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Schwerhörigkeit: Die verschiedenen Typen von Hörgeräten

Frau mittleren Alters lässt sich ein Im-Ohr-Hörgerät anpassen.
Im-Ohr-Hörgeräte sind in der Regel nur für leichte bis mittelschwere Hörschädigungen geeignet. Sie werden wie ein Ohrstöpsel im Gehörgang platziert.

Was bedeutet Schwerhörigkeit?

Eine Schwerhörigkeit heißt, die Hörfähigkeit ist herabgesetzt und es ist uns erschwert, Geräusche oder andere Menschen zu hören. Dabei kann die Schwerhörigkeit viele Ursachen haben. Meist liegt es an Lärm oder am Alter. Doch Lärm kann auch in jungen Jahren die Fähigkeit zu hören deutlich herabsetzen. Zudem können Erkrankungen oder Infektionen ein Grund für die Schwerhörigkeit sein. Leider kann diese in den meisten Fällen nicht geheilt werden. Doch Hörgeräte können wieder dafür sorgen, dass man alles gut versteht. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen der Hörgeräte. Neben den leistungsstarken HdO-Geräten (Hinter-dem-Ohr-Geräten) findet man auch Im-Ohr-Hörgeräte, die nicht sichtbar sind, aber höchsten Tragekomfort versprechen.

Welche Ursachen hat eine Schwerhörigkeit?

Die Ursachen einer Schwerhörigkeit können sehr vielfältig sein. Die häufigste Ursache ist dem biologischen Altersprozess geschuldet – die Altersschwerhörigkeit. Es ist zwar keine Krankheit, kann aber die Lebensqualität deutlich einschränken. Allerdings unterscheidet man zwischen verschiedenen Schwerhörigkeiten:

Innenohr-Schwerhörigkeit betrifft etwa 80 % der Schwerhörigen. Bei einer Innenohr-Schwerhörigkeit können erbliche Faktoren eine große Rolle spielen. Doch auch chronischer Lärm oder Hörsturz können dazu führen, dass man schlechter hört. Auch häufige Mittelohrentzündungen können ein Auslöser sein. Ebenso wie Masern, Mumps oder Scharlach. Tinnitus kann ebenfalls zu einem Hörverlust führen.

Mittelohr-Schwerhörigkeit wird überwiegend durch Tumore im Mittelohr verursacht oder durch Otosklerose, also einer Verknöcherung der Gelenke der Hörknöchelchen. Bei einer eher seltenen Hörnerven-Schädigung gehen vorwiegend Tumore der Hörnerven voraus.

Hat das schlechte Hören Einfluss auf die Lebensqualität?

Viele Menschen möchten es natürlich nicht zugeben, dass sie schlechter hören und erfinden zahlreiche Ausreden, dass sie das Gesagte nicht verstanden haben. Entweder haben sie gerade nicht zugehört und waren in Gedanken oder die anderen nuscheln so, dass man das Gesagte gar nicht verstehen kann. Zudem verdrängen die Betroffenen ihre Schwerhörigkeit unbewusst. Dabei ist das aber gar nicht so ungewöhnlich. Denn beim Hören werden viele Konsonanten in höheren Frequenzen wahrgenommen und der Kontext wird verstanden. Dass die tieffrequenten Vokale nicht gut gehört werden, wird dadurch verdrängt.

In den allermeisten Fällen sind jedoch die hohen Frequenzen zuerst betroffen. Die Lautstärke hört sich somit unverändert an. Lediglich die Sprache ist undeutlich zu verstehen, weshalb viele der Betroffenen immer wieder davon berichten, dass die Menschen nuscheln und deshalb das Gesagte nicht gut verstanden wird. Der Betroffene muss sich somit deutlich mehr konzentrieren und ist somit auch schneller erschöpft und gereizt. Dies bedeutet aber auch, dass nicht nur der Geist, sondern auch Körper und Seele belastet werden und die Lebensqualität signifikant schlechter wird. Um das Leben wieder angenehmer zu machen, ist daher ein Hörgerät unumgänglich. Die Betroffenen verstehen wieder, was gesagt wird, und müssen sich nicht mehr so stark anstrengen, um zuzuhören.

Weshalb schämen sich viele Betroffene mit einem Hörgerät?

Das Problem, perfekt zu sein, ist ein falsches Bild. Lange waren es die Brillenträger, die sich wegen ihrer Brille schämten. In den letzten Jahren aber ließen sich sogar Menschen Brillen mit Glas anfertigen, nur damit sie „im Trend“ waren. Schämen muss sich also keiner, nur weil er eine Brille oder ein Hörgerät benötigt. Zudem gibt es mittlerweile eine große Vielfalt an Hörgeräten, die so gut wie nicht sichtbar sind. Vor allem die Im-Ohr-Hörgeräte werden von dem Gegenüber nicht erkannt, da sie im Ohr sind und somit selbst bei kurzen Haaren nur bei genauem Hinsehen entdeckt werden.

Welche Arten von Hörgeräten gibt es?

Alle Hörgeräte arbeiten im Grund nach dem gleichen Prinzip. Das Hörgerät nimmt die Umgebungsgeräusche auf, verarbeitet sie und gibt sie dann verstärkt an das Ohr weiter. Dabei sind verschiedene Typen der Hörgeräte erhältlich, die individuell auf jede Hörschädigung angepasst sind.

Im-Ohr-Hörgeräte

Die Im-Ohr-Hörgeräte werden wie ein Ohrstöpsel im Gehörgang platziert und sind somit für andere Personen nicht sichtbar. Dabei befinden sich alle Bauteile in einer kleinen Schale, die im Ohr ist. Die Hörgeräte unterscheiden sich dabei nur durch ihre Größe und Leistungsfähigkeit. Doch auch die Bauart und der Sitz sind entscheidend. Damit das Hörgerät auch optimal sitzt, wird ein Abdruck des Gehörgangs genommen. Danach wird die Schale individuell angepasst, damit der Tragekomfort hoch ist. Die Im-Ohr-Hörgeräte sind dabei äußerst dezent, nutzen die Ohrmuschel, damit ein natürlicher Schall entsteht. Diese Art der Hörgeräte sind jedoch nur für leichte bis mittelgradige Einschränkungen des Hörens geeignet.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte

Weiterhin sind Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte erhältlich. Diese Geräte sind äußerst leistungsfähig, werden aber hinter dem Ohr getragen. Somit sind sie auch sichtbar. Allerdings zeichnen sie sich nicht nur durch ihre Robustheit, sondern auch durch ihre Leistungsstärke aus. Zudem gibt es spezielle Modelle, die für Sportler sehr gut geeignet sind. Da einige Modelle auch wasser- und schweißabweisend sind, können diese auch beim Schwimmen problemlos getragen werden. Die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte, auch HdO-Geräte genannt, bieten zudem noch weitere Vorteile. Sie können drahtlos mit dem Fernseher oder Radio verbunden werden, sodass man immer bestens hören kann. Die HdO-Geräte eignen sich für jede Art der Höreinschränkung und punkten außerdem durch den sehr hohen Tragekomfort.

Hörgeräte werden immer moderner

Vor Jahren war noch nicht daran zu denken, dass Hörgeräte mit Fernseher oder Radio oder gar mit dem Smartphone verbunden werden können. Dies hat sich in den letzten Jahren jedoch deutlich geändert. Mittlerweile bieten die modernen Hörgeräte sogar eine Verbindung zum Smartphone, sodass man per Bluetooth die Klangqualität wie auch das Sprachverstehen signifikant verbessern kann. Dabei ist es nicht nur möglich, die störenden Nebengeräusche herauszufiltern, sondern auch die Qualität sowie die Lautstärke werden verbessert. Zudem gibt es in der Zwischenzeit auch verschiedene Apps für das Handy, mit denen das Hörgerät einfach und problemlos per Smartphone gesteuert werden kann. Allerdings sind dies schon Premium Hightech Geräte der besonderen Art, die wohl in den nächsten Jahren zum Standard gehören könnten.

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Diagnosekürzel

L40

Im ICD-10 Diagnoseschlüssel steht L40 für Psoriasis, zu deutsch Schuppenflechte.
Unter L40 bis L45 werden im Diagnoseschlüssel ICD-10 Papulosquamöse Hautkrankheiten (Hautveränderungen, die durch Knötchen und Schuppen gekennzeichnet sind) zusammengefasst. L40 ist das Diagnosekürzel für Psoriasis (Schuppenflechte).

L40: Psoriasis

Bei einer Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt, funktioniert häufig dein körpereigenes Abwehrsystem nicht richtig. Das ist meist angeboren. Manchmal wird die Schuppenflechte durch Kontakt mit Erregern oder durch Hautverletzungen ausgelöst. Dein Körper bildet dann in kurzer Zeit übermäßig viel neue Haut. Außerdem entzündet sich deine Haut. Die betroffenen Stellen werden rot und schuppen sehr stark.

Schuppenflechte kann lebenslang bestehen bleiben und kann auch seelische Auswirkungen haben. Zum Beispiel können Stress oder bestimmte Medikamente die Erkrankung verschlimmern. Lies mehr über Ursachen und Therapie von Psoriasis.

L40.0 Psoriasis vulgaris

Die Gemeine Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis vulgaris genannt, ist die häufigste Form der Psoriasis. Sie macht sich bemerkbar durch kleine, entzündlich gerötete Hautstellen (Plaques) mit silbriger Schuppung an deinen Knien, Ellbogen, am Kopf und/oder am Genital- und Analbereich.

L40.1 Generalisierte Psoriasis pustulosa

Diese schwer entzündliche Form der Schuppenflechte zeigt sich durch große, gelbliche Pusteln (Eiterbläschen), die aufbrechen, wieder eintrocknen und zu Schuppen, Krusten, Rissen, Juckreiz und kleineren Blutungen führen. Generalisiert heißt über deinen gesamten Körper verbreitet.

L40.2 Acrodermatitis continua suppurativa

Acrodermatitis continua suppurativa, auch Morbus Hallopeau genannt, beginnt mit geröteten, schuppenden Herden an deinen Fingern und Zehen, auf denen sich Pusteln (Eiterbläschen) bilden. Deine Nägel können sich verdicken und gelb aussehen.

Diese Art der Schuppenflechte breitet sich in der Regel langsam aus. Austrocknende Pusteln können hellrote, glasige und sehr schmerzhafte Hautveränderungen an deinen Fingern und Zehen hinterlassen.

L40.3 Psoriasis pustulosa palmoplantaris

Bei der Psoriasis pustulosa palmoplantaris, auch Psoriasis pustulosa Typ Barber-Königsbeck genannt, bilden sich oft innerhalb weniger Stunden kleine gelbe Pusteln an deinen Handtellern und Fußsohlen. Ihr meist gelblicher Inhalt ist nicht infektiös.

L40.4 Psoriasis guttata

Die kleinen, roten und schuppigen Herde bei Psoriasis guttata sind tropfenförmig. Wie bei der Psoriasis punctata können sie am ganzen Körper vorkommen und treten häufig bei Kindern oder jungen Erwachsenen auf.

L40.5 Psoriasis-Arthropathie

Die Kombination von Schuppenflechte und Gelenkentzündung nennen Mediziner Psoriasis-Arthropathie oder Psoriasisarthritis (PsA). Symptome sind Gelenk- und Kreuzschmerzen, Sehnen- und Muskelschmerzen sowie geschwollene Gelenke, die gerötet und heiß sein können, druckempfindlich und sehr schmerzhaft.

L40.7 Schweregrad der Psoriasis

Der ärztliche Bewertungsindex für den Schweregrad der Psoriasis heißt PASI. Lies mehr über PASI und die Bewertungskriterien.

L40.8 Sonstige Psoriasis

Inkl.: Psoriasis inversa

Schuppenflechte in deinen Körperfalten (Psoriasis inversa) tritt hauptsächlich in deinen Achselhöhlen, den Leisten, dem Nabel, den Zehenspalten, den Kniekehlen, in der Unterbrustfalte, Gesäßspalte, dem Genitalbereich oder in Hautfalten auf, wenn du stark übergewichtig bist. Die Psoriasis inversa-Herde sind flach, rot, entzündet, aber schuppenlos.

L40.9 Psoriasis, nicht näher bezeichnet

Die Bezeichnung „nicht näher bezeichnet” wird im ICD-10 Diagnoseschlüssel verwendet, wenn eine Krankheit nur mit ihrem Oberbegriff, wie hier „Psoriasis”, beschrieben ist. Und/oder wenn eine weitere Einteilung nach den Klassifikationskriterien der ICD-10 an entsprechender Stelle nicht möglich ist.

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Diagnosekürzel

G56

Im ICD-10 Diagnoseschlüssel steht G56 für Mononeuropathien der oberen Extremität.
Unter G50-G59 werden im Diagnoseschlüssel ICD-10 Krankheiten von Nerven, Nervenwurzeln und Nervenplexus (Nervengeflechte) zusammengefasst. G56 steht für Mononeuropathien der oberen Extremität. Das bedeutet, dass ein Nerv an deinem Arm geschädigt wurde.

G56: Mononeuropathien der oberen Extremität

Zu deiner oberen Extremitätr gehören dein Schultergürtel mit Schulterblatt (Scapula) und Schlüsselbein (Clavikula), dein Arm mit Oberarm (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius) sowie deine Handwurzelknochen (Carpus) und deine Hand samt Mittelhand (Metacarpus) und Fingern (Digiti).

Der Druck auf einen einzelnen Nerv des peripheren Nervensystems (Gehirn und Rückenmark also ausgenommen) über einen längeren Zeitraum ist die häufigste Ursache der sogenannten Mononeuropathie. Im betroffenen Bereich kann es dann zu Kribbeln, Prickeln oder Taubheit kommen und auch zur Schwächung des betroffenen Muskels.

G56.0 Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom ist die Durchtrittsstelle für den Mittelhandnerv an deinem Handgelenk verengt.

Der Karpaltunnel ist ein durch Knochen und Bänder gebildeter tunnelartiger Durchgang an deinem Handgelenk auf der Seite der Handfläche. Durch den Karpaltunnel ziehen die Sehnen einiger deiner Fingermuskeln und der Mittelhandnerv (Nervus medianus). Mit diesem Nerv kannst du deinen Daumen bewegen und deine Finger beugen. Außerdem ist der Nerv für das Gespür an deinem Daumen, am Zeigefinger und am Mittelfinger verantwortlich. Wenn der Karpaltunnel an deinem Handgelenk eingeengt ist, wird der Mittelhandnerv im Karpaltunnel abgedrückt. Das kann zu Schmerzen, Kribbeln oder zu einem tauben Gefühl an deiner Hand führen. Die Beschwerden treten häufig nachts auf. Es kann außerdem sein, dass du deine Finger nicht mehr so gut bewegen kannst. Lies mehr zu Ursachen und Therapie des Karpaltunnelsyndroms.

G56.1 Sonstige Läsionen des N. medianus

Der Nervus medianus, auch Mittelarmnerv genannt, verläuft von deiner Schulter bis in deine Hand. Mit dem Nervus medianus kannst du unter anderem deinen Daumen bewegen und deine Finger beugen. Außerdem ist der Mittelarmnerv für das Gespür am Daumen, am Zeigefinger und am Mittelfinger verantwortlich.

Der Nervus medianus kann durch Verletzungen oder durch Druck geschädigt werden. Die Schädigung kann dauerhaft oder vorübergehend sein. Bei Störungen der Funktion des Mittelarmnervs, sogenannte Läsionen, kann es unter anderem zu Schmerzen, einem Kribbeln oder einem tauben Gefühl an deiner Hand kommen. Es kann außerdem sein, dass die Beweglichkeit deiner Finger eingeschränkt ist.

G56.2 Läsion des N. ulnaris

Bei Störung der Funktion des Nerven im Ellenbogengelenksbereich, also einer Läsion des Nervus ulnaris, kann es zur Lähmung der Beugemuskulatur an deiner Hand und an deinen Fingern kommen. Außerdem sind auch Lähmungen an Fingerspreizern und Fingerschließern möglich. Es kann auch zu Taubheitsgefühlen oder Missempfindungen an deinem Ring- und Kleinfinger, Kleinfingerballen sowie an deinem ellenseitigen Unterarm kommen

G56.3 Läsion des N. radialis

Der Nervus radialis, auch als Speichennerv bezeichnet, verläuft durch die untere Seite des Knochens in deinem Oberarm. Länger andauernder Druck auf den Nervus radialis verursacht die sogenannte Radialislähmung, auch als Samstagnacht-Lähmung bezeichnet. Das kommt daher, weil die Radialislähmung oft auftritt, wenn du viel Alkohol getrunken hast (insbesondere am Wochenende) und dann mit einem Arm über der Bar oder der Stuhllehne fest einschläfst. Auch wenn zum Beispiel Krücken falsch eingestellt sind und auf die Innenseite deines Armes in der Achselhöhle drücken, kann es zu dieser Störung kommen.

Infolge des Nervenschadens am Speichennerv können dein Handgelenk und deine Finger so geschwächt sein, dass dein  Handgelenk herabhängt und deine Finger gekrümmt sind. Dies wird als Fallhand bezeichnet. In der Regel verschwindet die Störung, wenn der Druck aufgehoben wird.

G56.8 Sonstige Mononeuropathien der oberen Extremität

Unter sonstige Mononeuropathien der oberen Extremität fallen andere als unter G56.0-G56.9 aufgeführte Mononeuropathien. Zum Beispiel das Interdigitale (Pseudo-)Neurom der Hände. Ein Neurom ist eine gutartige Wucherung von Nervengewebe. Als Pseudoneurom bezeichnen Mediziner eine Nervenschwellung. Interdigital bedeutet zwischen den Fingern.

G56.9 Mononeuropathie der oberen Extremität, nicht näher bezeichnet

Das Diagnosekürzel G56.9 für den Oberbegriff der Erkrankung Mononeuropathie der oberen Extremität verwendet dein Arzt, wenn eine weitere Unterteilung und Unterscheidung nach den ICD-10 Klassifikationskriterien an entsprechender Stelle nicht möglich ist.

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Diagnosekürzel

G43

Im ICD-10 Diagnoseschlüssel steht G43 für Migräne.
Unter G40-G47 werden im Diagnoseschlüssel ICD-10 episodische und paroxysmale (anfallsweise auftretende) Krankheiten des Nervensystems zusammengefasst. G43 steht für Migräne.

G43: Migräne

Exkl.: Kopfschmerz o. n. A. R51

Typisch für den Migräne-Kopfschmerz sind anfallsweise auftretende pulsierende Kopfschmerzen auf einer Seite des Kopfes. Die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität, hinzu können Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen kommen. Was hilft bei Migräne?

G43.0 Migräne ohne Aura

Bei einer Migräne ohne Aura beginnen die Migräne-Schmerzattacken ohne vorherige Wahrnehmungsstörungen.

G43.1 Migräne mit Aura

Inkl.: Migräneäquivalente
Migräne mit Aura ohne Kopfschmerz
Migräne basilär (Migräne des Basilaristyps)
Migräne familiär-hemiplegisch (vererbte Form einer Migräneart)
Migräne mit akut einsetzender Aura
Migräne mit prolongierter Aura (Migräne mit verlängerter Laufzeit)
Migräne mit typischer Aura

Bei der Migräne mit Aura, auch klassische Migräne genannt, hast du bestimmte Beschwerden, die die Migräne ankündigen. Möglicherweise siehst du dann schlechter oder du siehst Blitze vor den Augen. Vielleicht spürst du auch ein Taubheitsgefühl oder ein unangenehmes Kribbeln auf deiner Haut und kannst bestimmte Körperbereiche vorrübergehend nicht bewegen. Es ist auch möglich, dass du für kurze Zeit nicht sprechen kannst, schlechter hörst oder dir sehr schwindelig ist.

Diese Beschwerden können nicht nur vor der Migräne auftreten, sondern auch zeitgleich zu den Migräne-Kopfschmerzen. Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die eine Aura haben, ohne dass du danach eine Migräne hast. Eine Aura tritt generell nur für eine kurze Zeit auf und verschwindet dann wieder.

Migräneähnliche Störungen, sogenannte Migräneäquivalente, beziehen sich auf die viszeralen (die Eingeweide betreffenden) und die vegetativen (nicht dem Willen unterliegenden) Begleitmerkmale der Migräne. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Darmbewegungen und weitere unspezifische Symptome.

Lies mehr über die verschiedenen Migräne-Arten und ihre Symptome.

G43.2 Status migraenosus

Ein Status migraenosus liegt vor, wenn deine Migräne-Attacken länger als 72 Stunden dauern

G43.3 Komplizierte Migräne

Bei einer komplizierten Migräne halten bestimmte Migräne-Beschwerden länger an. Es kann bei einer komplizierten Migräne auch zu Krampfanfällen oder sogar zu einem Schlaganfall kommen.

G43.8 Sonstige Migräne

Inkl.: Ophthalmoplegische Migräne
Retinale Migräne

Migräne kann auch deine Sicht beeinträchtigen. Lies mehr zu den Ursachen von Ophthalmoplegischer Migräne und den Auswirkungen Retinaler Migräne.

G43.9 Migräne, nicht näher bezeichnet

Das Diagnosekürzel G43.9 für den Oberbegriff der Erkrankung Migräne verwendet dein Arzt, wenn eine weitere Unterteilung und Unterscheidung nach den ICD-10 Klassifikationskriterien an entsprechender Stelle nicht möglich ist.

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Gesundheitstipps

Kleine und große Verdauungshelfer für Kinder

Baby mit Verstopfung schreit.
Wenn die Kleinen schreien, kann dies an Verstopfung liegen. Doch was ist in einer solchen Situation zu tun?

Wie entsteht Verstopfung bei Kindern?

Stopfende Beikost-Zutaten oder stressiges Toilettentraining – eine Verstopfung bei Kindern kann viele Ursachen haben und ist gar nicht so selten. Die Gesellschaft für Pädiatrie, Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) gibt an, dass fünf Prozent aller Ein- bis Fünfjährigen unter chronischer Verstopfung leiden. Einer der frühesten Verursacher: Wenn du vom Stillen bzw. der Pre-Milch auf andere Lebensmittel umstellst, forderst du damit den Darm deines Babys zu Höchstleistungen heraus. Die Darmflora befindet sich während des ersten Lebensjahres noch in ihrer Entwicklung und muss sich an die Zusammensetzung von Gemüse, Obst und Fleisch erst gewöhnen. Gerade stopfende Lebensmittel im Beikost-Brei wie Karotte oder Banane können dann zu Verstopfungen führen. Dazu kommt: Wenn Babys nicht mehr voll gestillt werden, sondern vermehrt festere Nahrung zu sich nehmen, müssen sie zusätzlich trinken. Falls Tee und Wasser deinem Baby aber ungewohnt erscheinen, kann es mit Beikost-Start zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen.

Eine flüssigkeitsarme Ernährung in Kombination mit Lebensmitteln wie Schokolade und Weißbrot können auch im Kleinkindalter zu Verstopfung führen. Beim Übergang von der Windel zum Töpfchentraining tritt eventuell noch eine weitere Schwierigkeit auf: die erlernte Verstopfung. Ist der Stuhl hart und der Stuhlgang schmerzhaft, versuchen Kinder in der Regel aktiv, den Gang zur Toilette zu vermeiden und einzuhalten. Dadurch können sie die Verstopfung verstärken und ein Teufelskreis entsteht.

Was tun gegen Verstopfung bei Kindern?

Schon bei den Kleinsten gilt: Gegen Verstopfung kann ausreichend Flüssigkeit und eine gesunde Ernährung helfen. Falls dein Baby schon volle Breimahlzeiten zu sich nimmt, kannst du ihm zwischen den Mahlzeiten Wasser und ungesüßte Tees anbieten. Ein geeignetes Trinkgefäß kann hierbei die Lust auf Flüssiges steigern: Statt der Flasche darf es für Kinder ab sechs Monaten beispielsweise ein Trinklernbecher sein. Bei akuter Verstopfung hat es sich bewährt, lieber keine gekochten Karotten oder Bananen, sondern Vollkornbrei mit Pflaume oder Birne zu füttern.

Darüber hinaus können folgende Maßnahmen helfen:

  1. Windelhygiene kann Verstopfung beeinflussen
    Bei Babys wie bei Kleinkindern spielt auch die Windelhygiene eine große Rolle: Wenn der Po wund ist, kann der Stuhl schmerzhaft werden und das Kind zögert dann den Stuhlgang hinaus. Den Windelbereich solltest du bei Reizungen daher mit einer geeigneten Heilsalbe behandeln. 
  2. Ballaststoffe können Kleinkindern helfen
    Schon im Kleinkindalter ist eine ballaststoffreiche Ernährung in der Regel der Grundpfeiler einer guten Verdauung. Probiere statt Toast und Marmelade daher Vollkorn-Müsli, Vollkornbrot, frisches Gemüse, Obst und Trockenfrüchte auf den Speiseplan deines Kindes zu stellen. Und beachte bitte: Die Ballaststoffe können die Darmtätigkeit natürlich nur dann anregen, wenn dein Kind zusätzlich reichlich trinkt.
  3. Bewegung ist auch für Kinder wichtig
    Kinder jeder Altersstufe brauchen viel Bewegung, um ihre Verdauung auf Trab zu bringen. Das gilt selbst für Babys, die erst rollen oder krabbeln. Sorge deshalb für eine kindersichere Umgebung, in der dein Kind seinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen kann.
  4. Hausmittel gegen Verstopfung
    Es existieren zahlreiche Hausmittel, die einem trägen Darm unter Umständen helfen können. Dazu gehören:
    Leinsamen
    Flohsamenschalen
    Sauerkraut
    Weizenkleie
    Probiotika
    Wenn du dir unsicher bist, welches dieser Hausmittel das Richtige sein könnte, suche im Zweifelsfall immer einen Arzt auf.

Dürfen Kinder Abführmittel nehmen?

Medikamente solltest du deinem Kind nur nach Absprache mit dem Kinderarzt geben. Falls dein Säugling unter Verstopfung leidet, hilft eventuell ein Hebammen-Tipp: Das Fiebermessen im Rektum kann einen Darm-Entleerungs-Reflex auslösen. An dieses Hilfsmittel solltest du dein Baby jedoch nicht gewöhnen, damit es sich nicht die Fähigkeit zur selbstständigen Darmentleerung abtrainiert.

Als sanftes Hausmittel gegen Verstopfungen gilt Milchzucker, den du in der Drogerie oder in der Apotheke bekommst. Ein Teelöffel Milchzucker im Fläschchen oder im Brei kann einem trägen Darm auf die Sprünge helfen und eine akute Verstopfung lösen. Glycerin-Zäpfchen oder ein Mini-Klistier führen bei schmerzhaften Verstopfungen in der Regel zu einer reflexhaften Darm-Entleerung. Ihren Einsatz solltest du aber vorab mit deinem Kinderarzt absprechen.

Der Mediziner kann bei Bedarf auch Abführmittel mit dem Wirkstoff Polyethylenglycol verordnen. Polyethylenglycol bindet Wasser im Magen-Darmtrakt und das weicht den Stuhl auf. Da der Wirkstoff ausschließlich im Darmtrakt wirkt, geht er nicht in den Blutkreislauf über und wird vollständig wieder ausgeschieden. Pflanzliche Abführmittel wie Rhabarberwurzel, Faulbaumrinde oder Ähnliches solltest du bei Kindern dagegen nicht einsetzen.

Wann mit Verstopfung zum Kinderarzt?

Wenn eine Verstopfung länger anhält, solltest du dein Kind beim Kinderarzt vorstellen. Warnzeichen bei Babys und Kleinkindern sind außerdem der aufgetriebene Bauch, Abgeschlagenheit und mangelnde Gewichtszunahme. Ein Kinderarzt kann feststellen, ob hinter den Verdauungsproblemen deines Kindes eventuell eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergien stecken, zum Beispiel die Unverträglichkeit gegenüber Kuhmilch. Falls es sich um eine vorübergehende Darmträgheit handelt, kann der Arzt dir geeignete Abführmittel verordnen und dich anweisen, auf welche Symptome du bei deinem Kind achten solltest.

Wird eine Verstopfung von weiteren, akuten Symptomen begleitet, können auch ernste Erkrankungen dahinterstecken. Leidet dein Kind unter kolikartigen Bauchkrämpfen und erbricht sich, liegt unter Umständen ein Darmverschluss vor, der sofort behandlungsbedürftig ist. In diesem Fall solltest du sofort einen Arzt kontaktieren oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses aufsuchen.

Bei Verstopfung wachsam bleiben und vorbeugen

Eine Verstopfung lässt jeden Betroffenen leiden – vor allem kleine Kinder, die ihre Beschwerden selbst noch nicht einordnen können. Wichtig für Eltern: Schaffe mit einer ballaststoffreichen Ernährung, kontinuierlichen Trinkangeboten und der Motivation zur Bewegung einen Lebensstil für dein Kind, der die Verdauung in Schwung hält und Verstopfungen vorbeugt. Auch ein entspanntes Töpfchentraining nach dem Windelalter kann dazu beitragen, dass Kleinkinder lernen, sich regelmäßig zu erleichtern.

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Gesundheitstipps

Medikamente richtig einnehmen

Arzt hält Tabletten in verschiedenen Größen in den Händen.
Damit Tabletten richtig wirken, solltest du den Beipackzettel aufmerksam lesen.

Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme

Damit deine Medikamente bestmöglich wirken und gut verträglich sind, solltest du auf den im Beipackzettel beschriebenen Einnahmezeitpunkt, die Häufigkeit der Einnahme sowie mögliche Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln achten. Welche Angaben im Beipackzettel du beachten solltest, liest du in unserem Beitrag Beipackzettel richtig lesen.

Tabletten solltest du in der Regel in aufrechter Sitzposition mit ausreichend Wasser einnehmen. Auf diese Weise rutscht alles besser und bleibt dir nicht im Hals stecken. Lies mehr Tipps damit Tabletten besser rutschen.

Bei bestimmten Medikamenten wie beispielsweise einigen Antibiotika ist es besonders wichtig, den richtigen Einnahmezeitpunkt zu beachten, um eine optimale und gleichmäßige Wirkstoffkonzentration in deinem Körper zu erreichen. Auch beim Abklingen deiner Symptome solltest du die von deinem Arzt vorgeschriebene Dauer der Behandlung unbedingt eingehalten. Denn setzt du die verordneten Medikamente einfach auf eigene Faust ab,  kann die Therapie ins Leere laufen, nicht anschlagen und wirkungslos bleiben.

Arzneien wie häufig einnehmen?

Wie häufig du deine Medikamente einnehmen musst, sagen dir dein Arzt oder Apotheker. Alles Wichtige dazu steht auch im Beipackzettel.

  • Einmal täglich: Das bedeutet, dass du das Arzneimittel jeden Tag immer zur gleichen Uhrzeit einnehmen solltest.
  • Zweimal täglich: Hier sollte die Medikamenten-Einnahme alle zwölf Stunden erfolgen, um den Wirkstoffspiegel in deinem Körper ausreichend hoch zu halten.
  • Dreimal täglich: Bei der Angabe dreimal täglich verabreichen, solltest du das Arzneimittel alle acht Stunden einnehmen. Bei der Wahl des tatsächlichen Einnahmezeitpunkts berücksichtige aber bitte deine Schlafenszeit, damit der Abstand von acht Stunden nicht überschritten wird.

Wann ist vor dem Essen?

Bei manchen Arzneimitteln musst du bei der Einnahme die Abhängigkeiten von einer Mahlzeit beachten:

  • Unabhängig von einer Mahlzeit: Das bedeutet, dass du das Medikament vor, zu oder nach dem Essen einnehmen kannst.
  • Auf nüchternen Magen: Bei dieser Angabe solltest du das Arzneimittel 30 bis 60 Minuten vor dem Essen oder frühestens zwei Stunden nach dem Essen einnehmen.
  • Vor dem Essen: Das bedeutet, dass du das Arzneimittel 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit einnehmen solltest.
  • Zum Essen: Wenn du bestimmte Arzneimittel wie beispielsweise einige Schmerzmittel auf nüchternen Magen einnimmst, kann das Magenreizungen verursachen. Daher solltest du diese Medikamente während des Essens oder direkt danach einnehmen.
  • Nach dem Essen: Wenn Medikamente am besten wirken, wenn die Nahrung deinen Magen bereits verlassen hat, dann solltest du die Arzneimittel zwei Stunden nach dem Essen einnehmen.

Zu welcher Tageszeit Medikamente einnehmen?

Bei einigen Wirkstoffen ist die Tageszeit wichtig, zu der du das Arzneimittel einnimmst. Denn viele Funktionen in deinem Körper wie beispielsweise die Arbeit deines Magen-Darm-Traktes und die deiner Nieren sowie deines Herz-Kreislauf-Systems richten sich nach deinem natürlichen Körperrhythmus.

  • Morgens einnehmen: Früh am Morgen eingenommen wirken in der Regel Schilddrüsenhormone und Kortisonpräparate am besten.
  • Abends einnehmen: Einige Rheumamittel sind abends besser verträglich. Manche Antidepressiva solltest du wegen ihrer sedierenden (schlaffördernden) Wirkung eher am Abend einnehmen.

Dürfen Tabletten geteilt werden?

Grundsätzlich solltest du Tabletten nur dann zerteilen, wenn dies laut Packungsbeilage möglich ist. Viele Tabletten besitzen für diesen Fall eine speziell dafür vorgesehene Bruchkerbe. Wenn in der Packungsbeilage nicht steht, ob eine Teilung möglich ist, solltest du die Tablette nur nach Rücksprache mit deinem Arzt oder Apotheker halbieren oder vierteln.

Wenn du Tabletten zerteilst, solltest du darauf achten, dass du gleich große Stücke erhältst. Denn nur so enthält jeder Anteil die gleiche Menge an Wirkstoff. Ein so genannter Tablettenteiler hilft dir dabei, dass alles klappt.

Folgende Arzneiformen solltest du auf keinen Fall ohne Rücksprache mit deinem Arzt oder Apotheker zerteilen:

  • Filmtabletten: Filmtabletten haben einen Überzug, der den Wirkstoff vor deiner Magensäure schützt. Der Wirkstoff wird dann erst in deinem Darm freigesetzt. Damit das reibungslos funktioniert, solltest du Filmtabletten nicht zerbrechen, sondern im Ganzen schlucken.
  • Retardtabletten und Retardkapseln: Bei diesen Arzneiformen geschieht die Wirkstofffreisetzung verzögert oder verlangsamt. Damit kann auch bei einer nur einmal täglichen Einnahme ein bestimmter Wirkstoffspiegel in deinem Blut aufrechterhalten bleiben. Würdest du die Retardtablette vor dem Einnehmen teilen oder eine Retardkapsel öffnen, so würde sich der gesamte Wirkstoff in deinem Körper auf einen Schlag freisetzen. Das kann zu einer Überdosierung des Wirkstoffes führen.

Wechselwirkungen von Arzneimitteln mit Nahrungsmitteln

Viele Medikamente vertragen sich nicht mit bestimmten Nahrungsmitteln. Hierbei kann es zu einer zeitversetzten Aufnahme des Wirkstoffes (Resorption) kommen oder zu einer Änderung des Wirkmechanismus der Arznei. Von einer zeitversetzten Aufnahme des Wirkstoffes sind vor allem Wirkstoffe betroffen, die in deinem Darm aufgenommen werden. Denn die durch die Nahrung entleert sich dein Magen verzögert. Diesen Mechanismus gibt es beispielsweise bei dem Wirkstoff Paracetamol, der in Schmerz- und Fiebermitteln enthalten ist.

Bei einer Kurzzeittherapie wie bei Kopfschmerzen ist die Geschwindigkeit der Wirkstoffaufnahme wichtig. Bei Langzeittherapien spielt dagegen eher die Gewährleistung einer konstanten und ausreichenden Wirkstoff-Konzentration eine Rolle.

Folgende Nahrungs- und Arzneimittel solltest du nicht zusammen einnehmen:

  • Alkohol: Alkohol wird ebenso wie viele Arzneimittel in deiner Leber abgebaut. Wenn du gleichzeitig bestimmte Antibiotika mit den Wirkstoffen Cephalosporine und Metronidazol sowie Mittel gegen Pilzinfektionen mit den Wirkstoffen Ketoconazol und Griseofulvin einnimmst, kann das zu einer höheren Wirkstoffkonzentration im Organismus und einer verstärkten bzw. verlängerten Wirkung führen. Auch die Kombination von Alkohol mit Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva solltest du vermeiden. Denn hierdurch können die dämpfende Wirkung und die Nebenwirkungen erheblich verstärkt werden. Bei der Einnahme von Arzneimitteln solltest du generell konsequent auf Alkohol verzichten.
  • Kaffee, Tee: Eisentabletten solltest du nicht gemeinsam mit Kaffee oder Tee einnehmen. Denn Kaffee und Tee enthalten Gerbsäure. Diese bindet in deinem Magen an das eingenommene Eisen und verhindert dadurch dessen Aufnahme im Körper. Orangensaft hingegen kann eine bessere Resorption unterstützen.
  • Grapefruitsaft: Grapefruits enthalten bestimmte Stoffe, die den Abbau vieler Arzneimittel in der Leber hemmen. Auf diese Weise kann die Wirkstoffkonzentration um das Dreifache gesteigert werden, was eine starke Überdosierung zur Folge haben kann. Grapefruitsaft daher niemals zusammen mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln aus der Gruppe der Kalziumantagonisten einnehmen. Auch cholesterinsenkenden Arzneien (Statine) und Arzneimittel, die dein köpereigenes Abwehrsystem hemmen (Immunsuppressiva) bitte nicht zusammen mit Grapefruitsaft einnehmen.
  • Milch: Das in der Milch enthaltene Calcium kann bei gleichzeitiger Einnahme mit einem Arzneimittel dessen Wirkung beeinflussen. Bestimmte Antibiotika und Bisphosphonate, also Mittel gegen Knochenschwund (Osteoporose), bilden zusammen mit Calcium schwerlösliche Verbindungen und können dadurch schlechter von deinem Körper aufgenommen werden.
  • Vitamin K-haltige Lebensmittel: Vitamin K spielt bei deiner Blutgerinnung eine wichtige Rolle. Es ist vor allem in grünem Gemüse (Brokkoli, Salat, Kohl, Spargel, Spinat, Erbsen, Bohnen) sowie in Eiern enthalten. Die Wirkung von blutverdünnenden Arzneimitteln, die beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder bei Thromboserisiko (Gefahr für die Verstopfung eines Blutgefäßes durch die Bildung eines Blutgerinnsels) angewendet werden, können durch Vitamin K-hältige Lebensmittel verringert werden. Das gilt nicht allerdings nicht für Heparine.
  • Lakritze: Lakritze kann bei Einnahme mit harntreibenden Arzneimitteln (Diuretika) den Kaliumverlust erhöhen und dadurch die Nebenwirkungen verstärken. Das kann zu Muskelschwäche, Müdigkeit oder Herzrhythmusstörungen führen. Lies mehr über die Ursachen von Herzrhythmusstörungen.
  • Salami, Käse, Sauerkraut und weiße Bohnen: Das darin enthaltene Eiweißprodukt Tyramin, das in deinem Körper gewöhnlich durch das Enzym Monoaminooxidase abgebaut wird, kann während der Einnahme bestimmter Antidepressiva (Monoaminooxidase-Hemmer) nicht abgebaut werden. Erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen und schlimmstenfalls Hirnblutungen können die Folge davon sein. Lies mehr über die Ursachen von Kopfschmerzen und erhalte Infos zur Therapie von Bluthochdruck.

Achte bei der Einnahme von Arzneimitteln bitte immer auf die Hinweise in der Packungsbeilage, um Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungsmitteln zu vermeiden. Bei Fragen wende dich an deinen Arzt oder Apotheker. Weitere Infos zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln liest du bei uns.

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Interviews

Brauchst du Hilfe?

Frau mit Depressionen steht am Strand und blickt in dunkle Wolken mit Sonnenuntergang.
Jede dunkle Wolke hat einen hellen Rand. Wirf dein Leben nicht weg und verzweifele nicht an deiner Situation. Es gibt Menschen, die dir zuhören und helfen können.

Kostenfreie Notfalltelefone

Du hast das Gefühl, es geht nicht mehr und dein Leben macht keinen Sinn mehr? Du verkriechst dich, du hast Angst vor dem nächsten Tag, den nächsten Stunden, vor einer ungewissen Zukunft… Deiner Familie und deinen Freunden kannst oder möchtest du dich nicht anvertrauen. Du fühlst dich unendlich hilflos und allein? Bitte gib nicht auf und such dir professionelle Hilfe. Das kann bei deinem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten sein, in vielen Städten gibt es auch Krankenhäuser mit Krisen- oder Depressionsambulanzen. Dort bekommst du Unterstützung und Hilfe. Du kannst lernen, mit deiner Situation umzugehen. Glaub an dich.

Bei konkreten Suizidgedanken kannst du auch den Notarzt unter Tel. 112 anrufen. Er holt dich ab und begleitet dich in eine Klinik, wo du weitere Hilfe durch Ärzte und Therapeuten erhältst. Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst bietet dir unter Tel. 116117 Hilfe an.

Im Fall von häuslicher Gewalt kann oft auch das Amt für Kinder, Jugend und Familie weiterhelfen.



Ebenso gibt es an bundesweiten kostenfreien Notfalltelefonen professionell geschulte, verständnisvolle und liebe Menschen, die dir helfen, die dich verstehen, die dir Trost spenden können und denen du all deine Sorgen und Probleme anvertrauen kannst. Darüber reden hilft. Trau dich und hol dir Hilfe – die folgenden Notfall-Seelsorgenummern kannst du kostenfrei und anonym anrufen. Das heißt, du musst deinen Namen nicht sagen und deine Festnetz-Nummer ist für den Menschen am anderen Ende der Leitung nicht sichtbar. Beim Handy kannst du, wenn es dir wichtig ist, in den Einstellungen deine Nummer unterdrücken.

Wenn du nicht am Telefon über deine Sorgen sprechen kannst und möchtest und dir das Schreiben leichter fällt, bieten dir die Notfall-Seelsorgenummern auch Online-Beratungen per E-Mail und/oder Chat an.

Telefonseelsorge: Hilfe rund um die Uhr für jeden

Die TelefonSeelsorge® ist eine bundesweite Organisation und steht dir am Telefon, per Mail und Chat und auch in Telefonseelsorgestellen vor Ort kostenfrei an 24 Stunden pro Tag und an 365 Tagen im Jahr zur Seite. Telefonisch erreichst du die TelefonSeelsorge® unter den Nummern: 0800 111 0 111, 0800 11 0 222 oder 116 123. Per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de. Weitere Informationen, auch über die Erreichbarkeit aus dem Ausland und über Internationale Hilfestellen, erhältst du auf der Webseite der Telefonseelsorge.

Egal worüber du sprechen möchtest, um welchen Lebensbereich und welche Lebenskrise es sich handelt. Egal, wie groß oder vermeintlich klein deine Probleme sind und wie lange das Gespräch dauert – du erreichst am anderen Ende der Leitung jemanden, der dir zuhört. Und jedem, der die Nummer der TelefonSeelsorge® wählt, wird garantiert, dass er anonym bleibt.

Nummer gegen Kummer: Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern

Wenn du jemanden suchst, der dir in schwierigen Momenten helfen kann, der dir zuhört und deine Ängste und Probleme versteht, dann erreichst du das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der kostenfreien Tel-Nr. 116 111 oder unter 0800  111 0 333. Hier kannst du über Liebeskummer sprechen, über Probleme mit deinen Eltern, Schulprobleme, Mobbing, Depressionen, Essstörungen und alles, was dich bewegt. Auch sexueller Missbrauch oder Suizidgedanken können Thema sein. Doch bitte beachte, dass im Gespräch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern nur Infos zu weiterführenden professionellen Hilfen gegeben werden und keine verbindliche Rechtsberatung und keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung stattfinden.

Vielen Kindern- und Jugendlichen tut es gut, sich einmal alles von der Seele reden zu können, was sie bedrückt. Dass sie Ängste offen aussprechen können und „eine freundliche Stimme hören, ohne Vorurteile und Hass“, wie auf der Website zu lesen ist.

Das Elterntelefon des  Vereins „Nummer gegen Kummer e. V.“ für alle Fragen, Sorgen und Problemen mit deinem Kind ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr erreichbar unter der kostenfreien bundesweit einheitlichen Rufnummer 0800 111 0 550. Alle Anliegen von Eltern und Erziehenden werden vertraulich behandelt und du kannst dich darauf verlassen, dass die Rufnummer des Elterntelefons nicht unter den Einzelverbindungsnachweisen deiner Telefonrechnung aufgeführt ist.

Trauriges Mädchen sitzt am offenen Fenster und schaut in den Wald.
Wenn sich Mädchen und Frauen plötzlich verkriechen und mit niemandem mehr reden wollen, dann ist das manchmal ein stummer Hilferuf.

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für dich erreichbar ist das Hilfetelefon für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Die Nummer 08000 116 016 ist kostenfrei und anonym. Die Beratungen am Telefon, per Chat oder Mail sind auch durch Dolmetscher in anderen Sprachen möglich.

Hilflosigkeit, Angst, Verzweiflung, Zorn, Traurigkeit – was auch immer du in deiner ganz speziellen Situation fühlst, am Hilfetelefon kannst du mit den Beraterinnen darüber sprechen und auch Unterstützung in deiner Nähe erhalten. Beim Hilfetelefon erhältst du auch als unterstützende Personen Rat und Hilfe. Zum Beispiel, wenn du den Verdacht hast, dass deiner Freundin etwas Schlimmes passiert ist und du nicht weißt, wie du ihr helfen kannst. Oder wenn du hörst, dass deine Nachbarin von ihrem Partner geschlagen wird und du unsicher bist, ob du sie auf ihre blauen Flecken ansprechen sollst oder an wen du dich mit diesem Verdacht wenden sollst.

Das Hilfetelefon bietet außerdem Informationen und Unterstützung für Fachkräfte oder ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit dem Thema Gewalt gegen Frauen beruflich oder bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit konfrontiert werden. Das können zum Beispiel Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychotherapeuten, Gynäkologen, Ärzte oder Hebammen sein.

Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch

Unter der kostenfreien und anonymen Telefonnummer 0800 22 55 530 kümmern sich psychologisch, pädagogisch oder medizinisch ausgebildete Mitarbeiter um Betroffene von sexueller Gewalt, um deren Angehörige sowie um Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern. Telefonsprechzeiten sind Mo., Mi., Fr.: 9.00 bis 14.00 Uhr
 sowie Di., Do.: 15.00 bis 20.00 Uhr.

Hier kannst du auch anrufen, wenn du einen Verdacht hast, dass jemand sexuell missbraucht wird, du aber unsicher bist was du tun sollst. Das bundesweite Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist außerdem ein Angebot an Fachkräfte, falls sie Fragen zu diesem Thema haben.

Es biete außerdem eine Datenbank mit Beratungsstellen, Notdiensten, therapeutischen und rechtlichen Angeboten in deiner Nähe.

Weißer Ring: Hilfe für Kriminalitätsopfer und ihre Angehörigen

Ob Handtaschendiebstahl, Wohnungseinbrüche, Körperverletzung, häusliche Gewalt oder Stalking – der WEISSE RING hilft Kriminalitätsopfern und ihren Angehörigen. Die Angebote reichen von menschlichem Beistand, persönlicher Betreuung, Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht bis hin zu Gewährung von Rechtsschutz und finanzielle Unterstützungen bei tatbedingten Notlagen. Eine telefonische Erstberatung kannst du täglich von 7-22 Uhr über die bundesweite und kostenfreie Notfallnummer 116 006 bekommen. Bei Bedarf wirst du an ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort vermittelt, auch eine Online-Beratung ist möglich.

Info-Telefon Depression

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Webseite nicht nur Informationen rund um das Thema Depressionen, sondern auch zahlreiche Adressen von Kliniken und Bereitschaftsdiensten, an die sich Menschen mit einer Depression in akuten Notsituationen wenden können. Für dich und deine Angehörigen gibt es außerdem unter der Nummer 0800 33 44 5 33 ein kostenfreies Info-Telefon. Hier könnt ihr euch Mo., Di., Do von 13-17 Uhr und Mi., Fr. von 8.30-12.30 Uhr über die Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten informieren und passende Anlaufstellen für dich finden.

Bitte beachte: Das Info-Telefon Depression stellt keinen Ersatz für eine Behandlung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten dar. In akuten Krisen wende dich bitte an deinen Arzt, die nächste psychiatrische Klinik oder bei akuten Suizidgedanken an den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

Chat-Angebote

Bei jedweder Art von Lebenskrisen und auswegslosen Situationen ist es hilfreich, über seine Sorgen und Nöte zu sprechen. Mit jemandem, der zuhört, das Erzählte ernst nimmt, eine neue Perspektive einbringt, Hilfe zur Selbsthilfe gibt und bei der Suche nach professioneller Hilfe unterstüzt. Neben den Gesprächen an Notfalltelefonen geht das auch Online in Chats oder im Austausch von E-Mails mit professionellen Beratern. Wo dieses Angebot möglich ist, haben wir im Text vermerkt. Bitte hab keine Scheu, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Es gibt Licht am Ende des Tunnels.

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Krankheiten

Karpaltunnelsyndrom

Handchirurgin überprüft den Sitz einer Bandage am Handgelenk eines Patienten.
Mit einer Bandage oder einer Nachtlagerungsschiene wird das Handgelenk beim Karpaltunnelsyndrom vorübergehend ruhig gestellt. Bei vielen Patienten tritt danach schon eine deutliche Besserung der Beschwerden ein.

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Wenn dir nachts eine Hand einschläft oder du morgens mit steifen Fingern aufwachst, dann sind das häufig die ersten Anzeichen für das sogenannten Karpaltunnelsyndroms (KTS). Hierbei handelt es sich um eine Einengung des Mittelhandnervs im Karpaltunnel. Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre, die sich im Bereich deiner Handwurzel befindet und durch die dein Mittelhandnerv mit den Beugesehnen deiner Finger verläuft.

Am Boden und an den beiden seitlichen Rändern wird der Karpaltunnel von Knochen gebildet, sein Dach ist ein straffes Band. Dieses Band ist für die Funktion deiner Hand nicht notwendig. Es wird jedoch bei der Therapie des Karpaltunnelsyndroms durch Operation durchtrennt, um dem eingeengten Mittelhandnerv wieder Freiraum zu geben. Kommt es durch falsche, einseitige Belastung oder als Folge eines Bruchs oder eines Tumors zu einer Schädigung deines Mittelhandnervs sind Gefühlsstörungen des Daumens, des Zeige- und des Mittelfingers, sowie eine Rückbildung der Muskulatur am Handballen die Folge. Das Karpaltunnelsyndrom tritt zumeist an der stärker belasteten Hand auf, kann aber auch beide Hände betreffen.

Karpaltunnelsyndrom Ursachen

Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom gibt es viele. Dein Sehnenscheidengewebe kann verdickt sein durch falsche Belastung und einseitige Haltung deines Handgelenks, zum Beispiel beim Radfahren, bei der Arbeit am Computer, bei Benutzung des Smartphones und beim Telefonieren. Auslöser für ein Karpaltunnelsyndrom können auch Tumore im Karpaltunnel sein.

Wenn du dir dein Handgelenk gebrochen hast und der Bruch in Fehlstellung verheilt ist, kann die Folge ein Karpaltunnelsyndrom sein. Hormonelle Veränderungen in deiner Schwangerschaft oder in deinen Wechseljahren können das Karpaltunnelsyndrom ebenso auslösen. Eine weitere Ursache des Karpaltunnelsyndroms können vermehrte Wassereinlagerungen infolge einer Schilddrüsenfunktionsstörung sein. Bei Menschen mit Krankheiten wie Diabetes mellitus und Rheumatische Arthritis tritt das Karpaltunnelsyndrom besonders häufig auf.

Karpaltunnelsyndrom Symptome

Wenn in deinen Händen der Mittelhandnerv im Karpaltunnel eingeklemmt ist, dann kann es zu Kribbeln und Taubheitsgefühl kommen. Zunächst tritt das vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden auf, später auch tagsüber. Im weiteren Verlauf kann es zu Schmerzen in der betroffenen Hand kommen, die bis zur Schulter ziehen können. Deine Finger fühlen sich geschwollen an, Auf- und Zuknöpfen von Kleidung bereitet dir zunehmend Probleme. Das Gefühl in deinen Fingern kann nachlassen bis zur völligen Taubheit von Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Auch der halbe Ringfinger ist häufig noch mitbetroffen. Am Ende des Karpaltunnelsyndroms stehen der Schwund deiner Daumenballenmuskulatur (erkennbar an einer kleinen Einbuchtung) und eine erhebliche Störung der Handbeweglichkeit.

Welcher Arzt hilft beim Karpaltunnelsyndrom?

Mit einem Karpaltunnelsyndrom gehst du zu einem Handchirurg. Handchirurgie ist ein Spezialgebiet von Fachärzten für Orthopädie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirurgie, Plastische Chirurgie/Ästhetische Chirurgie. Diese Fachärzte absolvierten nach ihrer Facharztausbildung noch 36 Monate lang eine Weiterbildung in Handchirurgie.

Karpaltunnelsyndrom Untersuchung

Besteht bei dir der Verdacht auf knöcherne Veränderungen wie etwa ein falsch zusammengewachsenes Handgelenk nach einem Bruch, kann eine Röntgenaufnahme Klarheit über diese Art von Verursacher des Karpaltunnelsyndroms bringen.

Mithilfe von verschiedenen Funktionstests kann sich der Handchirurg ein Bild von deiner Handgesundheit machen.

Beim Hofmann-Tinel-Zeichen klopft der Arzt mit einem sogenannten Reflexhammer auf den Mittelhandnerv an deinem Handgelenk. Spürst du einen elektrisierenden Schmerz und ein Prickeln, sind das für deinen Handchirurgen erste Anzeichen für das Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms. Beim Phalen-Zeichen spürst du die Symptome des Karpaltunnelsyndroms, wenn deine betroffene Hand kräftig für eine Minute nach vorne gebeugt wird. Beim Flaschenzeichen prüft dein Handchirurg, ob du eine Flasche umfassen kannst. Bei Lähmung deiner Daumenballenmuskulatur durch das Karpaltunnelsyndrom wäre das nicht mehr möglich.

Karpaltunnelsyndrom feststellen: neurologische Untersuchungen

Um die Diagnose Karpaltunnelsyndrom zu sichern nutzt dein Handchirurg neurologische Untersuchungen. Bei der sogenannten Elektroneurografie (ENG) wird deine Nervenleitfähigkeit gemessen, also die Geschwindigkeit, mit der deine Nerven elektrische Signale weiterleiten. Bei Schädigung eines Nervs wie beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zur Verlangsamung oder Blockade von Nervenimpulsen. Für die Messung deiner Nervenleitfähigkeit bekommst du Elektroden an bestimmten Punkten auf deine Haut aufgeklebt. Über diese wird der Handnerv elektrisch stimuliert. Bei der motorischen Neurografie werden zwei Elektroden auf deine gereinigte Haut an speziellen Punkten im Nervenverlauf platziert. Die dritte Elektrode, die sogenannte Ableitungselektrode, wird über den zum Nerv gehörigen Muskel geklebt. Der Nerv wird nun mit einem schwachen, sehr kurzen Stromimpuls stimuliert. Dieser Reiz wird vom Nerv an den Muskel weitergeleitet. Über die Ableitungselektrode kann die folgende Muskelkontraktion registriert werden. Die Zeit zwischen Nervenreizung und Muskelkontraktion wird gemessen. Aus der Differenz zwischen den Leitungszeiten und der Strecke zwischen den beiden Elektroden, die den Nerv stimulierten, errechnet ein Computer die Nervenleitgeschwindigkeit.

Bei der sensorischen Neurografie wird die sensorische Nervenleitgeschwindigkeit des Mittelhandnervs gemessen. Dazu werden die Elektroden, die den Nerv reizen, an deinem Finger platziert. Die Ableitungselektrode befindet sich direkt über dem Mittelhandnerv. Die Haut deiner Finger wird durch die elektrische Reizung nun mehrfach stimuliert. Über die Ableitungselektrode wird der Reiz gemessen, der weitergegeben wird. Die Nervenleitgeschwindigkeit errechnet sich hier anhand der gemessenen Weiterleitungsgeschwindigkeit und der Entfernung der beiden Elektroden.

Die Untersuchung mit Elektroneurografie ist häufig etwas unangenehm, da die elektrische Stimulation deiner Nerven Muskelzuckungen verursacht. Der Schmerz ist in den meisten Fällen hingegen erträglich.

Was tun bei Karpaltunnelsyndrom?

Wird bei dir das Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert, bekommst du in der Regel zunächst eine Nachtlagerungsschiene. Mit ihr wird dein Handgelenk vorübergehend ruhig gestellt. Bei vielen Patienten tritt danach schon eine deutliche Besserung der Beschwerden ein.

Medikamente zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac wirken bei der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms entzündungshemmend und schmerzlindernd. Aber beachte bitte: NSAR schwächen die Wirkung aller blutdrucksenkenden Medikamente. Die Wirkung von Diuretika, also harntreibenden Mitteln, kann ebenfalls durch NSAR vermindert werden. Verstärkt durch NSAR wird dagegen die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Mitteln. Als Nebenwirkungen der Behandlung mit NSAR können Blutungen aus der Schleimhaut von Magen und Darm auftreten.

Manchmal lässt sich das Karpaltunnelsyndrom auch mit Kortison behandeln. Das Kortison injiziert dein Handchirurg in den Karpaltunnel, damit das entzündete Gewebe der Sehnenscheide abschwillt.

Karpaltunnelsyndrom Operation

Um deinem im Karpaltunnel eingeklemmten Mittelhandnerv wieder Bewegungsfreiheit zu verschaffen und die Karpaltunnel-Beschwerden dauerhaft zu beseitigen, kann eine Operation nötig sein. Es gibt zwei gängige Verfahren, die meist ambulant und mit örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Bei beiden Verfahren wird das Dach des Karpaltunnels, also das straffe Band, was auf deinen Mittelhandnerv drückt, durchtrennt. Dieses Band wird für die Funktion deiner Hand nicht benötigt. Dieser Eingriff dauert in der Regel rund 20 Minuten und sorgt für eine Druckentlastung deines Mittelhandnervs.

Bei der offenen Operation wird ein etwa 3 Zentimeter langer Schnitt gesetzt. Zeitgleich kann das übermäßig ausgebildete Sehnengleitgewebe mit entfernt werden.

Technisch aufwändiger ist die endoskopische Operation, auch „Schlüsselloch-Methode“ genannt. Hier wird über ein oder zwei kleine Schnitte an deinem Handgelenk und in der hohlen Hand eine spezielle Sonde eingeführt. So kann dein Handchirurg die Operation beim Karpaltunnelsyndrom durch den Blick auf einen Bildschirm durchführen. Bei dieser Operations-Methode ist die Gefahr einer Nerven- oder Gefäßschädigung allerdings größer als bei der offenen Operation.

Rund 3-4 Wochen nach dem operativen Eingriff ist die Hand bei den meisten Patienten wieder voll belastbar. Schwer körperlich arbeitende Menschen können ihrer Tätigkeit etwa nach sechs Wochen wieder nachgehen. Sprich mit deinem Handchirurgen darüber, in welchem Ausmaß du deine operierte Hand belasten kannst.

Karpaltunnelsyndrom Heilungschancen

Die Heilungschancen beim Karpaltunnelsyndrom sind in der Regel sehr gut. Inwieweit sich dein Mittelhandnerv wieder erholt ist jedoch stark von dem Ausmaß und der Dauer seiner Schädigung abhängig. Die Schmerzen lassen nach einer Karpaltunnel-Operation meistens rasch nach. Bis die Taubheit deiner Finger oder deiner Hand abklingt kann es unter Umständen länger dauern. Nicht behandelt kann dein Mittelhandnerv für immer geschädigt werden.

Bei bestehenden Beschwerden solltest du daher umgehend einen Arzt aufzusuchen, um die Ursachen abklären zu lassen. Liegt ein Karpaltunnelsyndrom vor, ist es wichtig früh zu behandeln, damit dein Mittelhandnerv so wenig wie möglich geschädigt wird.

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Untersuchungen

Corona-Test-Dschungel: Behalte den Überblick

Corona-Schnelltests und Probenteströhrchen.
Schnelltests werden kostenfrei angeboten und liefern in ungefähr 15 Minuten Gewissheit: positiv oder negativ auf COVID getestet?

Corona-Testvarianten im Vergleich: von Labortests bis Heimtests

PCR-Tests, Speichel- und Gurgeltests, Antikörper-Labortests und Co. – mittlerweile gibt es zur Testung von COVID-19 unzählige Verfahren. Im Testvarianten-Dschungel herrscht häufig kaum Durchblick, denn Genauigkeit, Durchführung und Testdauer unterscheiden sich deutlich.

Grundsätzlich existieren zwei wesentliche Testvarianten, abhängig von ihrer Durchführung: Labortests und Heimtests. Die Verfahren im Labor werden als PCR- oder Antikörper-Tests angeboten. Hinzu kommen Schnelltests bzw. die Tests für den heimischen Gebrauch: Antigen-Schnelltest und Antikörper-Schnelltest.

Nachgewiesen wird die akute Corona-Infektion nicht bei allen Testverfahren. Dies geschieht nur beim PCR-Labortests sowie beim Antigen-Schnelltest. Wer einen Antikörper-Labortest durchführen lässt, kann damit eine überstandene bzw. fortgeschrittene Infektion auf Basis der Antikörpermenge im Blut (konkret die Antikörperarten IgM und IgG) nachweisen. Nach gleichem Prinzip funktionieren auch die Antikörper-Schnelltests (POC).

Wie wird die Probe entnommen?

Mittlerweile ist ein Schnelltest fast überall verfügbar. Teststellen und Apotheken bieten beispielsweise Antigen-Schnelltests, die sogenannten Bürgertests, an. Wer möchte, kann und sollte sich in Eigenregie zur Sicherheit auch zu Hause testen. Corona-Schnelltests für den Heimgebrauch gibt es vor allem in der Apotheke. Unabhängig von Wohnort und Öffnungszeiten auch bequem mit wenigen Klicks in der Online-Apotheke.

Die Probe beim Schnelltest in Eigenregie oder durch Labor-Profis wird abhängig vom Test in der Nase oder im Rachenraum entnommen. Wer einen Antikörper-Labortest macht, muss zur Blutentnahme. Hierbei genügt meist schon ein Piks in den Finger.

Wie wird getestet?

Die Testverfahren sehen ganz unterschiedlich aus. Beim PCR-Labortest wird die Probe durch Teststellen entnommen und ins Labor zur Auswertung geschickt. Zahlreiche Labore bieten die Testentnahme sogar direkt vor Ort an.

Die Entnahme der Probe und deren Auswertung erfolgen bei den Schnelltests unmittelbar vor Ort. Apotheken oder Testzentren haben dafür eigene Testkassetten.

Wie lange dauert die Ergebnisermittlung?

Wer beispielsweise bei der Frage ob es sich um Erkältung, Grippe oder Corona handelt rasche Sicherheit haben möchte, kann einen Schnelltest machen. Dessen Auswertung dauert häufig nur 15 bis 30 Minuten. Die Gewissheit, ob das Ergebnis positiv für Corona ausfällt oder nicht, gibt es auf Wunsch per Mail, SMS oder auf persönliche Nachfrage bei der Testentnahmestelle.

Deutlich zeitaufwendiger sind die Tests, welche in den Laboren stattfinden. Das Ergebnis von einem PCR-Labortest gibt es beispielsweise nach ca. 24 Stunden (abhängig vom Probeeingang im zuständigen Labor und der Bearbeitungskapazität). Den Befund erhalten Getestete per E-Mail.

Wie hoch ist die Zuverlässigkeit der Testverfahren?

Nicht jeder vermeintliche Schnelltest, der auf dem Markt ist, darf zur offiziellen Ergebnisermittlung genutzt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat eine Liste veröffentlicht, welche Tests die Vorgaben nach §1 Satz 1 Coronavirus-Testverordnung erfüllen. Diese Tests haben sich in der Praxis mit zuverlässigen Befunden bewährt.

Die zugelassenen Schnelltests durch das Bundesinstitut basieren auch auf Studien der WHO. Daraus geht hervor, dass die Schnelltestverfahren eine Treffsicherheit von mehr als 80% aufweisen. Bei den verschiedenen Testherstellern werden immer zwei Werte angegeben: Sensitivität und Spezifität. Was bedeutet das in der Praxis? Beide Zahlen lassen Rückschlüsse auf die Genauigkeit des Tests zu. Die Sensitivität drückt den Anteil der korrekt positiven Testresultate aus. Die Spezifität den Anteil der korrekt falschen Resultate. Bei der Testgenauigkeit spielen vor allem die Qualität des Tests und der Probeentnahme eine wesentliche Rolle. Wird die Probe beispielsweise nicht korrekt entnommen bzw. verarbeitet, kann das Ergebnis trotz hochqualitativen Testherstellermaterial fehlerhaft sein.

Spezielle Corona-Tests für Kinder

Für Kinder ist die Einführung des Teststäbchens in den Rachenraum oder die Nase häufig äußerst unangenehm. Deshalb gibt es für sie spezielle Testverfahren. Hierzu gehören die sogenannten Lolli-, Gurgel- oder Spucktests. Fast alle Testverfahren werden im Labor ausgewertet, bis auf den Spucktest.

So wird der Lolli-Test durchgeführt

Der Lolli-Test hat seinen Namen von der Art seiner Anwendung. Ein Wattestäbchen wird in den Mund eingeführt und Kinder lutschen daran zwischen 30 Sekunden und 90 Sekunden, ähnlich wie an einem Lolli. Die entnommene Speichelprobe wird gut verpackt und in das Labor zur Auswertung geschickt.

Mittlerweile setzen viele Schulen und Kindergärten auf dieses Testverfahren, denn es ist für den Nachwuchs deutlich leichter anzuwenden. Die Auswertung gibt es erfahrungsgemäß innerhalb von 24 Stunden; meist sogar vor Schulbeginn am nächsten Tag.

Corona-Labortest mit positivem Testergebnis.
Labortests liefern eine höhere Treffsicherheit bei COVID-Befunden, dauern aber auch länger.

Das macht den Gurgeltest aus

Vor allem in Bayern wurde der Gurgeltest vermehrt in Schulen angewendet. Hierbei dürfen Kinder etwa ein bis zwei Stunden vor dem eigentlichen Test nichts essen. Auch Zähneputzen oder Kaugummikauen sind in dieser Zeit tabu. Durchgeführt wird der Test meist morgens zu Hause. Dabei spucken Kinder in jeweils zwei Röhrchen. Ein Röhrchen bleibt zu Hause, eines wird mit in die Schule genommen und dort zur Auswertung in das Labor weitergeleitet. Jedoch werden alle Proben einer Gruppe (beispielsweise einer Klasse) miteinander vermischt und ins Labor zum Test gegeben. Dieses Testverfahren ist, wie der Lolli-Test, eine sogenannte Pooltestung. Damit sollen positive Befunde möglichst effizient und laborentlastend ausgewertet werden. Sobald ein Pooltest positiv ist, werden die einzelnen Kinder noch einmal getestet. 

Der Spucktest und seine Unterschiede

Eine besonders einfache Handhabung hat der Spucktest. Kinder sammeln Sekret im Mundraum und spucken es in eine Tüte. Dort wird es mit einer Pipette entnommen und in ein Röhrchen gegeben. Darin enthalten ist zusätzlich eine Pufferlösung, die das Testergebnis innerhalb von ca. 15 Minuten preisgibt.

Nachdem die Spucke zur Pufferlösung in das Röhrchen gegeben wurde, heißt es kräftig schütteln. Einige Tropfen Flüssigkeit kommen nun auf den Teststreifen und die Wartezeit beginnt. Das Ergebnis zeigt sich meist nach wenigen Minuten auf dem Teststreifen, ähnlich einem klassischen Schnelltest für Erwachsene.

Wird beim Spucktest ein positives Testergebnis angezeigt, erfolgt ein PCR-Labortest. Damit soll das Ergebnis verifiziert werden.

Warum ist die Eigentestung zu Hause sinnvoll?

Schnelltests gibt es vor allem online in Apotheken in großer Auswahl. Doch lohnt sich der Kauf eines Corona-Tests, wenn es doch kostenfreie Bürgertests gibt? Ja, denn viele Testzentren sind überlastet und vergeben häufig kaum spontan Termine. Wer einen Schnelltest benötigt, muss oft lange warten.

Um Sicherheit über den eigenen Gesundheitszustand zu erlangen, ist ein Schnelltest zu Hause durchaus sinnvoll. Wer sich beispielsweise unwohl fühlt und den Verdacht auf COVID hat, sollte sich und vor allem andere nicht unnötig in Gefahr bringen. Ein Schnelltest gibt erste Auskunft darüber, ob tatsächlich ein COVID-Verdacht vorliegt. Fällt der Schnelltest zu Hause positiv aus, sollte ein Termin bei der Teststelle für die Verifizierung ausgemacht werden.

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Therapien

Akupunktur

Auf docinsider registrierter Arzt mit Weiterbildung in Akupunktur setzt sieben Akupunkturnadeln in die Haut eines Patienten.
Bei der Nadelakupunktur werden feine Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte am Körper gepiekst.

Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist eine Heilmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Hierbei werden an bestimmten Körperstellen, die entlang von Energiebahnen (Meridianen) liegen, feine Nadeln in deine Haut gestochen. Die Meridiane beeinflussen nach den Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin deine Körperfunktionen. Es kommt zu Erkrankungen, wenn der Energiefluss gestört ist. Durch die Akupunktur soll das Energiegleichgewicht wiederhergestellt werden.

Bislang ist nach den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin zwar wissenschaftlich nicht abgesichert, dass Meridiane existieren. Auch existieren unterschiedliche Vorstellungen darüber, an welchen Stellen Akupunkturnadeln gesetzt werden sollen. Aber die Akupunktur ist eine auf Erfahrung basierende Behandlungsmethode – und das seit fast 3000 Jahren.

Wie funktioniert die Akupunktur?

Wenn Akupunkturnadeln gesetzt werden, entstehen Reize, die zu deinem Rückenmark weiter geleitet werden. Die Reize wirken dann auf dein Schmerzempfinden bzw. das Schmerzzentrum in deinem Gehirn. Je nach Akupunkturpunkt ist es möglich, Schmerzen zu reduzieren, dein vegetatives Nervensystem zu dämpfen oder dich zu entspannen. Das vegetative Nervensystem reguliert bestimmte Prozesse wie beispielsweise Blutdruck und Atemfrequenz in deinem Körper automatisch, ohne deine bewusste Mitwirkung.

Welche Formen der Akupunktur gibt es?

Die bekannteste Art der Akupunkturbehandlung ist wahrscheinlich die Nadelakupunktur, auch Körperakupunktur genannt. Bei dieser Akupunktur werden mit sehr feinen, ungefähr 0,2-0,3 mm dicken Nadeln bestimmte Akupunkturpunkte am Körper gereizt und aktiviert.

Ohrakupunktur nutzt Akupunkturnadeln am Ohr

Die Ohrakupunktur ist eine weitere Form der Akupunktur. Das Ohr stellt eine Reflexzone dar. Auf der gesamten Reflexzone sind alle Organe deines Körpers wie Orte auf einer Landkarte angeordnet. Einige Punkte dienen zur Behandlung entsprechender Körperbereiche, andere wirken auf deine Gehirnfunktion und können somit deine Schmerzverarbeitung positiv beeinflussen. Werden bestimmte Punkte durch Akupunkturnadeln am Ohr stimuliert, können also Störungen, Schmerzen und Erkrankungen in den entsprechenden Organen oder Körperteilen behandelt werden.

Triggerpunktakupunktur soll verhärtete Muskelfasern lösen

Bei der Triggerpunktakupunktur, die auch als „Dry Needling“ bezeichnet wird, werden sogenannte Triggerpunkte (Trigger ist das englische Wort für Auslöser) mit der Akupunkturnadel mehrfach angepiekst. Die Triggerpunkte sind verdickte, schmerzhafte und druckempfindliche Muskelfasern, in denen Entzündungen vorliegen. Schmerzen, die von diesen Punkten ausgehen, können tief in deinen Körper ausstrahlen und zum Beispiel zu Kopfschmerzen führen. Lies mehr über Ursachen und Behandlung von Kopfschmerzen.

Durch das mehrfache Anpieksen soll bei der Triggerpunktakupunktur der jeweilige Triggerpunkt, also die Muskelfaser, zur schnellen Kontraktion gebracht werden. Nach der Kontraktion erfolgt die Entspannung der Muskulatur und damit das Lösen der verhärteten Muskelfasern.

Akupunktur von Mikrosystemen

Die Akupunktur von Mikrosystemen setzt an den vielen kleinen Systemen deines Körpers an. Diese Mikrosysteme liegen zum Beispiel im Ohr, im Fuß, im Kopf, auf dem Nasenrücken, auf der Zunge, im Ellenbogenbereich oder in der Hand.

Laserakupunktur bei Nadelangst

Bei der Laserakupunktur werden Akupunkturpunkte durch Laserstrahlen (Softlaser) gereizt. Schmerzen entstehen dabei in der Regel nicht. Die Laserakupunktur eignet sich vor allem zur Behandlung empfindlicher Körperregionen, bei ausgeprägten Schwächezuständen des Patienten, bei Kindern und bei Menschen mit Angst vor Nadeln sowie Nadelstichen.

Schädelakupunktur nach Schlaganfällen

Als Yamamoto-Methode oder auch Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) wird die sogenannte Schädelakupunktur bezeichnet. Hierbei werden ausschließlich Punkte an deinem Kopf genadelt, beispielsweise an Stirn und Schläfen. Die Akupunkturpunkte am Kopf stehen in Verbindung mit bestimmten Abschnitten deines Körpers, sogenannten Somatotopen. Die zu behandelnden Punkte ermittelt dein Arzt durch eine spezielle Tast- und Druckdiagnostik an deinem Schädel, Bauch und Hals. Die Lage dieser Schläfenakupunkturpunkte unterscheidet sich teilweise stark von den Akupunkturpunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die Yamamoto Neue Schädelakupunktur wird bei akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt, zur Therapie von Lähmungen und Sprachstörungen nach Schlaganfällen sowie bei neurologischen Erkrankungen. Wann zum Neurologen?

Welche Behandler führen Akupunktur durch?

Die Akupunktur kann von Ärzten mit der Zusatzqualifikation Akupunktur durchgeführt werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Körperakupunktur bei chronischen Rückenschmerzen (chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule) und chronischen Kniegelenksschmerzen (Kniegelenksarthrose). Voraussetzung dafür ist, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen und die Akupunkturbehandlung von einem qualifizierten Arzt mit einer Kassenzulassung und der Zusatzbezeichnung Akupunktur sowie einer Abrechnungsbefugnis vorgenommen wird. In der Regel hast du Anspruch auf bis zu zehn Akupunktursitzungen pro Krankheitsfall, und zwar innerhalb von maximal sechs Wochen.

Wenn andere Krankheitsbilder und andere Schmerzerkrankungen behandelt werden sollen, kannst du zu einem kassen- oder privatärztlich tätigen Arzt gehen. In der Regel musst du dann die Akupunkturbehandlung als sogenannte IGEL-Leistung selber bezahlen. Willst du dich für solche ärztlichen Leistungen absichern, kannst du eine private Zusatzversicherung abschließen. Am besten du fragst bei deiner Krankenkasse und bei deiner Krankenzusatzversicherung vor Behandlungsbeginn nach, ob und in welchem Rahmen die Kosten für Akupunktur übernommen oder bezuschusst werden können.

Auch fachkundige Heilpraktiker bieten Akupunkturbehandlungen an. Hier musst du die Akupunktursitzungen allerdings aus eigener Tasche bezalen.

Bei welchen Erkrankungen und Beschwerden kann Akupunktur helfen?

Akupunktur kann helfen bei psychosomatischen Erkrankungen, neurologischen Krankheiten oder Beschwerden wie beispielsweise:

  • Kopfschmerzen. Hilfe bei Kopfschmerzen
  • Migräne. Was tun bei Migräne?
  • Zahnschmerzen
  • Raucherentwöhnung
  • Knie- und Lendenwirbelsäulenbeschwerden
  • Hüftbeschwerden
  • Schlaganfall
  • Schlafstörungen. Lies mehr zur Behandlung von Schlafstörungen
  • Allergien und Heuschnupfen. Was tun bei Heuschnupfen?
  • Asthma
  • Reizdarmsyndrom
  • Radikulärsyndrom: Wenn der Anfangsbereich eines Rückenmarksnerven gereizt oder geschädigt ist, kann es unter anderem zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche in den Körperregionen kommen, die dem betroffenen Rückenmarksnerv zugeordnet sind. Ursachen für ein Radikulärsyndrom können Entzündungen, Einblutungen oder Veränderungen an den Bandscheiben zwischen deinen Wirbeln sein.
  • Myofasziales Schmerzsyndrom (MSS): Unter dem myofaszialen Schmerzsyndrom werden Schmerzen verstanden, die von der Muskulatur ausgehen. Es kommt zu Muskelverhärtungen, die tastbar sind und als Triggerpunkte bezeichnet werden. An diesen Triggerpunkten setzt die Akupunktur an.
  • Morbus Sudeck: Der Dauerschmerz nach einer Verletzung hat viele Namen. Morbus Sudek, komplexes regionales Schmerzsyndrom, Sudeck Krankheit, Sudeck’sche Dystrophie, Sudeck-Dystrophie, Sudeck-Syndrom, Algodystrophie, Sympathalgie oder engl. Complex regional pain syndrome, kurz CRPS.
  • Fazialisparese: Eine Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist der medizinische Fachausdruck für eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisnerv).
  • Fibromyalgie: Das Fibromyalgiesyndrom ist eine chronische Schmerzerkrankung, bei der Schmerzen in verschiedenen Körperregionen auftreten. Diese sogenannten Faser-Muskel-Schmerzen können auf deiner Haut und auch in deinen Muskeln und Gelenken spürbar sein. Andere typische Beschwerden für Fibromyalgie sind Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Lies mehr zu Ursachen und Behandlung von Schlafstörungen.
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Wann Akupunktur besser nicht anwenden?

Bei Schwangerschaft solltest du Akupunktur nur nach Rücksprache mit deinem behandelnden Gynäkologen durchführen lassen. Auch bei Krebserkrankungen ist Vorsicht geboten. Du solltest auf jeden Fall vor Behandlungsbeginn mit deinem Arzt über die Möglichkeiten einer Akupunkturbehandlung sprechen. Zusammen könnt ihr entscheiden, ob die Akupunktur als Ergänzungstherapie für deine Beschwerden geeignet ist.

Ablauf der Akupunktur

Eine typische Nadelbehandlung dauert in der Regel 20-30 Minuten (Liegezeit). In dieser Zeit erhältst du an verschiedenen Punkten die Akupunkturnadeln gesetzt. Wie viele das sind und in welchem Körperbereich sie gesetzt werden, hängt von deinen individuellen Beschwerden ab. Bei vielen Behandlern kannst du ein eigenes Badetuch mitbringen, um dich darauf zu legen.

Auch Hören von Musik oder Hörbüchern und Lesen sind während der Akupunktursitzung bei einigen Behandlern möglich. Viele empfehlen jedoch die reine Entspannung während der Akupunkturbahndlung. Also einfach mal ohne Ablenkung ausruhen, nichts tun, schlafen, an etwas Schönes und Beruhigendes denken, träumen und die Seele baumeln lassen. Tue nach Absprache mit deinem Behandler einfach alles, was deinem Wohlbefinden und deiner Entspannung während der Akupunktur dient.

Ist die Liegezeit abgelaufen, werden dir die Nadeln wieder vorsichtig gezogen. Du kannst nach der Akupunktur sofort wieder Autofahren und – sofern es deine Beschwerden zulassen – auch wieder deinen normalen Tätigkeiten nachgehen. Dennoch solltest du nach der Akupunktur nicht mehr allzu große Aktivitäten einplanen. Denn häufig tritt nach der Akupunkturbehandlung ein Gefühl tiefer Entspannung oder auch Müdigkeit auf. Gibt dem Ruhebedürfnis deines Körpers nach, leg dich aufs Sofa oder ins Bett und lass die Selbstheilungskräften deines Körpers wirken.

Hat die Akupunktur Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen treten bei der Akupunktur in der Regel sehr selten auf. Voraussetzung dafür ist, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden um Infektionen zu vermeiden. Es kann vorkommen, dass dir durch einen Nadelstich schwarz vor Augen wird und beim Aufrichten schwindelig.  Das wird als Nadelkollaps bezeichnet. In diesen Fällen bleibst du bei deinen folgenden Akupunktur-Behandlungen in der Regel nach dem Nadelziehen und vor dem Aufstehen erst noch einen Moment liegen. Kleine, oberflächliche Blutergüsse können möglicherweise durch die Nadelstiche entstehen, wenn du Blutverdünner einnimmst.