die Diagnose dagegen leichte oder mittelschwere Hypertonie, dann wird in der Regel erstmal versucht, Empfehlungen für ein gesundes Leben umsetzen. Im Laufe der ersten drei Monate nach der Lebensumstellung mit unter anderem gesunder Ernährung, Bewegung, Vermeidung von Genussgiften wie Alkohol sowie Gewichtsabnahme sinkt bei vielen Betroffenen der Blutdruck schon so weit, dass Medikamente gegen Bluthochdruck nicht notwendig sind. Hat ein Bluthochdruck-Patient nach drei Monaten allerdings keine unbedenklichen Blutdruck-Werte erreicht, sind in aller Regel Medikamente zur Blutdrucksenkung notwendig.

Bei der Therapie von Bluthochdruck werden jedoch nicht nur die Blutdruckwerte berücksichtigt. Auch andere Faktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen können, fließen in die individuelle Therapie von Bluthochdruck mit ein.  Bluthochdruck begünstigen beispielsweise Erkrankungen wie Diabetes, eine familiäre Vorbelastung durch Bluthochdruck der Eltern sowie bereits vorhandene Beeinträchtigungen der Organe. Je mehr Risikofaktoren für Bluthochdruck zusammen kommen, desto niedriger sollte der angestrebte Blutdruckwert sein und möglicherweise durch Medikamente entsprechend gesenkt werden.

Bitte bedenke: Arzneimittel gegen Bluthochdruck senken zwar den Blutdruck, aber sie können die Hypertonie nicht heilen. Nimmst du keine Blutdrucksenker mehr, steigt in aller Regel dein Blutdruck wieder an. Viele Bluthochdruck-Patienten müssen daher für den Rest ihres Lebens Medikamente gegen Bluthochdruck nehmen, um Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. Setze deine Medikamente gegen Bluthochdruck auf keinen Fall ohne Rücksprache mit deinem Arzt ab. Das kann zu gefährlichen Blutdruckschwankungen führen.

Erwarte nicht, dass mit der Einnahme von einer oder mehrerer Tabletten gegen Bluthochdruck, dein Blutdruck sofort wieder in Ordnung ist. Jeder Körper reagiert anders auf die verordneten Wirkstoffe zur Blutdrucksenkung. In der Regel betrachtet dein Körper einen über längere Zeit erhöhten Blutdruck als Normalzustand. Sinkt der Blutdruck durch die verordneten Medikamente, so aktiviert dein Körper viele Mechanismen, um wieder die alten, viel zu hohen Blutdruckwerte zu erreichen. Erweitert zum Beispiel ein Medikament gegen Bluthochdruck deine Gefäße, so kann dein Herzschlag ansteigen oder dein Körper hält Salz und Wasser zurück, um den Blutdruck wieder zu heben. Um die richtige Balance zu finden, wird dein Arzt gerade zu Beginn der Medikamentengabe deine Blutdruckwerte engmaschig kontrollieren. Ist die Blutdrucksenkung nicht ausreichend oder sinkt der Blutdruck gar nicht, so wird dein Arzt möglicherweise so lange eine andere Medikamenten-Kombination oder eine höhere Dosierung des Blutdrucksenkers verordnen, bis dein Blutdruck richtig eingestellt ist. Oft sind dazu mehrere Tabletten mit unterschiedlichen Wirkstoffen notwendig.

Welche Nebenwirkungen können Medikamente gegen Bluthochdruck haben?

Ob bei der Behandlung von Bluthochdruck mit Blutdrucksenkern irgendwelche Nebenwirkungen auftreten, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Jeder reagiert anders auf die Bluthochdruck-Medikamente. Außerdem haben Arzneimittel gegen Bluthochdruck aus verschiedenen Wirkstoffklassen ganz unterschiedliche Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Generell können bei Medikamenten gegen Bluthochdruck die folgenden Nebenwirkungen auftreten:

Welche Nebenwirkungen die einzelnen Wirkstoffe von Blutdrucksenkern möglicherweise haben können, liest du in diesem Artikel unter Bluthochdruck: Therapie, Medikamente gegen Bluthochdruck.

Bedenke: Trotz möglicher Nebenwirkungen sollte der Nutzen der Blutdrucksenker überwiegen. Und wenn du deine Blutdruckwerte mithilfe der Blutdrucksenker und einer gesunden Lebensweise normalisieren kannst, kannst du das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall senken.

Beeinflussen Blutdrucksenker den Blutzucker?

Ja, Blutdrucksenker können den Blutzucker senken, aber auch ansteigen lassen. Diabetiker mit Bluthochdruck sollten daher gerade zu Beginn der medikamentösen Bluthochdruck-Behandlung besonders auf ihre Blutzuckerwerte achten.

Blutdrucksenker aus den folgenden Gruppen können die Wirkung von Medikamenten und Insulin zur Behandlung von Diabetes verstärken. Die Blutdrucksenker können den Blutzucker senken und die Gefahr einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) erhöhen:

  • ACE Hemmer, insbesondere blutdrucksenkende Medikamente mit der Endung „-pril“.
  • Betablocker, insbesondere blutdrucksenkende Medikamente mit der Endung „-olol“.
  • Alphablocker: Alphablocker und Betablocker können außerdem dazu führen, dass die ersten Anzeichen einer drohenden Unterzuckerung (beispielsweise kalter Schweiß, verschwommenes Sehen, Farbensehen) unterdrückt werden.

Medikamente gegen Bluthochdruck aus der Gruppe der Diuretika (entwässernde, blutdrucksenkende Medikamente) können die Wirkung der Antidiabetika (Medikamente gegen Diabetes) abschwächen und den Blutzucker ansteigen lassen.

Muss bei Bluthochdruck komplett auf Salz verzichtet werden?

Zu viel Salz im oder auf dem Essen verstärkt das Risiko für Bluthochdruck. Bluthochdruck wiederum birgt unbehandelt die Gefahr für Schlaganfall, Herzinfarkt und eine arterielle Verschlusskrankheit. Doch ganz auf Salz musst du bei Bluthochdruck nicht verzichten. Du solltest nur sparsam mit Salz umgehen. Eine tolle und leckere Alternative zum Würzen mit Salz können getrocknete oder besser noch frische Kräuter sein.

Und bedenke bitte: auch ohne dass du zum Salzstreuer greifst, nimmst du mit deiner Nahrung schon rund dreimal mehr Salz auf als dein Körper eigentlich braucht. Der Grund: Salz ist eine beliebte Zutat in Fertigprodukten, Keksen, Konserven, Wurst, Käse und Brot.

Bluthochdruck: Symptome

Bluthochdruck tut nicht weh, du spürst ihn nicht. Daher bleibt Bluthochdruck oft jahrelang unentdeckt und macht sich bei einigen Menschen erst durch seine späteren Folgen bemerkbar. Die Symptome von Bluthochdruck sind in der Regel unspezifisch. Das heißt, sie lassen sich nicht eindeutig dem Bluthochdruck zuordnen und passen auch zu anderer Beschwerden oder Erkrankungen.

Anzeichen von Bluthochdruck können sein:

Welcher Arzt hilft bei Bluthochdruck?

In der Regel bestimmt dein Hausarzt den Blutdruck, äußert den Verdacht auf Bluthochdruck und behandelt ihn. Bestehen Grunderkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes arbeitet der Hausarzt eng mit den entsprechenden Fachärzten wie beispielsweise Diabetologen und Endokrinologen zusammen. Ein Ernährungsberater kann bei Bluthochdruck bei der Umstellung der Ernährung unterstützend tätig werden.

Bluthochdruck: Diagnose

Misst dein Arzt deinen Blutdruck und ist er zu hoch, kann das auch an der Aufregung liegen, die mit einem Arztbesuch verbunden sein kann. Der Blutdruck unterliegt im Tagesverlauf natürlichen Schwankungen und kann durch Stress genauso ansteigen wie durch Sport oder andere körperliche Belastungen. Hat dein Arzt erstmalig einen hohen Blutdruck-Wert gemessen, wird er beim nächsten Besuch den Wert erneut kontrollieren. So kann er eine einmalige Blutdruck-Entgleisung ausschließen. Eine 24-Stunden-Massung des Blutdrucks kann deinem Arzt Hinweise geben, ob schon ein krankhafter Bluthochdruck vorliegt.

Um organische Ursachen des Bluthochdrucks ausschließen zu können, ist es wichtig, deinem Arzt bestehende Vorerkrankungen nicht zu verschweigen. Bluthochdruck begünstigen können beispielsweise Diabetes, eine eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) oder eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Diese Erkrankungen können zusammen mit hohem Blutdruck aber auch das Risiko für Organschädigungen erhöhen.

Dein Arzt wird dich auch nach Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, sowie hohem Blutdruck in deiner Familie fragen. Ebenfalls wichtig zu wissen ist für den Mediziner, ob du Medikamente mit blutdrucksteigernder Nebenwirkung nimmst. Das sind beispielsweise „die Pille“ oder auch Kortison-Präparate.

Zur Diagnose des Bluthochdrucks wird dein Arzt eine eingehende körperliche Untersuchung vornehmen. Neben der Blutdruckmessung wird er möglicherweise noch eine Pulsmessung an Armen und Beinen durchführen, um eine Gefäßveränderung der Hauptschlagader (Aorta) auszuschließen.

Zur Sicherung der Diagnose kann dein Arzt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung veranlassen. Die 24-Stunden-Messung wird auch ambulante Langzeit-Blutdruckmessung genannt. Hierbei bekommst du für einen Tag und eine Nacht ein Blutdruckmessgerät am Arm angelegt, was über eine aufblasbare Armmanschette verfügt. Das Blutdruck-Messgerät misst in der Regel tagsüber alle 20 Minuten und nachts jede Stunde selbständig den Blutdruck. Anhand der erhaltenen Ergebnisse unter Normalbedingungen und deinem regulären Tagesablauf kann der Arzt feststellen, wie der Blutdruck sich in verschiedenen Belastungssituationen verhält und ob er im Schlaf ausreichend absinkt.

Bluthochdruck: Therapie

Wenn ein ungesunder Lebensstil der Hauptgrund für deinen Bluthochdruck ist, wird die Hypertonie-Behandlung in der Regel genau dort ansetzen. Oft kannst du auch ohne Medikamente leichten bis mittelschweren Bluthochdruck senken, indem du Übergewicht abbaust, das Rauchen aufgibst, nur maßvoll Alkohol trinkst oder besser noch ganz auf Alkohol verzichtest und auf regelmäßige Bewegung achtest. Günstig in Sachen Bewegung  sind vor allem leichte Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren und Ski-Langlauf. Gut für Körper und Geist sind ein Anti-Stress-Training mit Entspannungsübungen, Yoga etc.

Bei Bluthochdruck als Folge einer Erkrankung sollte zunächst die Grunderkrankung optimal behandelt werden. Oft normalisiert sich bei einer guten Diabetes-Einstellung, dem Wechsel des Verhütungsmittels oder durch psychologische Betreuung in Krisenzeiten der Blutdruck langfristig.

Eine ausgewogene Ernährung ist bei der Behandlung von Bluthochdruck wichtig. Salz bindet Flüssigkeit im Körper. Diese sammelt sich in den Gefäßen und sorgt dafür, dass der Blutdruck ansteigt. Achte daher drauf, dass du nicht mehr als maximal einen Teelöffel Salz pro Tag zu dir nimmst (Salzgehalt in Brot und Fertigprodukten mitgerechnet). Iss wenig tierische Fette, aber viel Fisch (enthält gesunde Omega-3-Fettsäuren) sowie ausreichend Obst und Gemüse. Das alles ist gut fürs Herz und sollte, wenn keine weiteren Erkrankungen vorliegen, schon nach wenigen Wochen den Blutdruck nachweislich senken.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Medikamente gegen Bluthochdruck werden in der Regel erst verabreicht, wenn die Blutdruck-Werte trotz Umstellung von Lebenswandel und Ernährung dauerhaft über 140/90 mm Hg liegen. Welche Medikamente zur Blutdrucksenkung gewählt werden, richtet sich nach der Höhe des Blutdrucks, dem Alter des Bluthochdruck-Patienten und bereits bestehenden Begleiterkrankungen. Oft ist bei Blutdrucksenkern eine Kombinationstherapie aus Medikamenten unterschiedlicher Wirkstoffe notwendig. Beachte bei der Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln: Nimm Blutdrucksenker nicht zusammen mit Mahlzeiten ein. Gerade bei älteren Menschen kann der Blutdruck ein bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten absinken. Das wird als postprandale Hypotonie bezeichnet. Eine zusätzliche Absenkung des Blutdrucks durch die Blutdrucksenker kann dann gefährlich werden.

Es ist völlig normal, dass sich dein Körper im Laufe der Zeit an den hohen Blutdruck gewöhnt. Wenn du die Hypertonie senkst, kann dein Körper darauf unter Umständen mit Schwindel, Müdigkeit und Leistungsabfall reagieren. Meistens verschwinden diese Beschwerden aber nach wenigen Wochen wieder. Fühlst du dich sehr unwohl, dann sprich unbedingt mit deinem Arzt. Möglicherweise ist die gewählte Dosis des Blutdrucksenkers zu hoch oder die Kombination mehrerer Wirkstoffe funktioniert nicht optimal. Ganz wichtig: Setze niemals ein blutdrucksenkendes Medikament auf eigene Faust ab. Denn dein Blutdruck wird, auch wenn er wieder normal scheint, ohne das blutdrucksenkende Medikament wieder in die Höhe schießen. Die entstehende Hochdruckkrise (hypertensive Krise) kann unter Umständen lebensgefährlich werden. Werden Blutdrucksenker abgesetzt, sollte die Dosis des Medikamentes unter Aufsicht des Arztes schrittweise verringert werden.

Folgende Arzneimittelgruppen können bei Bluthochdruck eingesetzt werden:

ACE-Hemmer: ACE steht für Angiotensin Converting Enzyme. Dieses Enzym wandelt ein Hormon in eine andere Form um, die dann die Blutgefäße verengt und den Blutdruck steigen lässt. ACE-Hemmer blockieren diese Umwandlung mit der Folge, dass sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch verringert sich der Widerstand, gegen den dein Herz das Blut durch deinen Kreislauf pumpt, dein Blutdruck und die Belastung deines Herzens sinken. Die verschiedenen Wirkstoffe der blutdrucksenkenden ACE-Hemmer unterscheiden sich in ihrer Stärke und Wirkdauer. ACE-Hemmer sind in der Regel Mittel der Wahl, wenn zusätzlich zum Bluthochdruck eine Herzschwäche, Diabetes oder eine chronische Nierenerkrankung vorliegt. Doch Vorsicht: ACE-Hemmer verstärken die Wirkung von Insulin. Eine Unterzuckerung kann entstehen.

Mögliche Nebenwirkungen von ACE-Hemmern:

Betablocker: Betablocker werden in der Regel bei Patienten eingesetzt, bei denen das Herz in Ruhe sehr schnell schlägt (mehr als 100 Schläge pro Minute). Ebenfalls können Betablocker zum Einsatz kommen, wenn die Herzkranzgefäße verengt sind. Betablocker verhindern die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin in deinem Gefäßsystem und am Herzen. Betablocker bewirken, dass dein Herz langsamer schlägt und die Gefäße entspannen. Dadurch sinkt der Blutdruck. Gleichzeitig setzen Betablocker die Pulsfrequenz herab.

Betablocker vermindern außerdem die Wirkung bestimmter Botenstoffe des Nervensystems, indem sie deren Andockstellen, die Beta-Rezeptoren, blockieren. Da außer Herz und Gefäßen auch andere Organe solche Andockstellen haben, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Mögliche Nebenwirkungen von Betablockern:

  • Verlangsamte Herzfrequenz
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Potenzstörungen
  • Verschlechterung des Zuckerstoffwechsels und bei Diabetikern erhöhte Blutzuckerwerte
  • Verengung der Bronchien
  • Bestehende Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen können sich verschlechtern

Diuretika: Diuretika (entwässernde Medikamente) mit den Wirkstoffen Hydrochlorothiazid, Chlortalidon oder Indapamid bewirken, dass Flüssigkeit aus deinem Körper ausgeschwemmt wird. Dadurch sinkt die Flüssigkeitsmenge, die im Gefäßsystem vorhanden ist. Der Widerstand der Blutgefäße wird gesenkt. Das führt dazu, dass der Blutdruck sinkt. Wenn Krankheiten wie Gicht, Kaliummangel, Kalziumüberschuss oder Diabetes bestehen, werden Diuretika in der Regel nicht eingesetzt. Sie fördern nicht nur die Ausscheidung von Natrium, sondern auch von Kalium.

Ein zu starker Kaliumverlust kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Dem Kaliumverlust kann durch die Einnahme eines Kaliumpräparats gegengesteuert werden. Es gibt auch Diuretika mit schwacher blutdrucksenkender Wirkung, dafür aber mit verringertem Kaliumverlust. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Triamteren oder Amilorid.

Sogenannte Schleifendiuretika werden häufig bei stark eingeschränkter Nierenfunktion verabreicht. Die mangelnde Nierenfunktion führt dazu, dass sich zu viel Kalium im Körper anreichert, was wiederum Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Lies mehr bei uns über Ursachen und Therapie von Herzrhythmusstörungen. Schleifendiuretika können für Kaliumverlust sorgen und sind daher oft Mittel der Wahl.

Mögliche Nebenwirkungen von Diuretika:

Kalziumantagonisten (Calciumantagonisten, Calciumkanalblocker): Kalzium ist ein wichtiger Stoff für die Muskelaktivität in deinen Gefäßwänden, Darmwänden und für die Aktivität in deinem Herzmuskel. Ohne Kalzium kommt keine Kontraktion des Herzens zustande. Kalziumantagonisten können die Wirkung von Kalzium hemmen. Dadurch entspannen sich die Muskeln in deinen Gefäßwänden, die Gefäße erweitern sich. Dein Herz muss weniger Druck aufwenden, um das Blut durch deinen Körper zu pumpen. Die Folge: der Blutdruck sinkt. Manche Kalzium-Antagonisten schwächen auch den Herzschlag ab, wieder andere kombinieren beide Mechanismen. Die Erweiterung der Blutgefäße durch Kalziumantagonisten kann vor allem zu Beginn der Bluthochdruck-Behandlung auch zu unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise Kopfschmerzen führen. Mehr zum Ursachen und Behandlung von Kopfschmerzen.

Mögliche Nebenwirkungen von Kalziumantagonisten:

  • Wasseransammlungen (Ödeme)
  • Kopfschmerzen 
  • Wärmegefühl auf der Haut, Rötung der Haut
  • Beschleunigter Puls, Herzklopfen

Angiotensin-II-Rezeptorblocker (AT1-Rezeptor-Antagonisten): Diese Medikamentengruppe wird auch „Sartane“ genannt. Angiotensin-II-Rezeptorblocker (AT1-Rezeptor-Antagonisten) verhindern die blutdrucksteigernde Wirkung des Hormons Angiotensin II. Dazu blockieren die Sartane eine bestimmte Andockstelle (Rezeptor) für das Hormon. Die Blutgefäße bleiben erweitert, es wird Wasser und Kochsalz ausgeschieden, das Blutvolumen und damit der Blutdruck werden gesenkt

Mögliche Nebenwirkungen von Angiotensin-II-Rezeptorblockern (AT1-Rezeptor-Antagonisten):

Bluthochdruck vorbeugen

Um die Motivation zur Umstellung deiner Lebensumstände zu bekommen und die Einbeziehung von Blutdrucksenkern in dein alltägliches Leben zu erlernen, gibt es spezielle Schulungsprogramme für Patienten mit Bluthochdruck. Frag deinen Arzt danach. Ganz wichtig zur Vorbeugung von Bluthochdruck sind stressfreie Zonen und Ruhepausen im hektischen Alltag. Sorge für Ausgleich, pflege Freundschaften, mach Sport oder beweg dich regelmäßig. Baue Übergewicht ab, genieße Alkohol und Nikotin nur in Maßen. Achte auf deine Ernährung, gesundes und leckeres Kochen ist nicht schwer und auch nicht teuer. Diätassistenten, Ernährungsberater, Gesundheitsberater und nicht zuletzt dein Arzt können dich bei einem gesunden Leben unterstützen. Doch leben musst du es selbst. Mit deinem festen Willen und deiner Mithilfe kannst du eine Menge bewirken.

Bluthochdruck: Heilungschancen

Wie häufig hoher Blutdruck auftritt, wie lange er bestehen bleibt und wie schwer die Erkrankung ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Der Blutdruck kann sich oft schon durch eine Umstellung des Lebensstils senken lassen. Hilft das allein nicht und musst du zusätzlich noch blutdrucksenkende Medikamente nehmen, solltest du am Anfang etwas Geduld mitbringen. Es braucht bei vielen Bluthochdruck-Patienten eine Weile, bis die richtige Medikamentendosis und Wirkstoffkombination gefunden ist. Doch mit sinkendem Blutdruck steigt bei vielen Betroffenen bald auch wieder die Lebensqualität und nicht zuletzt die Lebensdauer. Zusammen mit deinem Arzt kannst auch du deinen Bluthochdruck in den Griff bekommen.

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Bronchitis

Frau mit Bronchitis liegt mit Fieber im Bett und hat einen Hustenanfall.
Die Bronchitis ist eine Entzündung der Bronchien. Sie wird in den meisten Fällen durch Viren verursacht. Symptome sind unter anderem anhaltender Reizhusten, Kurzatmigkeit, erhöhte Temperatur und Engegefühl in der Brust.

Was ist eine Bronchitis?

Als Bronchitis wird eine Entzündung der Bronchien bezeichnet. Bronchien sind die Luftwege, in die sich deine Luftröhre am Ende verzweigt und die in deinen linken oder rechten Lungenflügel führen. Jeder der beiden Hauptbronchien verzweigt sich hier immer weiter bis zu kleinsten Bronchioli. An deren Ende befinden sich kleine, elastische und dünnwandige Lungenbläschen, sogenannte Alveolen. In den Lungenbläschen finden die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft und die Abgabe von Kohlendioxid statt.

Die Schleimhaut deiner Bronchien produziert eine dünne Schleimschicht, die den Hohlraum des jeweiligen Bronchus auskleidet und schützt. Werden die Atemwegsschleimhäute durch eingedrungene Fremdkörper wie Viren (z.B. Grippeviren), Bakterien, Pollen, Tabakrauch, Milben oder Feinstaub gereizt, bilden sie vermehrt Sekret, um die Fremdkörper und Krankheitserreger abzutransportieren. Gelingt das nicht und setzen sich die Erreger fest, schwellen die Schleimhäute an. Das Sekret kann dadurch nicht mehr abfließen. Nicht abgehusteter Schleim kann sich mitsamt Erregern in den Bronchien festsetzen und dort eine Entzündungsreaktion verursachen. Eine Bronchitis entsteht.

Eine akute Bronchitis dauert in der Regel nicht länger als 14 Tage. Besteht die Bronchitis länger als drei Monate am Stück in zwei aufeinander folgenden Jahren, wird das als chronische Bronchitis bezeichnet.

Das Ansteckungsrisiko ist bei Bronchitis sehr hoch. Eine Ansteckung mit Bronchitis kann immer dann stattfinden, wenn du dich mit einer erkrankten Person in einem Raum befindest. Die Krankheitserreger der Bronchitis werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Viren oder seltener Bakterien werden hierbei durch Sprechen, Husten und Niesen in der Luft verteilt. Um deine Ansteckungsgefahr für Bronchitis zu reduzieren, solltest du Abstand von Menschen mit Bronchitis halten und dir öfter die Hände waschen.

Akute Bronchitis

Eine akute Bronchitis entwickelt sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Ansteckung mit den verursachenden Viren. Bronchitis-Verursacher sind hauptsächlich Grippeviren (Influenzaviren). Lies mehr zu Grippe und Grippe-Impfung. Andere Bronchitis auslösende Viren und Bakterien findest du in diesem Artikel unter Bronchitis: Ursachen.

Bei einer akuten Bronchitis sind meist nur die großen und mittleren Bronchien betroffen. Hier siedeln sich die Bronchitis-Erreger in der Schleimhaut an und vermehren sich. Dein Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion. Deine Bronchien verengen sich durch die Entzündung, Fieber über 38,5°C (im After gemessen) kann auftreten. Wo Fieber richtig messen? Die gereizte Schleimhaut produziert ein Sekret, an dem die Bronchitis-Erreger haften bleiben sollen. Der Hustenreiz dient bei Bronchitis dazu, den infizierten Schleim aus deinem Körper zu schleudern. Meistens wird dein Körper innerhalb weniger Tage mit der Entzündung der Bronchien fertig. Bei älteren Menschen oder solchen, die bereits Probleme mit den Atemwegen haben, kann sich die Bronchitis jedoch bis in die Lunge ausbreiten. Das kann eine Infektion mit Bakterien begünstigen, die zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen kann.

Chronische Bronchitis

Bei der chronischen Bronchitis, auch spastische Bronchitis genannt, sind die Bronchien in zwei aufeinander folgenden Jahren länger als drei Monate am Stück entzündet, verstopft und verengt. Ursachen dafür können häufige Infektionen, Tabakrauch und/oder Umweltgifte sein.

Im Rahmen der chronischen Bronchitis produzieren die entzündeten Luftwege zu viel Schleim. Die Schleimmenge steigt, weil auch die Zahl der schleimproduzierenden Zellen im Laufe der chronischen Bronchitis wächst. Kleine Härchen (Zilien) an der Oberfläche der Schleimdrüsen schieben beim Gesunden den Schleim weiter in den Rachen. Bei der chronischen Bronchitis werden die Zilien jedoch immer mehr zerstört und können irgendwann den Schleim nicht mehr abtransportieren. Er verbleibt in den Bronchien und wird dort zur Brutstätte für Bakterien.

Durch die extreme Entzündung bei einer chronischen Bronchitis kann es in der Folge zur Zerstörung und Rückbildung der Bronchialschleimhaut kommen. Die Bronchien verengen sich dauerhaft und die Lungenfunktion wird dadurch stark reduziert. Diese Symptome sind typisch für eine chronische Lungenerkrankung, die sogenannte COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Eine chronische Bronchitis kann auch zu einem Lungenemphysem führen. Als Lungenemphysem wird eine Überblähung der Lunge bezeichnet. Beim Lungenemphysem werden die Lungenbläschen (Alveolen) überdehnt, reißen und verschmelzen. Dadurch wird die für den Gasaustausch wichtige Oberfläche reduziert. Aufgrund der verringerten Elastizität bleibt Luft in den Alveolen. Die Alveolarwände kollabieren, die Lungen überblähen, das Volumen der Atemzüge ist reduziert und weniger Sauerstoff wird in den Blutkreislauf abgegeben. Dadurch kommt es zur dauerhaften Atemnot.

Was verursacht Bronchitis?

Häufig wird eine akute Bronchitis durch eine Erkältung oder Grippe ausgelöst. Bei der Erkältung befallen die Erkältungs- und Grippe-Viren die oberen Atemwege. Wandern die Viren aus dem Nasen-Rachen-Raum weiter nach unten, können sie eine Entzündungsreaktion in den Bronchien und damit eine Bronchitis verursachen. Es bildet sich zäher Schleim und Hustenreiz entsteht. Eine akute Bronchitis entwickelt sich.

Als sogenannte Sekundärinfektion bei Bronchitis können sich Bakterien in den entzündeten Schleimhäuten der Bronchien einnisten und weitere Beschwerden verursachen.

Auch Schadstoffe aus der Luft wie Dämpfe, Gase oder Feinstaub sowie Reizstoffe wie Tabakrauch, Ammoniak, Salzsäure oder Schwefeldioxid können zu einer Entzündung in den Bronchien und damit zur Bronchitis führen.

Außerdem kann kaltes, feuchtes Wetter die Entstehung einer Bronchitis begünstigen. Im Frühjahr und Herbst tritt die Bronchitis daher häufig auf.

Tabakrauch kann Bronchitis auslösen

Die häufigsten Auslöser einer Bronchitis sind:

  • Infektionen mit Viren: Hauptverursacher der Bronchitis sind bei Erwachsenen die Grippeviren (Influenzaviren). Auslöser einer Bronchitis können aber auch die folgenden Viren sein: Parainfluenzaviren (Erreger des Pseudokrupp: Entzündung der oberen Atemwege mit Grippe-ähnlichen Symptomen und charakteristischem, bellenden Husten), Rhinoviren (Schnupfen- und Erkältungsviren) und Adenoviren (können Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut hervorrufen).
  • Bei Kindern können unter anderem folgende Viren für eine Bronchitis verantwortlich sein: RS-Virus: RS steht für Respiratorische Syncytial-Virus. Diese Viren sind Auslöser von akuten Atemwegsinfektionen. Adenoviren: Adenoviren können unter anderem Erkrankungen der Atemwege hervorrufen Coxackieviren: Diese Viren sind unter anderem Erreger der Herpangina mit Symptomen wie hohem Fieber, gerötetem Rachen mit helle Bläschen, die platzen und gelbliche kreisrunde „Geschwüre“ mit rotem Hof bilden. Coxackieviren können auch Erreger der „Sommergrippe” sein und eine fieberhafte Rachenentzündung, Halsschmerzen und Hustenreiz hervorrufen. Coxackieviren sind außerdem Erreger der Hand-, Fuß- und Mundkrankheit. Hierbei treten gleichzeitig eine schmerzhafte Mundschleimhautentzündung im Bereich von Zunge, Zahnfleisch und weichem Gaumen auf sowie Bläschen an Händen und Füßen, die von einem roten Saum umgeben sind.
  • Bakterienbefall: Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung) oder Haemophilus influenzae (können bei Kindern Hirnhautentzündung auslösen) sind bei Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen häufig die Ursache für eine akute Bronchitis. Bei Menschen ohne Vorerkrankung ist die bakterielle Infektion meistens eine Sekundärinfektion (bakterielle Superinfektion). Die durch den Virenbefall entzündeten Bronchien bilden hier einen idealen Nährboden für die Bakterien.
  • Masern, Typhus und Keuchhusten: Die akute Bronchitis tritt hier als Begleiterkrankung auf.
  • Pilzinfektionen: Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem wie beispielsweise HIV-Infizierte oder Menschen mit Krebserkrankungen kommt es in seltenen Fällen zur akuten Bronchitis durch Pilze. Ein Beispiel hierfür ist die Soorbronchitis, ausgelöst durch den Pilz Candida albicans.
  • Tabakrauch: Er enthält zahlreiche Substanzen, die das Lungengewebe schädigen und Entzündungsreaktionen in den Bronchien und damit eine Bronchitis auslösen können. Zudem kann ständiger Tabakrauch die Flimmerhärchen der Bronchialschleimhaut zerstören und somit den Selbstreinigungsprozess der Atemwege behindern. Setzt sich das entzündlich veränderte Sekret fest, entwickelt sich eine akute Bronchitis, die chronisch werden kann.

Symptome der Bronchitis: Symptome

Ob sich deine Erkältung zur Bronchitis entwickelt, zeigt sich meistens zwei Tage nachdem typische Erkältungssymptome wie Mattigkeit, Schnupfen, Heiserkeit, Hals- und Gliederschmerzen aufgetreten sind.

Falls du unter Atemnot, starken Brustschmerzen und hohem Fieber leidest, Blut hustest und Vorerkrankungen wie eine Herzschwäche, Asthma bronchiale oder COPD hast, solltest du auch bei leichten Bronchitis-Beschwerden sofort einen Arzt aufsuchen.

Bei einer akuten Bronchitis zeigen sich folgende Symptome:

  • Trockener Reizhusten.
  • Schmerzen beim Husten.
  • Kurzatmigkeit.
  • Erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber über 38,5°C. Wie und wo Fieber messen? Hält das Fieber länger als fünf Tage an oder kehrt zurück, kann eine Lungenentzündung dahinter stecken. Die Lungenentzündung macht sich auch noch durch einseitige Brustschmerzen und anhaltenden Husten bemerkbar.
  • Engegefühl in der Brust.
  • Brustschmerzen im Bereich des Brustbeins, Brennen hinter dem Brustbein.
  • Wässrig-klarer, nach zwei bis drei Tagen weißlicher, zäher Schleim als Auswurf.
  • Grünlich-gelblicher Schleim: Das deutet auf eine bakterielle Infektion hin.

Eine chronische Bronchitis kann bei folgenden Beschwerden vorliegen:

  • Chronischer Husten: Vor allem morgens nach dem Aufstehen ist der Husten besonders stark.
  • Auswurf, der immer zäher wird und daher auch schwieriger abzuhusten ist.
  • Kurzatmigkeit: Zunächst nur bei Belastung, später auch zunehmend in Ruhe.

Bronchitis Krankheitsverlauf

Eine akute Bronchitis heilt normalerweise innerhalb von 14 Tagen aus. Komplikationen und Folgeerkrankungen können vor allem bei Kindern, älteren und abwehrgeschwächten Menschen auftreten. Hier kann sich die Bronchitis zu einer chronischen Bronchitis, zu einer Lungenentzündung im Bereich um die Bronchien (Bronchopneumonie), zu einem Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) entwickeln. Sehr selten und fast nur bei Kleinkindern kann es zu einer Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Äste des Atemtraktes) kommen mit der Gefahr eines Verschlusses der Bronchiolen (kleinste Äste des Atemtraktes).

Welcher Arzt hilft bei Bronchitis?

Dein Hausarzt ist der erste Ansprechpartner bei einer Bronchitis. Der Hausarzt wird dich gegebenenfalls an einen Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO-Arzt) oder einen Lungenfacharzt (Pneumologe, Pulmologe, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie) überweisen. Untersuchungen beim Pneumologen

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Bronchitis Diagnose

Dein Arzt wird dich im Rahmen der Anamnese und Bronchitis-Diagnose zunächst zu deinen Beschwerden befragen. Er wird wissen wollen, welche Beschwerden du seit wann hast und ob die Beschwerden stärker geworden sind. Außerdem wird er sich erkundigen, ob und seit wann du wie hohes Fieber hast, ob du Vorerkrankungen wie COPD, Asthma bronchiale, Herzschwäche oder eine Immunschwäche hast. Weiterhin ob und seit wann du wie viel pro Tag rauchst und ob es in deinem Arbeits- und Lebensumfeld irgendwelche Reizstoffe wie Gase, Staub oder Rauch gibt. Auch die Beschreibung von Farbe, Konsistenz und Menge des abgehusteten Schleims kann deinem Arzt wertvolle Hinweise auf Bronchitis geben.

Bei einer körperlichen Untersuchung wird dein Arzt den Bereich deiner Lunge abklopfen und abhören. Rasselgeräusche können dabei ein Hinweis auf übermäßige Schleimproduktion sein. Durch Abhören kann dein Arzt außerdem der Ort und die Ausbreitung der Entzündung eingrenzen. Weiterhin wird dein Arzt zur Bronchitis-Diagnose deinen Mund und Rachenraum untersuchen.

Bei gelb-grünlichem Auswurf kann dir eine Blutprobe entnommen werden. Anhand eines großen Blutbildes und der Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (Blutsenkung, BSG, BKS) kann eine Entzündungsreaktion im Körper aufgedeckt werden. Eine erhöhte Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), eine beschleunigte Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit sowie eine Erhöhung des sogenannten C-reaktiven Proteins, kurz CRP, deuten auf eine Entzündung hin. Normalwerte für CRP

Ein Nachweis der Bronchitis-Erreger aus dem abgehusteten Schleim ist zwar möglich, wird jedoch bei unkomplizierten Verläufen der Bronchitis in der Regel nicht vorgenommen.

Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung wird deine Lunge geröntgt. Bei chronischer Bronchitis steht eine Lungenfunktionsprüfung an. Die Lungenfunktionsprüfung zeigt, ob die chronische Bronchitis bereits eine dauerhafte Verengung deiner Bronchien hervorgerufen hat oder ob eventuell Asthma die Ursache deiner Beschwerden ist.

Ein Belastungs-EKG zeigt eine eingeschränkte Lungenfunktion und eine Beteiligung des Herzens an. Das Herz versucht den Mangel an Sauerstoff, den die eingeschränkte Lungenfunktion hervorruft, durch eine erhöhte Pumpleistung auszugleichen.

Was hilft bei Bronchitis?

Wenn du während der Bronchitis hohes Fieber bekommst, Blut hustest, unter Atembeschwerden und Brustschmerzen leidest, dann bitte sofort einen Arzt aufsuchen. Ansonsten gilt bei einer Bronchitis: schone dich, vermeide körperliche Anstrengungen und halte deinen Körper warm ohne zu schwitzen. Damit sich der Schleim besser verflüssigen und gut abgehustet werden kann, solltest du bei Bronchitis täglich zwei Liter Wasser trinken. Zur Selbstmedikation bei Bronchitis sind auch Husten- und Bronchialtees geeignet, wenn keine Allergien gehen die Inhaltsstoffe vorliegen. Bei Bronchitis solltest du möglichst jegliche Reizung deiner Atemwege vermeiden. Reizungen können beispielsweise durch Auspuffgase, kalte Luft und Aufenthalt in verrauchten Räumen entstehen.
Hilfe bei Reizhusten aus der Apotheke

Hausmittel bei Bronchitis

Bewährte Hausmittel zur Linderung von Atemwegsinfektionen können auch zur Selbstmedikation bei akuter Bronchitis eingesetzt werden. Doch beachte: die folgenden Hausmittel stellen keinen Ersatz für eine ärztliche Behandlung dar:

  • Brustwickel: Warme Kartoffel-Brustwickel, die 30 Minuten lang aufgelegt werden, tun entzündeten Bronchien gut. Wickel führen deinem Körper Wärme zu, verbessern die Durchblutung und transportieren die Wirkstoffe über die Haut und Atemwege zu den entzündeten Bereichen. Prüfe unbedingt die Temperatur des Wickels für 20 Sekunden am Unterarm. Zu heißer Brei kann zu Verbrennungen führen. Zur Zubereitung des Kartoffel-Brustwickels 5 große Kartoffeln wie Pellkartoffeln kochen. Anschließend auf einem sauberen Küchenhandtuch verteilen und zerquetschen. Das Handtuch einmal einschlagen und mit einem Nudelholz glatt streichen. Dann den heißen Brei auf ein neues sauberes Küchentuch verteilen. Leg dich mit dem Rücken auf ein großes Handtuch, leg dir dann das Kartoffelpäckchen auf die Brust und schlag ein weiteres großes Handtuch um die Brust herum. Feststecken und 30 Minuten lang einwirken lassen. Ein Ingwer-Brustwickel kann bei Bronchitis den Körper wärmen und durch ätherische Öle den Schleim lösen. Zur Herstellung des Ingwer-Brustwickels zwei Teelöffel Ingwerpulver (aus der Apotheke oder von einer frischen Knolle abgerieben) in 500 ml Wasser (75°C warm) anrühren, kurz quellen lassen. Ein Tuch oder eine Mullbinde in der Flüssigkeit tränken, gut auswringen und auf die Brust legen. Mit zwei weiteren Tüchern umwickeln und 30 Minuten einwirken lassen.
  • Inhalieren: Um die Schleimlösung und die Befeuchtung der Schleimhäute bei einer akuten Bronchitis anzuregen, können Dampfinhalationen hilfreich sein. Dazu ein paar Tropfen eines ätherischen Öls (zum Beispiel Eukalyptusöl, Pfefferminzöl) oder einen Salbenstrang einer Erkältungssalbe mit ätherischen Ölen wie Eukalyptus und/oder Thymian in eine Schüssel mit heißem Wasser geben. Dann mit einem Handtuch über dem Kopf etwa zehn Minuten inhalieren. Die eingeatmeten Dämpfe sollen
    die Atemwege befreien, Eukalyptus und Menthol sollen krampflindernd, schleimlösend und entzündungshemmend wirken. Du kannst auch einen speziellen Inhalator verwenden. Doch Vorsicht: Kinder unter sechs Jahren sollten nicht mit mentholhaltigen Extrakten inhalieren. Auch Asthmatiker sollten vorsichtig sein. Bei ihnen können sich durch das Inhalieren die Bronchien verengen. Bevor du also in Sachen Inhalieren selbständig tätig werden willst, frag deinen Arzt um Rat.
  • Zwiebel-Tee und Zwiebel-Sirup: Ein Tee aus Zwiebeln soll bei Bronchitis zähen Schleim in den Bronchien zum Laufen bringen. Die in der Zwiebel enthaltenen Senföle desinfizieren und wirken entzündungshemmend. So kannst du den Schleimlöser zubereiten: Eine Zwiebel in Scheiben schneiden und etwa fünf Minuten in einem halben Liter Wasser köcheln lassen. Den Sud durch ein Sieb abseihen und mit etwas Honig süßen. Bis zu vier Tassen täglich möglichst heiß trinken. Als Hustensaft kann ein Zwiebelsud dienen. Dazu eine Zwiebel in kleine Stücke schneiden und mit 3 EL Honig und 1/8 l Wasser mischen. Kurz aufkochen und über Nacht ruhen lassen. Dann das Ganze durch ein Tuch pressen. Vom Sirup dreimal täglich einen Esslöffel nehmen. Der Zwiebel-Sirup ist im Kühlschrank etwa eine Woche lang haltbar und sollte länger auch nicht eingenommen werden. Vorsicht: Nicht anwenden, wenn du unter einer Übersäuerung des Magens leidest.

Welche Medikamente bei Bronchitis?

Um die Beschwerden bei Bronchitis zu lindern, können zahlreiche Arzneien zum Einsatz kommen:

  • Antibiotika: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. Daher sollten Antibiotika auch nur eingesetzt werden, wenn die Bronchitis von einer bakteriellen Infektion hervorgerufen oder begleitet wird. Außerdem wird eine Antibiotikabehandlung häufig durchgeführt, wenn mit einem komplizierteren Verlauf der Bronchitis zu rechnen ist. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn du an einer chronischen Lungenerkrankung oder an einer Immunschwäche leidest oder älter als 60 Jahre bist. Ebenfalls können bei einer Bronchitis Antibiotika zum Einsatz kommen, falls der Verdacht besteht, dass die Entzündung sich auf die gesamte Lunge ausgebreitet haben könnte. Häufig werden Arzneistoffe aus der Gruppe der Aminopenicilline, Makrolide bzw. Tetrazykline zur Behandlung der bakteriell bedingten Bronchitis eingesetzt.
  • Fiebersenker: Um die Selbstheilungsmechanismen deines Körpers zu unterstützen, solltest du bei Bronchitis mit Fieber Bettruhe einhalten. Fiebersenkende Medikamente sind in der Regel nicht notwendig, wenn nur eine erhöhte Körpertemperatur besteht. Erhöhte Temperatur ist im Rahmen der Immunantwort deines Körpers auf den Erreger völlig normal. Bei Fieber können Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure oder Paracetamol zur Linderung der Gliederschmerzen und zur Fiebersenkung eingesetzt werden. Hausmittel bei Fieber
  • Hustenblocker: Weil der Reizhusten bei Bronchitis als extrem quälend empfunden wird und oft die Nachtruhe raubt, greifen viele Menschen gerade zu Beginn der Bronchitis zu Hustenblockern. Doch Vorsicht: Der Hustenreiz sollte nicht dauerhaft unterdrückt werden. Die Sekrete müssen abgehustet werden, damit sie sich nicht in den Bronchien festsetzen. Hustenblocker sollten daher nur kurz eingenommen werden. Sogenannte Antitussiva (Hustenreizstiller) werden in der Regel vorwiegend abends eingesetzt und auch nur so lange, wie der Hustenreiz nachts besonders quälend ist. Antitussiva sollten bei Bronchitis allerdings nicht in Kombination mit Schleimlösern eingenommen werden, da sich diese Medikamentengruppen gegenseitig in ihrer Wirkung blockieren. Das hat folgenden Grund: Wenn festsitzender Schleim bei Bronchitis mit sekretlösenden Mitteln verflüssigt wird, muss er auch abgehustet werden können. Das jedoch wird durch die Hustenblocker verhindert.Während pflanzliche Hustenstiller abschwellend und beruhigend wirken, hemmen chemische Mittel den Hustenreiz über das zentrale Nervensystem. Hier beeinträchtigen die verwendeten Wirkstoffe die Reaktionsfähigkeit, daher bitte kein Auto fahren. Vorsicht ist auch in den ersten Monaten der Schwangerschaft, bei niedrigem Blutdruck und bei gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern bei Depression geboten. Achtung: Alkohol verstärkt die Wirkung der Hustenblocker.
  • Schleimlöser: Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylcystein oder Ambroxol lockern zähen Schleim bei Bronchitis und erleichtern das Abhusten. Ambroxol regt die Drüsenzellen der Bronchialschleimhaut an, mehr Sekret zu bilden. Dadurch ist der Schleim nicht mehr so zäh und klebrig und kann besser abgehustet werden. Acetylcystein hingegen verflüssigt das Sekret. Ganz wichtig ist, begleitend zu den Schleimlösern bei Bronchitis genug zu trinken. Vorsicht: Sekretlösende Mittel verstärken die Wirkung von Glyzeroltrinitrat, was bei Angina Pectoris oder koronarer Herzkrankheit eingesetzt wird.

Hilfe bei Husten und Bronchitis aus der Apotheke

Pflanzenkraft gegen Bronchitis

Bei der Behandlung von Bronchitis sind vor allem Kräutertees mit Fenchel, Thymian oder Efeu wohltuend. Sie wirken schleimlösend und fördern das Abhusten. Zusätzlich sorgt die Wärme des Tees für Entspannung und ein angenehmes Gefühl in Hals und Rachen.

In leichten Fällen der akuten Bronchitis können Heilpflanzen als Tee, Kapseln, in Erkältungsbalsam oder Tropfen unterstützend zur Behandlung der Bronchitis eingesetzt werden. Achten solltest du auf kontrollierte Qualität der Präparate. Bei der Dosierung richtest du dich nach der Packungsbeilage. Lass dich unbedingt in der Apotheke zu Wechselwirkungen des verwendeten Tees mit Medikamenten beraten.

Der pflanzliche Wirkstoff Myrtol leistet bei der Bronchitis Selbstmedikation ebenfalls gute Dienste. Der festsitzende Schleim bei Bronchitis kann dadurch gelöst werden, die Produktion von dünnflüssigem Sekret gesteigert werden und die Atemwege dadurch befreit werden. Wenn du Asthma hast, solltest du mit Myrtol vorsichtig sein. Die ätherischen Öle des Myrtols können Krämpfe in den Atemwegen auslösen (Bronchospasmen). Wenn Präparate mit dem Wirkstoff Myrtol zusätzlich zu anderen Medikamenten eingenommen werden, kann sich der Abbau dieser anderen Arzneien in der Leber beschleunigen. Dadurch verringert und verkürzt sich möglicherweise die Wirkung. Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelagonie) gehören zur der Gruppe der pflanzlichen Immunstimulanzien. Sie stärken das Immunsystem, damit es besser gegen Krankheitserreger vorgehen kann. Bei Beginn der Bronchitis bzw. Erkältung eingenommen, soll deren Verlauf gelindert werden. Spitzwegerich, Eibisch, Huflattich und Isländisch Moos sind als Hustenhemmer gut geeignet. Die pflanzlichen Hustenhemmer enthalten Schleimstoffe, die sich bei Bronchitis wie ein Schutzfilm auf die entzündete Schleimhaut der Atemwege legen. Das lindert den Hustenreiz und gibt der gereizten Schleimhaut ein wenig Zeit, sich zu regenerieren. Achtung: Bitte nur bei trockenem Husten ohne Schleimbildung einsetzen. Husten mit Schleimbildung darf nicht unterdrückt werden, da sich der Schleim sonst in den Bronchien festsetzt. Efeu, Thymian, Pestwurz und Drosera (Sonnentau) wirken krampflösend auf die Muskulatur des Atemtraktes und können auch bei chronischer Bronchitis eingesetzt werden. Die in Efeu, Süßholzwurzel und Schlüsselblume (Primula veris) enthaltenen Saponine (sekundäre Pflanzenstoffe) unterstützen das Abhusten von Schleim, der in den Bronchien festsitzt. Thymian, Eukalyptus, Fenchel, Anis und Fichtennadel enthalten ätherische Öle, die bei Bronchitis ebenfalls auswurffördernd wirken. Die Wirkweise der einzelnen Stoffe ist unterschiedlich. Entweder sorgen sie dafür, dass der Körper bei Bronchitis vermehrt dünnflüssigen Schleim bildet. Oder sie helfen, den zähen Schleim bei Bronchitis zu verflüssigen. Andere fördern bei Bronchitis den Abtransport des Schleims, indem sie die Flimmerhärchen (Zilien) auf den Schleimhäuten in den Bronchien aktivieren.
Pflanzliche Antibiotika (Phytobiotika) sollen Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen. Das Allicin in Knoblauch, die Flechtensäuren in Isländisch Moos, das Hyperforin in Johanniskraut und die Saponine im Efeu gehören zu den antibiotisch wirksamen pflanzlichen Inhaltsstoffen.

Bronchitis vorbeugen

Nicht jeder Bronchitis bist du schutzlos ausgeliefert. Ist dein Immunsystem intakt, können die Krankheitserreger der Bronchitis effektiv bekämpft werden. Nur ein schwaches Immunsystem ist ein guter Nährboden für Bronchitis-Erreger. Beispielhaft für viele unterschiedliche Methoden zur Stärkung der Abwehrkräfte seien die folgenden genannt:

  • Atemübungen: Eine ausreichende Sauerstoffzufuhr ist für viele Prozesse deines Körpers unerlässlich, auch für die Arbeit deines Immunsystems. Durch falsches und speziell zu flaches Atmen kann es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung kommen. Mit Atemübungen sollen die Atemwege gezielt gestärkt werden. Denn starke Atemwege bieten viralen oder bakteriellen Infektionen weniger Angriffsfläche. Einfache Atemübungen für zu Hause oder für die Pause während der Arbeit können beispielsweise sein:
    Zur Anregung der Belüftung der Atemwege: Klopfe dir mit lockeren Fäusten auf den Brustkorb und summe oder spreche dabei langsam die Vokale „A…O…U…I“. Tief Atmen: Stell‘ dich aufrecht hin und leg‘ die Hände auf die Schultern. Führe beim Einatmen die Ellenbogen zur Seite und beim Ausatmen wieder nach vorne. Wiederhole dies drei bis fünf Mal. Zur besseren Durchblutung und Befeuchtung der Nasenschleimhaut: Halte dir ein Nasenloch zu und klopfe mit dem Zeigefinger sacht gegen den anderen Nasenflügel. Summe währenddessen langsam die Vokale „A…O…U…I“. Anschließend mit der anderen Seite wiederholen.
    Eine klinische Atemtherapie bei Lungenerkrankungen wie COPD, bei Asthma bronchiale oder auch bei chronischer Bronchitis setzt auf das Atemtraining zur Verbesserung der Lungenfunktion. Eine klinische Atemtherapie kann dir vom Arzt verschrieben werden und wird häufig von Physiotherapeuten durchgeführt.
  • Impfungen: Eine Impfung gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken (Bakterien, die eine Lungenentzündung verursachen können) ist laut Ständiger Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI)  ratsam für ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes sowie für Personen, die durch engen Kontakt mit anderen Menschen extrem ansteckungsgefährdet sind. Erhalte Infos zur Grippe-Impfung. Da eine akute Bronchitis auch als Begleiterkrankung von Masern, Typhus und Keuchhusten auftreten kann, kannst du dich von deinem Arzt auch über den Impfschutz vor Masern, Typhus und Keuchhusten beraten lassen.
  • Infektionsquellen meiden und Selbstreinigungskräfte der Atemwege erhalten: Um einer Bronchitis vorzubeugen kannst du Gegenden und Plätze meiden, die stark mit Schadstoffen (Feinstaub, Rauch) belastet sind. Wasch dir außerdem regelmäßig die Hände und halte Abstand zu Personen, die an Bronchitis erkrankt sind. Bitte bedenke: beim Niesen oder Husten gelangen mit der ausgestoßenen Luft auch bei vorgehaltener Hand oder Taschentuch immer noch genug ansteckende Grippe-Viren und damit auch Bronchitis-Erreger in den Raum.
  • Rauchverzicht: Eine gute Maßnahme, um Bronchitis und generell Atemwegsinfekten vorzubeugen bzw. bestehende Erkrankungen zu kurieren, ist der Verzicht auf Tabak. Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt außerdem sein Risiko, an Krebs, Herzinfarkt, oder einem Schlaganfall zu erkranken.
  • Raumluft verbessern: Kontrolliere die Luftfeuchtigkeit in den Räumen, in denen du dich häufig aufhältst. Bei weniger als 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, also zu trockener Raumluft, solltest du feuchte Tücher aufhängen oder über die Heizung legen. Auch Zimmerpflanzen sorgen für eine höhere Luftfeuchtigkeit im Raum. Achte jedoch darauf, dass sich auf der Erde im Topf kein Schimmel bildet. Lüfte außerdem regelmäßig.
  • Salzhaltige Luft: Ferien an der See sind als Therapiemaßnahme bei Atemwegsbeschwerden bekannt. Bereits seit der Antike wird Salz als Heilmittel eingesetzt und noch heute werden salzhaltige Inhalationen zur Linderung von Erkrankungen der Atemwege genutzt. Salzige Luft dringt bis tief in die Bronchien ein und kleidet dort als feiner Film die Schleimhäute aus. Die Schleimhäute werden somit auf natürliche Art befeuchtet und festsitzender Schleim wird gelöst. Mit dem Sekret werden dann auch Bronchitis-Krankheitserreger abtransportiert und die Flimmerhärchen (Zilien) werden aktiviert. Auch in Salzgrotten, in denen das Mikroklima eines Salzbergwerks imitiert wird, herrschen gute Bedingungen für Lunge und Bronchien.
  • Sport: Leichter Sport an der frischen Luft wie Radfahren oder Nordic Walking steigert deine Fitness und stärkt das Allgemeinbefinden. Wenn du dazu noch versuchst, dich gesund und abwechslungsreich zu ernähren, dann hast du schon viel getan, um Bronchitis und Infekten nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.
  • Wechselduschen: Um deinen Kreislauf anzuregen, kannst du morgens mit Wechselduschen von kaltem und warmem Wasser arbeiten. Fang warm an, dann zehn bis 15 Sekunden lang von den Füßen nach oben kalt abduschen. Alles zweimal wiederholen und mit kaltem Wasser enden.

Bronchitis: Heilungschancen

Dass sich aus einer unbehandelten akuten Bronchitis automatisch eine chronische Bronchitis entwickelt, ist selten. Es kann aber vorkommen bei Menschen mit Immunschwäche und Vorerkrankungen wie Asthma sowie bei Rauchern. Die Heilungschancen für eine chronische Bronchitis sind gut, wenn die Auslöser der Erkrankung frühzeitig ausgeschaltet werden. Werden Tabakrauch, Gase, Staub und andere Reizstoffe weiterhin eingeatmet, kann sich die Lungenfunktion zunehmend verschlechtern. Es kann zu einer Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder einem Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) kommen.

Eine akute, virale Bronchitis heilt meistens innerhalb von 14 Tagen aus. Der Hustenreiz kann allerdings noch Wochen bestehen bleiben. Das liegt daran, dass die Bronchitis die Bronchien geschädigt hat und sie somit empfindlicher auf alle möglichen Reize reagieren.

Sind bei der Bronchitis zusätzlich noch Bakterien an der Infektion beteiligt, kann es bis zur Genesung etwa drei Wochen dauern.

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Impfungen

Hib-Impfung

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b kann eine Lungenentzündung hervorrufen.
Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist ein weltweit vorkommendes Bakterium, das Atemwegsinfektionen, Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen hervorrufen kann.

Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Was ist das?

Die Bakterienart Haemophilus influenzae untereilt sich in Stämme, die von einer Kapsel umgeben sind (bekapselt) und Stämme ohne Kapsel. Die bekapselten Haemophilus influenzae Bakterien lassen sich entsprechend ihres Kapsel-Aufbaus in sechs Typen (a-f) unterteilen. Bei Haemophilus influenzae Typ b (Hib) handelt es sich um ein Bakterium, das weltweit beim Menschen vorkommt. Die stäbchenförmigen Hib-Bakterien können Erkrankungen in allen Altersgruppen auslösen. Besonders betroffen sind allerdings Kinder unter fünf Jahren.

Haemophilus influenzae Typ b findet sich bei vielen Menschen als Besiedler und Teil der Bakterienflora in den feuchten Schleimhäuten der Nase, des Mundes und des Rachens. Nur bei einem Teil dieser Hib-Träger ruft das Bakterium eine Erkrankung hervor. Dennoch fungieren diese Personen als Überträger des Hib-Bakteriums und können andere Menschen durch Tröpfcheninfektion über feinste Speichel- oder Schleimhauttröpfchen beim Niesen, Husten  und Sprechen mit dem Hib-Erreger infizieren.

Wird Haemophilus influenzae Typ b als Erreger einer Erkrankung nachgewiesen, muss der Erkrankungsfall in Deutschland gemäß Infektionsschutzgesetz an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Doch nicht immer löst das Hib-Bakterium Erkrankungen aus. Zur Erkrankung kann es aber ganz besonders bei Immun-geschwächten Personen, Kindern und älteren Personen kommen.

Symptome entwickelst du in der Regel zwei bis zehn Tagen nach der Ansteckung mit Hib. Aus dem Nasen-Rachen-Raum heraus kann sich Haemophilus influenzae Typ b dann auf zwei Wegen in deinem Körper ausbreiten: Entweder das Hib-Bakterium verbreitet sich in den zum Nasen-Rachen-Raum benachbarten Organen wie deinen Nasen-Nebenhöhlen oder deinem Ohr. Oder Hib verteilt sich über deine Blutbahn (hämatogen) und löst Infektionen an anderen, fern-gelegenen Organen aus.

Zum Krankheitsspektrum von Hib gehören beispielsweise eine Entzündung der Nasen-Nebenhöhlen (Sinusitis), eine Bronchitis, eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media). Zu den schwereren Verlaufsformen der Hib-Infektion zählen folgende Erkrankungen:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Die Entzündung der Hirnhäute geht oft mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen einher. Darüber hinaus kommen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Unruhe und Nackensteifigkeit hinzu. Hirnhautentzündungen können zu Störungen des Bewusstseins bis hin zum Koma oder Tod führen und können schwere Folgeschäden am Gehirn hinterlassen. Was tun bei Meningitis?
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Lungenentzündungen werden von Symptomen wie hohem Fieber, Husten mit (eitrigem) Auswurf, Atembeschwerden (Dyspnoe), beschleunigter Atmung (Tachypnoe) und Schmerzen beim Atmen begleitet.
  • Blutvergiftung (Sepsis): Bei einer Sepsis kommt es durch die Ausbreitung von Bakterien über die Blutbahn zu einem Krankheitsbild, das lebensbedrohliche Störungen der Organfunktionen bis hin zum Organversagen zur Folge haben kann.
  • Entzündung des Kehldeckels (Epiglottitis): Bei der Epiglottitis kommt es neben Fieber, Krankheitsgefühl und Schluckschmerzen zur plötzlichen Entzündung und Schwellung des Kehldeckels. Durch die Schwellung können die Atemwege eingeengt werden, sodass lebensbedrohliche Atemnot-Zustände auftreten können.

Seltener kann Haemophilus influenzae Typ b (Hib) auch Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis), des Herzbeutels (Perikarditis), Knochenentzündungen (Osteomyelitis) und Gelenkentzündungen (Arthritis) hervorrufen.

Haemophilus influenzae Typ b-Impfung: Welche Arten gibt es?

Zum Schutz vor Erkrankungen durch Haemophilus influenzae Typ b kann eine aktive Impfung verabreicht werden. Nach Kontakt zu einer durch Haemophilus influenzae Typ b erkrankten Person kann eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe mit einem Antibiotikum durchgeführt werden.

Aktive Haemophilus influenzae Typ b–Impfung

Die aktive Immunisierung gegen Haemophilus influenzae Typ b wird mit einem Totimpfstoff als Spritze in den Muskel (intramuskulär) durchgeführt. Der Impfstoff enthält Teile des Krankheitserregers, die von deinem Immunsystem als fremd erkannt werden können. Im Falle des Haemophilus influenzae Typ b-Impfstoffs sind dies die Strukturen der Bakterien-Kapsel. Bei erneutem Kontakt zum Hib-Erreger kann dein Immunsystem diese Kapsel-Strukturen rasch erkennen, direkt mit Abwehrmechanismen reagieren und Haemophilus influenzae Typ b außer Gefecht setzen. Mehr zur Wirkungsweise von aktiven und passiven Impfungen.

Der Hib-Impfstoff ist ein sogenannter Konjugat-Impfstoff. Das bedeutet, dass in der Impfstoffherstellung bestimmte Anteile des Krankheitserregers, genau gesagt Zuckerketten der Bakterien-Kapsel (Polysaccharide), an Eiweiße gekoppelt (konjugiert) wurden. Das dient dazu, die Immunantwort insbesondere des kindlichen, noch unreifen, Immunsystems zu verstärken. Kindliche Abwehrzellen reagieren nämlich effektiver auf Eiweiße als auf Zuckerketten (Polysaccharide). So kann die Wirksamkeit der Hib-Impfung gesteigert werden.

Die Impfung gegen Hib kann entweder als 6-fach-Kombinationsimpfung gemeinsam mit den Impfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Polio (Kinderlähmung, Poliomyelitis) und Hepatitis B oder auch als Einzelimpfung (monovalent) verabreicht werden.

Hib-Impfung: Postexpositionsprophylaxe

Nach engem Kontakt zu Personen, die durch Haemophilus influenzae Typ b erkrankt sind, kann eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe mit einem Antibiotikum bei den Kontaktpersonen durchgeführt werden. Das geschieht insbesondere dann, wenn ungeimpfte Kinder oder Personen mit einer Abwehrschwäche im Haushalt oder der nahen (familiären) Umgebung des Erkrankten leben. Das verabreichte Antibiotikum gegen Hib kann die Kontaktpersonen vor einem schweren Verlauf einer Erkrankung durch Haemophilus influenzae Typ b schützen oder gar einen Ausbruch einer Erkrankung verhindern. Ebenso kann die Antibiotika-Behandlung eine weitere Verbreitung des Hib-Erregers eindämmen. Verabreicht werden sollte das Medikament gegen Hib frühestmöglich nach Kontakt, spätestens aber innerhalb von sieben Tagen nachdem Symptome bei dem Erkrankten aufgetreten sind.

Hib-Impfung: Wann impfen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Haemophilus influenzae Typ b als 6-fach-Kombinationsimpfung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. Die 6-fach-Kombinationsimpfung enthält Totimpfstoffe gegen sechs verschiedene Krankheitserreger:

Insgesamt werden drei Impfstoffdosen zur Grundimmunisierung benötigt. Für einen zuverlässigen Langzeitschutz sollte zwischen der 2. und 3. Impfstoffdosis ein Abstand von mindestens sechs Monaten liegen. Deswegen wird bei der Grundimmunisierung von Säuglingen auch von einem 2+1 Impfschema gesprochen:

  1. Impfung im Alter von zwei Monaten.
  2. Impfung im Alter von vier Monaten.
  3. Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten.

Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, sollten aufgrund ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems hingegen nach dem 3+1 Schema geimpft werden. Sie erhalten Impfungen im Alter von zwei, drei, vier und elf Monaten mit drei Impfdosen in kurzem Abstand und einer Dosis nach längerem Abstand

Hast du die Grundimmunisierung im Kindesalter vollständig erhalten, kannst du von einem lebenslangen Schutz gegen Haemophilus influenzae Typ b ausgehen. Gegen andere Haemophilus influenzae-Stämme bietet die Hib-Impfung allerdings keinen Schutz.

Die Hib-Impfung wird außerdem als Indikationsimpfung für Personen empfohlen, die keine Milz mehr besitzen oder deren Milz nicht (mehr) funktionsfähig ist (Asplenie). Die Milz spielt insbesondere bei der Abwehr bekapselter Bakterien eine wichtige Rolle für das Immunsystem. In der Milz finden sich Abwehrzellen wie die B-Gedächtniszellen, die für die Gedächtnisfunktion also Langzeitimmunität verantwortlich sind. Wurde die Milz zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls entfernt oder kann aufgrund einer Erkrankung ihrer Funktion nicht mehr ausreichend nachgehen, so entfällt dieser wichtige Teil der Immunabwehr gegen bekapselte Bakterien. Die Folge: das Risiko für schwerwiegende Infektionen erhöht sich. Daher wird eine Hib-Impfung auch im Erwachsenenalter für Personen mit Asplenie als Indikationsimpfung empfohlen. Weitere Infos zur Indikationsimpfung.

Hib-Impfung: Wann nicht impfen?

Auf die Hib-Impfung solltest du verzichten, wenn du zum Zeitpunkt des Impftermins an einer schweren akuten Erkrankung leidest, Fieber über 38,5°C oder eine Allergie gegen Impfstoffbestandteile hast.

Leidest du an einem Immundefekt, also einer Abwehrschwäche, wäge bitte gemeinsam mit deinem Arzt ab, ob die Impfung durchgeführt werden sollte oder nicht. Dabei könnt ihr euch genau mit den Nutzen und Risiken der Impfung in deiner persönlichen Situation auseinander setzen und die beste Lösung für dich finden.

Bist du zum Impftermin verschnupft, hast etwas Husten oder leichtes Fieber bis 38,5°C, kannst du den Impftermin in der Regel trotzdem wahrnehmen. Auch Fieberkrämpfe oder Epilepsien in der Vorgeschichte oder in der Familie sind kein Hinderungsgrund für eine Hib-Impfung. Im Falle einer Schwangerschaft sprich bitte mit deinem Arzt.

Hib-Impfung: Wann auffrischen?

Eine Auffrischungsimpfung gegen Haemophilus influenzae Typ b ist nicht nötig. Einmal grundimmunisiert, schützt dich die Hib-Impfung lebenslang vor schweren Infektionen mit Haemophilus influenzae Typ b.

Kann die Grundimmunisierung gegen Hib nachgeholt werden?

Die Hib-Grundimmunisierung kann in der Kindheit bis zum Alter von vier Jahren nachgeholt werden. Hierzu wird dann lediglich noch eine Impfstoffdosis benötigt.

Ab fünf Jahren sollte die Hib-Impfung nur in besonderen Fällen, wie der fehlenden oder funktionslosen Milz (Asplenie) als Indikationsimpfung durchgeführt werden.

Hib-Impfung: Nebenwirkungen

Nebenwirkungen einer Hib-Impfung sind die üblichen Impfreaktionen. Dazu gehören:

  • Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle.
  • Unwohlsein, Fieber bis 39,5°C, Unruhe, Gliederschmerzen.
  • Lymphknotenschwellungen.

Die Symptome der Impfreaktionen klingen in der Regel innerhalb von drei Tagen ab und sind kein Grund zur Besorgnis. Sie spiegeln die aktive Auseinandersetzung deines Immunsystems mit der Impfung wider.

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Symptome

Verstopfung

Frau mit Verstopfung hält sich den schmerzenden Bauch.
Müssen und nicht können: Völlegefühl, ein unangenehmes Spannen im aufgetriebenen Bauch und weniger als dreimal Stuhlgang pro Woche können Anzeichen einer Verstopfung (Obstipation) sein.

Was bedeutet Verstopfung?

Von Verstopfung, auch als Obstipation bezeichnet, spricht dein Arzt, wenn du weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hast, der Kot äußerst hart ist und nur unter Schmerzen und sehr starkem Pressen ausgeschieden werden kann. Verstopfung ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Dein Darm drückt, dein Bauch spannt, du hast das Gefühl du müsstest auf die Toilette. Doch wenn du dann dort sitzt, geht gar nichts oder die Darmentleerung ist sehr schmerzhaft. Verstopfung ist bei Schwangerschaft ein häufiges Problem. Aber auch Menschen über 60 Jahren macht die Darmträgheit häufig zu schaffen.

Ob du tatsächlich eine Verstopfung hast und ob diese behandlungsbedürftig ist, weil eine Erkrankung dahinter steckt, kannst du zusammen mit deinem Arzt herausfinden. Denn viele Menschen, die täglich ihren Darm entleeren, fühlen sich schon verstopft, wenn sie zwei Tage hintereinander nicht auf die Toilette können. Andere wiederum machen sich erst Sorgen um eine Verstopfung, wenn drei oder vier Tage hintereinander nichts mehr geht. In jedem Fall ist es wichtig, nicht übereilt zu Abführmitteln zu greifen.

Eine chronische Verstopfung (chronische Obstipation) liegt vor, wenn deine Beschwerden mindestens drei Monate im Jahr vorhanden sind. Ein Magen-Darm-Arzt (Gastroenterologe) unterscheidet verschiedene Formen der chronischen Verstopfung, denen unter anderem neuronale oder hormonelle Störungen, eine Beckenbodensenkung sowie Nebenwirkungen von Medikamenten oder auch Vorerkrankungen wie Parkinson oder Diabetes zugrunde liegen können.

Was sind die Ursachen von Verstopfung?

Verstopfung kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufige Auslöser einer Obstipation sind:

  • Stress und Bewegungsmangel: Das macht den Darm träge.
  • Geringe Flüssigkeitszufuhr: Wenig Trinken sorgt dafür, dass dein Darm den Speisebrei schlechter verarbeiten kann. Er rutscht nicht weiter und sorgt für Verstopfung.
  • Ballaststoffarme Ernährung: Besonders Weißbrot, Schokolade und Süßigkeiten sorgen für Darmträgheit. Diese Nahrungsmittel verhindern die Darmtätigkeit und können somit zur Verstopfung beitragen.
  • Unterdrücken des Stuhlgangs: Wenn ein Toilettengang wiederholt unmöglich ist, weil du gerade unterwegs bist, im Meeting sitzt oder meinst, dass aus welchen Gründen auch immer später ein günstigerer Zeitpunkt für das „große Geschäft“ wäre, dann kann sich dein Stuhl im Enddarm sammeln. Wenn er dort für längere Zeit als dicker Klumpen liegen bleibt, staut sich immer mehr an und verstopft zusätzlich.
  • Divertikel: Ausstülpungen aus dem Darm können zu Verstopfung führen.
  • Ortswechsel: Veränderte klimatische Bedingungen beispielweise durch Reise oder Umzug sowie veränderte sanitäre Anlagen sind für den Darm oft vorübergehend ein Problem, das zu Verstopfung führt.
  • Schwangerschaft: Verstopfung in der Schwangerschaft ist bei werdenden Mamas häufig ein Thema. Auslöser der Obstipation ist jedoch nicht die wachsende Gebärmutter, sondern eine geringe Aktivität der Darmmuskulatur.
  • Geschwächter Beckenboden nach der Geburt: Hier kann sich ein Stück des Mastdarms (letzter Abschnitt des Dickdarms, auch Enddarm oder Rektum genannt) in die Scheide hinein wölben. Die Folge sind Ausstülpungen, in denen der Stuhl liegen bleiben kann. Er trocknet aus und kann somit den Stuhlgang verzögern oder erschweren.
  • Medikamente: Manche Medikamente können als Nebenwirkung Verstopfung haben oder die Darmträgheit fördern. Dazu gehören zum Beispiel manche Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Einige Hustenblocker, Antazida (Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure) gegen Sodbrennen und einige Antidepressiva und Mittel gegen Bluthochdruck können bei regelmäßiger Anwendung ebenfalls zu Verstopfung führen.
  • Chronische Erkrankungen: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können zur Darmträgheit und Verstopfung führen. Ebenso Hämorrhoiden und Darmkrebs.
  • Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall und Schilddrüsenunterfunktion können Vorerkrankungen sein, die zur Verstopfung führen können.

Was sind Symptome von Verstopfung?

Spürst du folgende Beschwerden, könnte eine Verstopfung dahinter stecken:

  • Du hast weniger als dreimal Stuhlgang pro Woche.
  • Dein Bauch fühlt sich aufgetrieben an und spannt.
  • Du verspürst ein unangenehmes Völlegefühl, doch du hast nicht zu viel oder zu fett gegessen.
  • Du hast beim Stuhlgang das Gefühl, einen Widerstand überwinden zu müssen und den Darm nur unvollständig entleeren zu können.
  • Dein Stuhl ist extrem hart und oft auch sehr dunkel.
  • Die Darmentleerung ist schmerzhaft und nur unter sehr starkem Pressen möglich.

Treten Blut im Stuhl oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust auf, dann sollte schnellstmöglich ein Arzt nach den Ursachen suchen.

Welcher Arzt hilft bei Verstopfung?

Kann der Hausarzt dir bei der Verstopfung nicht weiter helfen, wird er dich zu einem Gastroenterologen überweisen. Ein Gastroenterologe wird auch als Magen-Darm-Arzt oder Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie bezeichnet. Untersuchungen beim FA Innere Medizin und Gastroenterologie.

Dein behandelnder Arzt wird dir Fragen stellen zur Häufigkeit des Stuhlgangs, seiner Farbe, seiner Konsistenz und zu Auffälligkeiten oder Veränderungen. Mit Hilfe eines Stuhltagebuchs können Begleitumstände der Verstopfung ausfindig gemacht werden. In das Stuhltagebuch trägst du beispielsweise ein, was du isst, ob du den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen hast oder dich bewegt hat, ob du beruflichen und privaten Stress hattest, um wieviel Uhr du auf die Toilette gegangen bist usw.,

Der Arzt wird dich zur Abklärung der Ursachen der Verstopfung körperlich untersuchen, deinen Unterleib und insbesondere deinen Enddarm abtasten. Bei anhaltenden Verstopfungs-Beschwerden kann die Diagnostik um eine Blutuntersuchung, Ultraschall und Enddarmspiegelung (Proktoskopie) erweitert werden. Weiterhin können eine Druckbestimmung im Darm, eine Passagemessung (Hinton-Test) oder eine spezielle Röntgenaufnahmetechnik (Defäkographie) durchgeführt werden. Eine Darmspiegelung kann ebenfalls angeordnet werden. Erhalte wichtige Infos zur Darmspiegelung.

Was tun bei Verstopfung?

Die Therapie der Verstopfung richtet sich nach den individuellen Beschwerden, Ursachen und Befunden. Sie reicht von einer Lebensstil- und Ernährungsumstellung über Toilettentraining, Beckenbodentraining, Biofeedback, Entleerungshilfen und Medikamentgaben bis hin zu chirurgischen Maßnahmen bei beispielsweise Divertikeln (Ausstülpungen aus dem Darm).

Bewegung tut dem Darm gut

Damit bei Verstopfung dein träger Darm in Schwung kommt und aktiv bleibt, solltest du dich ausreichend bewegen. Das ist umso wichtiger, wenn du täglich mehrere Stunden am Schreibtisch sitzt oder generell eine sitzende Tätigkeit ausgeübt wird. Bewegung in deinen Alltag einzubringen ist gar nicht so schwer: Nimm die Treppen statt den Fahrstuhl, mach einen Spaziergang statt auf dem Sofa zu sitzen. Überwinde deinen inneren Schweinehund und dein Darm und der Rest deines Körpers werden es dir danken.

Für den Toilettengang ist allerdings Ruhe angesagt. Nimm dir für die Sitzung Zeit und versuche, nicht zu heftig zu pressen. Denn ständiges heftiges Pressen fördert die Ausweitung der Venen und damit die Entstehung von Hämorrhoiden.

Ernährung bei Verstopfung

Eine ballaststoffreiche Ernährung kann einer Verstopfung entgegenwirken und die Darmtätigkeit anregen. Ballaststoffe sind enthalten in Vollkornbrot, Sesam, Weizenkleie, faserreichem Gemüse und frischem Obst mit Schale (vor Verzehr bitte gut abwaschen). Ballaststoffe und Quellstoffe in Obstschalen und Gemüse binden Wasser und lassen den Speisebrei aufquellen. Dadurch wird er schneller befördert und ausgeschieden. Der Stuhl ist weich und erfordert kein übermäßiges Pressen. Einer Verstopfung kann somit vorgebeugt werden.

Keine Sorge: Süßigkeiten und Weißbrot musst du bei Verstopfung in der Regel nicht meiden. Jedoch kommt es auf die Menge an und darauf, einen Ausgleich durch ballaststoffreiche Kost zu schaffen. Sprich mit deinem Arzt oder Ernährungsberater. Zusammen könnt ihr herausfinden, was dir schmeckt und deiner Verdauung gut tut.

Natürliche Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie oder indischer Flohsamen können das Volumen des Darminhalts erhöhen und mehr Druck auf die Darmwand ausüben. Das regt die Darmbewegung an, sorgt für einen guten Weitertransport des Darminhalts und kann somit Verstopfung vorbeugen. Doch Vorsicht: Viel hilft hier nicht viel. Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamen legen bis zu 200-fach an Gewicht zu sobald sie Wasser aufnehmen. Damit im Darm nichts verklumpt und der Darminhalt so verdickt wird, dass der Darm verschlossen wird, solltest du auf die richtige Dosierung achten. Zusätzlich viel trinken, damit im Darm alles besser rutscht.

Halte unbedingt Rücksprache mit deinem Arzt, wenn du die natürlichen, wasserbindenden Quellmittel bei Verstopfung und danach länger als zwei Wochen einnehmen möchtest. Es besteht die Gefahr, dass sich dein Darm daran gewöhnt, nur noch mit Hilfe von Weizenkleie und Co. zu funktionieren. Die Folge: Mit der Zeit braucht dein Darm immer größere Mengen an Quellstoffen, damit der gewünschte Effekt bei der Verdauung einsetzt.

Bist du Diabetiker und möchtest der Verstopfung mit Flohsamen zu Leibe rücken, dann beachte bitte, dass Flohsamen die Verarbeitung von Kohlenhydraten im Körper verzögern kann. Dein Blutzucker kann dadurch abfallen.

Hausmittel bei Verstopfung

Als Hausmittel bei Verstopfung schwören viele Menschen auf das Trinken eines Glases lauwarmen Wassers am frühen Morgen auf nüchternen Magen. Auch ein Glas Orangen- oder Grapefruitsaft soll die Verdauung anregen und der Verstopfung entgegenwirken.

Ein beliebtes Hausmittel bei Darmträgheit ist Sauerkraut. Entweder als Saft, aus der Dose/dem Glas oder selbst eingelegt. Frische oder getrocknete Pflaumen und Feigen sollen ebenfalls einen abführenden Effekt haben.

Bitte beachte: Der Erfolg stellt sich in der Regel nicht gleich am ersten Tag ein. Es kann einige Tage dauern bis die Verdauung wieder in Gang kommt.

Abführmittel bei Verstopfung

Vergeht die Verstopfung nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen durch Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung, Stressabbau oder Behebung anderer Ursachen von selbst wieder, dann können eventuell Abführmittel, Laxantien genannt, vorübergehend Abhilfe schaffen.

Dein Arzt kann dir Abführmittel verordnen, wenn du längere Zeit bettlägerig bist und du dich somit nicht ausreichend bewegen kannst. Wenn du dich von einem Leistenbruch, einem Herzinfarkt oder von einer Thrombose erholst und deswegen beim Stuhlgang nicht stark pressen darfst, können Abführmittel Erleichterung verschaffen und einer Verstopfung entgegenwirken. Wird deine Darmtätigkeit durch Divertikel (Ausstülpungen aus dem Darm) extrem behindert und leidest du deswegen unter Verstopfung, kann dir dein Arzt ebenfalls Abführmittel verordnen.

Hilfe bei Verstopfung aus der Apotheke

Doch Vorsicht: Abführmittel bitte nur maximal zwei Wochen anwenden. Nimmst du Abführmittel ständig ein, verlieren sie nach und nach ihre Wirkung. Die Dosis muss dann immer mehr erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Abführmittel können zu Mineralstoffverlust und insbesondere zu Kaliummangel führen. Das wiederum kann als Folge Muskelschwäche, verstärkte Darmträgheit und Herzrhythmusstörungen haben. Lies mehr bei uns zu Ursachen und Therapie von Herzrhythmusstörungen.

Bei Abführmitteln werden die folgenden Substanzklassen unterschieden:

  • Darmreizende Abführmittel: Tabletten, Tropfen oder Zäpfchen mit den Wirkstoffen Natriumpicosulfat und Bisacodyl sorgen dafür, dass die Darmwand gereizt wird. Darauf reagiert die Darmwand mit verstärkter Bewegung. Der Speisebrei kann schneller durch den Darm geschoben werden, unverdaute Reste werden somit auch schneller ausgeschieden und eine Verstopfung hat keine Chance. Doch Vorsicht: Darmreizende Abführmittel bei Verstopfung bitte nur kurzfristig anwenden. Der Grund: Dein Darm gewöhnt sich schnell an die Reize von außen, kommt ohne die Mittel von allein gar nicht mehr in Schwung und wird demzufolge noch träger. So paradox es klingt, kannst du auf diese Weise durch Abführmittel Verstopfung bekommen.

Vorsicht vor Wechselwirkungen: Bist du Diabetiker solltest du häufiger deinen Blutzucker kontrollieren. Denn Darmreizende Abführmittel schwemmen Kalium aus. Der Kaliumverlust kann die Wirkung deiner Spritze verringern. Die Folge: Du musst mehr als gewohnt spritzen, um den Blutzucker auf Normalniveau zu halten.

Wenn du unter Herzschwäche leidest und Medikamente mit Digitalis-Wirkstoffen einnehmen musst, kann deren Wirkung durch Darmreizende Abführmittel verstärkt werden. Leidest du unter Herzrhythmusstörungen und nimmst Medikamente dagegen, kann deren Wirkung ebenfalls durch die Abführmittel gegen Verstopfung verstärkt werden. Wenn du also Abführmittel über einen längeren Zeitraum und in hoher Dosierung einnehmen willst, solltest du das auf keinen Fall ohne Rücksprache mit deinem Arzt tun.

Da Kaliummangel Herzrhythmusstörungen auslösen kann, solltest du auf deine Kaliumwerte im Blut besonders achten, wenn du neben Darmreizenden Abführmitteln noch entwässernde Mittel nehmen musst. Beides führt zu Kaliumverlust. Zu entwässernden Mitteln zählen beispielsweise Diuretika bei Bluthochdruck. Das gleiche gilt für Glukokortikoide bei Entzündungen. Lies Wissenswertes über den Laborwert Kalium.

Milch und Milchprodukte wie Joghurt oder Quark können die Wirksamkeit von Darmreizenden Abführmitteln beeinträchtigen. Daher die Abführmittel bitte nie zusammen mit Milch oder Milchprodukten einnehmen.

  • Gleitmittel: Um den Darminhalt aufzuweichen, das Stuhlvolumen dadurch zu erhöhen und damit die Darmbewegung anzuregen, können Abführmittel mit den Wirkstoffen Glyzerin und Paraffin eingesetzt werden. Durch die Gleitmittel soll die Verdauung zügiger erfolgen, der Stuhl weicher werden und leichter nach außen rutschen. Glyzerin kann als Einlauf (Klistier) oder als Zäpfchen verabreicht werden. Es eignet sich besonders gut, um im Enddarm liegende, harte Stuhlballen weich zu machen. Da Glyzerin nicht ins Blut aufgenommen wird, ist es bei Verstopfung oft das Mittel der Wahl für Schwangere und Kinder.
    Paraffin kann bei längerer Anwendung die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A,D,E,K) verhindern. Eine Vitaminmangelerkrankung kann mögliche Folge sein. Ebenso kann sich Paraffin in deinen Lymphknoten ablagern und zur Bildung von Gewebeknötchen (Granulome) führen.
  • Osmotische Abführmittel: Osmotische Abführmittel setzen auf den Wirkstoff Laktulose und das Prinzip der Osmose. Laktulose ist ein synthetischer Zucker, der im Dickdarm durch die dort lebenden Bakterien zu Milchsäure und Essigsäure sowie Methan und Wasserstoff abgebaut wird. Dadurch kommen Zucker und Säuren im Dickdarm höher konzentriert vor als im umliegenden Gewebe. Die Folge: Es wird so lange Wasser in den Dickdarm gezogen, bis die Konzentrationen an Zucker und Säuren innen und außen wieder gleich sind. Der erhöhte Wassergehalt macht den Stuhl weich, steigert das Volumen des Darminhalts und regt dadurch die Darmbewegung an. Stell dir für das Wirkprinzip der osmotischen Abführmittel einen trockenen Schwamm vor. Tauchst du ihn ins Wasser, saugt er sich voll und wird dadurch immer dicker und weicher.
    Bitte beachte: Der synthetische Zucker Laktulose besteht aus Galaktose und Fructose. Wenn du an einer Galaktose- oder Fructose-Unverträglichkeit leidest, solltest du mit deinem Arzt über alternative Abführmittel sprechen. Vorsicht vor Wechselwirkungen: Laktulose kann bei hoher Dosierung und langfristiger Anwendung zur Ausschwemmung von Kalium führen. Verstärkt wird der Kaliumverlust durch gleichzeitige Einnahme von entwässernden Mitteln (Diuretika) und Glukokortikoiden. Durch den doppelten Kaliumverlust kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Auch Diabetiker mit Verstopfung müssen durch den Kaliumverlust gegebenenfalls mehr spritzen, um ihren Blutzucker im Normalbereich zu halten. Leidest du unter einer Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen und nimmst Digitalis-Glykoside oder Antiarrhythmika ein, beachte bitte, dass die Wirkung der Medikamente durch die Abführmittel mit Laktulose verstärkt werden kann.
  • Mineralhaltige Mischungen: Mineralhaltige Abführmittel binden Wasser. Dadurch kann der verhärtete Stuhl im Enddarm aufquellen, weich werden und damit leichter ausgeschieden werden. Ein anderes Wirkprinzip haben mineralhaltige Mischungen, die für ein langsames Freisetzen von Kohlendioxid im Enddarm sorgen. Das regt die Darmtätigkeit an und führt zur Darmentleerung. Beispiele für Wirkstoffe mineralhaltiger Abführmittel sind: Natriumhydrogenphosphat mit Natriummonohydrogenphosphat; Natriumhydrogenkarbonat mit Natriumhydrogenphosphat; Kaliumchlorid mit Macrogol; Natriumchlorid, Natriumhydrogenkarbonat und Natriumzitrat mit Natriumlaurylsulfoazetat und Sorbit. Dein Arzt unterstützt dich gerne bei der Wahl des geeigneten Präparates.

Hilfe bei Verstopfung aus der Apotheke

Verstopfung vorbeugen

Für einen normalen Stuhlgang gibt es keine festgesetzten Regeln. Das heißt, alles, womit du dich wohlfühlst, ist normal und gut für dich. Doch beachte: der Darm ist ein Gewohnheitstier. Er kann mit Verstopfung reagieren, wenn er an feste Toilettenzeiten (z.B. morgens nach dem Frühstück) gewöhnt ist und es aus welchen Gründen auch immer zu Abweichungen von der festen Uhrzeit kommt. Auch wenn du dir den Toilettengang verkneifst, dir Stress auf den Magen schlägt, du mal nichts oder lange Zeit ballaststoffarm isst, kann dein Darm mit Verstopfung reagieren. Daher: Sei nett zu deinem Darm. Gib ihm ballaststoffreiche Kost mit Vollkornbrot, Obst und Gemüse zur Verdauung. Achte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und vor allem auf genug Bewegung. Um die Verdauung zu fördern kannst du außerdem auf Gewürze wie Kümmel, Anis, Majoran oder Koriander zurückgreifen.

Wie lange dauert Verstopfung?

In den meisten Fällen verschwindet die Verstopfung nach einigen Tagen, sofern sie nicht durch eine Krankheit ausgelöst wird und sofern du dich bemühst, auf deine Darmgesundheit zu achten. Steckt eine Krankheit hinter der Verstopfung, dann ist es wichtig, die Grunderkrankung in den Griff zu bekommen. Oft verbessert sich dadurch die Darmträgheit. Was auch immer die Verstopfung bei dir auslöst und wie auch immer du sie behandeln lässt: deine Mithilfe ist bei allem unerlässlich.

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Impfungen

Diphtherie-Impfung

Ärztin spritzt Kind im Alter von fünf bis sechs Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie.
Gegen Diphtherie kann ab einem Alter von zwei Monaten erstmals geimpft werden. Wurde die Diphtherie-Impfung im Kindesalter versäumt, ist eine spätere Nachimpfung jederzeit möglich.

Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine Infektionserkrankung, die durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae verursacht wird. Diphtherie kommt weltweit vor. In Deutschland gibt es derzeit wegen der guten Impfquote nur noch vereinzelte Erkrankungen. Diphtherie ist laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig.

Gefährlich ist das Gift (Toxin) des Diphtherie-Bakteriums, das durch Tröpfcheninfektion in deinen Körper gelangen kann. Die  Diphtherie-Bakterien verbreiten sich durch engen Kontakt beim Husten, Niesen oder Küssen von Mensch zu Mensch. Auch eine Schmierinfektion über Haut und Gegenstände, die der an Diphtherie Erkrankte benutzt hat, ist möglich.

Diphtherie kommt in zwei Formen vor. Als Diphtherie der Atemwege oder als Diphtherie der Haut (Hautdiphtherie). Die Diphtherie der Atemwege, auch echter Krupp genannt, kommt häufiger vor als die Hautdiphtherie. Wenn die Diphtherie die Atemwege befällt, betrifft es hauptsächlich Rachen (Pharynx), Hals, Mandeln (Tonsillen), Nase und bei Kindern oft den Kehlkopf (Larynx).

Wenn du dich mit Diphtherie angesteckt hast, dauert es circa zwei bis fünf Tage bis du die ersten Krankheitszeichen spürst. Diese Zeitspanne heißt Inkubationszeit. Bei der Diphtherie im Rachenbereich (Rachendiphtherie) zeigen sich folgende Symptome:

  • Halsschmerzen.
  • Schluckbeschwerden.
  • Fieber. Wo Fieber messen?
  • Allgemeines Krankheitsgefühl.
  • Heiserkeit.
  • Stridor. Ein Stridor ist ein pfeifendes oder zischendes Atemgeräusch, das durch die Schwellung deines Halses zustande kommt.

Innerhalb von zwei bis drei Tagen entstehen im weiteren Verlauf der Rachendiphtherie in deinem Rachen und auf deinen Mandeln so genannte Pseudomembranen. Pseudomembranen sind weißlich-gräuliche Beläge, die aus abgestorbenen Zellen und Blutbestandteilen zusammengesetzt sind. Jetzt ist wichtig, dass du nicht versuchst diese Beläge zu entfernen. Denn dabei kann es stark anfangen zu bluten.

Bei Kindern sind von der Diphtherie häufig Kehlkopf und Kehlkopfdeckel betroffen. Zu der Heiserkeit kommt bei Kindern das typische, bellend-klingende Husten. Das wird echter Krupp genannt. Dabei bekommen die Kinder schlecht Luft und sind daher oft unruhig und ängstlich. Durch die Schwellung des Rachens kommt es auch hier zu einen pfeifenden Atemgeräusch. Die schmerzhafte Schwellung der Halsweichteile inklusive der Lymphknoten und des Kehlkopfs wird Cäsarenhals genannt. Die Einengung der Atemwege kann dabei so extrem sein, dass die Kinder würgen, Luftnot bekommen oder zu ersticken drohen.

Zur Hautdiphtherie kann es zum Beispiel durch eine Infektion einer kleinen Wunde oder eines Insektenstichs mit Corynebacterium diphtheriae kommen. Die Wunde entzündet sich und es bilden sich, ähnlich wie bei der Rachendiphtherie, weißlich-gräuliche Beläge.

Die Diphtherie kann sich besonders bei kleinen Kindern auf die Lungen ausdehnen, zu einer Lungenentzündung oder schlimmstenfalls zum Ersticken führen. Eine Diphtherie-Impfung kann Schutz gegen das Diphtherie-Gift (Toxin) bieten. Die Diphtherie-Impfung kann allerdings die Infektion mit dem Bakterium nicht verhindern.

Diphtherie-Impfung: Welche Arten gibt es?

Um einer Diphtherie-Erkrankung vorzubeugen, gibt es die Diphtherie-Impfung. Zur Bekämpfung der Diphtherie-Erkrankung gibt es ein Antitoxin. Dieses Gegengift wirkt ähnlich wie eine passive Impfung und neutralisiert im Blut vorhandenes Gift der Diphtherie-Bakterien.

Mit Antibiotika kann das Diphtherie-Bakterium direkt bekämpft werden. Ziel der Antibiotika-Therapie ist, die Vermehrung und die Gift-Produktion des Diphtherie Erregers zu stoppen.

Aktive Diphtherie-Impfung

Die Diphtherie-Schutzimpfung ist eine aktive Impfung. Das heißt dein Immunsystem wird zur Ausbildung von Antikörpern und Abwehrmechanismen angeregt. Dadurch entwickelt sich eine Immunität gegen Diphtherie, die allerdings nur für maximal zehn Jahre anhält. Die Diphtherie-Impfung enthält inaktivierte Anteile des Diphtherie-Gifts (Toxin). Daher wird diese Art von Impfstoff auch Toxoidimpfstoff genannt.

Wissenswertes zu aktiven und passiven Impfungen.

Diphtherie-Antitoxin

Hast du dich mit Diphtherie infiziert kann dir dein Arzt ein Antitoxin spritzen. Das bedeutet, du bekommst das Gegengift gegen das Diphtherie-Toxin. Gleichzeitig bekommst du eine Therapie mit Antibiotika, um die Vermehrung der Diphtherie-Erreger und deren Giftproduktion in deinem Körper zu stoppen.

Diphtherie Kombinationsimpfung

Zur Grundimmunisierung wird die Diphtherie-Impfung im Säuglingsalter (zwei bis 14 Monate) dreimal als Kombinationsimpfstoff zusammen mit dem Impfstoff gegen Tetanus und dem azellulären Pertussis-Impfstoff verabreicht. Pertussis ist der medizinische Ausdruck für Keuchhusten. Azellulär bedeutet, dass der Impfstoff keine lebenden Zellen des Keuchhusten verursachenden Bakteriums Bordatella pertussis enthält.

Die Auffrischungsimpfungen im Alter von fünf bis sechs Jahren und im Alter von neun bis 16 Jahren werden DTap oder Tdap genannt. T steht hier für Wundstarrkrampf also Tetanus. D bzw. d ist die Abkürzung für Diphtherie. ap ist die Abkürzung für azellulären Pertussis-Impfstoff also einem Impfstoff gegen Keuchhusten, der keine lebenden Zellen des Erregers enthält. Die Kleinbuchstaben der Impfstoff-Abkürzungen symbolisieren, welcher Anteil des Impfstoffs in der jeweiligen Variante weniger enthalten ist. Ab einem Alter von 18 Jahren sollte laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) alle zehn Jahre eine Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie zusammen mit Tetanus durchgeführt werden. Eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis) und Polio (Kinderlähmung, Poliomyelitis, IPV) existiert ebenfalls (Tdap-IPV-Impfung). Welche Impfungen bei dir wann durchgeführt werden können, besprichst du am besten mit deinem Arzt.

Mehr zum Thema Kombinationsimpfung, Grundimmunisierung, Auffrischungsimpfung, Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe.

Diphtherie-Impfung: Wann impfen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt eine aktive Diphtherie-Impfung ab dem 2. Lebensmonat. Dies geschieht im Rahmen der 6-fach Impfung gemeinsam mit den Impfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Keuchhusten (Pertussis), Hämophilus influenzae Typ b (Hib), Polio (Kinderlähmung , Poliomyelitis) und Hepatitis B. Zur Grundimmunisierung dieser 6-fach Impfungen gehören noch zwei weitere Impftermine im 4. und 11.-14. Lebensmonat. Frühgeborene, die vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen, sollten laut STIKO vier Grundimmunisierungsimpfungen im 2., 3., 4. und 11. Lebensmonat erhalten. Danach empfiehlt das RKI Auffrischungsimpfungen im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie neun bis 16 Jahren und ab dem 18. Lebensjahr alle 10 Jahre.

Schema zum Ablauf der 6-fach Impfung:

6-fach Impfung Alter
2 Monate 3
Monate bei Frühchen
4 Monate 11- 14 Monate 5-6 Jahre 9 -16 Jahre ab 18 Jahre
Diphtherie insgesamt drei Grundimmunisierungen jeweils im Alter von 2, 4 und 11-14 Monaten; bei Frühgeborenen (vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche) vier Grundimmunisierungen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten

Aktive Impfung

Diphtherie- und Tetanus-Impfstoff sind Toxoidimpfstoffe

Auffrischungs-impfungen erstmalig mit 5-6 Jahren, dann mit 9-16 Jahren

Ab dem 18. Lebensjahr Auffrischungen alle 10 Jahre

Tetanus
Pertussis
Hepatitis B
Poliomyelitis
Hämophilus influenzae Typ b (Hib)

Diphtherie-Impfung: Wann nicht impfen?

Falls du zum Zeitpunkt der Diphtherie-Impfung an hohem Fieber oder einer Grippe leidest, wird empfohlen die Impfung zu verschieben. Leichtes Fieber oder eine Erkältung sind hingegen kein Grund, um die Diphtherie-Impfung zu verschieben. Sprich am besten mit deinem Arzt. Er kann dann gemeinsam mit dir entscheiden, ob und wann eine Diphtherie-Impfung durchgeführt werden sollte.

Diphtherie-Impfung: Wann auffrischen?

Die Diphtherie-Grundimmunisierung sorgt zwar dafür, dass dein Körper Abwehrmechanismen gegen das Diphtherie-Gift (Toxin) produziert, allerdings hält der Impfschutz nicht ewig an. Laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren und neun bis 16 Jahren nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung erhalten.  Ab dem 18. Lebensjahr werden Auffrischungsimpfungen jeweils nach 10 Jahren empfohlen.

Wenn du dich bei der Gartenarbeit geschnitten hast und die Wunde beim Arzt oder im Krankenhaus versorgt werden muss, wirst du vermutlich nach deinem Tetanus-Impfschutz gefragt. Bei unzureichendem Impfschutz wirst du wahrscheinlich eine erneute Impfungen gegen Tetanus erhalten. Da diese Impfungen Kombinationsimpfungen mit Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) sind, kann es sein, dass du hierdurch zusätzliche Impfungen gegen Diphtherie erhältst, die in deinem Impfplan eigentlich nicht vorgesehen sind. Frage am besten deinen Arzt, falls du Bedenken hast oder noch weitere Informationen wünschst.

Kann die Grundimmunisierung gegen Diphtherie jederzeit nachgeholt werden?

Die Impfung gegen das Diphtherie-Toxin kann jederzeit nachgeholt werden, falls Impfungen im Kindesalter versäumt wurden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Nachholimpfungen bei teilgeimpften Personen unter Einhaltung der Mindestabstände von Impfungen. Sprich wegen deiner Nachholimpfung deinen Arzt an. Zusammen könnt ihr die Zeiträume für fehlende Impfungen planen.

Im Falle einer akuten Diphtherie-Erkrankung kann es sein, dass du gemeinsam mit einer Antibiotika-Therapie auch eine Art passive Impfung, also das Gegengift (Antitoxin) gegen das Diphtherie-Toxin, erhältst.

Diphtherie-Impfung: Nebenwirkungen

Wie bei jeder Impfung oder Spritze kann es nach der Diphtherie-Impfung zu einer Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle kommen. Es kann auch sein, dass du eine Rötung bemerkst oder sich dein Arm nach der Impfung schwer anfühlt.

Manchmal kann es durch Impfungen auch zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber, Müdigkeit, Lymphknotenschwellung und Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden kommen. Auch allergische Hautreaktionen sind möglich. Dein Arzt hilft dir bei Fragen zur Diphtherie-Impfung und möglichen Nebenwirkungen gerne weiter.