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Fachbezeichnungen

FA Urologie

Urologe erklärt jungem Mann mit Prostataleiden die Diagnose auf dem Tablet.
Ein Facharzt für Urologie befasst sich mit Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Harnwege inklusive der Besonderheiten des männlichen Urogenitalsystems und der weiblichen Harnorgane.

Was ist ein Facharzt für Urologie?

Der Facharzt für Urologie, kurz Urologe, ist keinesfalls nur ein „Männerarzt“. Zwar befasst sich der Facharzt für Urologie auch mit Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane inklusive der Prostata, der Hoden, des Penis sowie mit Funktionsstörungen der männlichen Sexualorgane wie der Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) und der Impotenz, doch sein Aufgabengebiet umfasst vieles mehr.

Neben Infektionen wie Blasenentzündung, Steinleiden in den Harnwegen (Urolithiasis) und Funktionsstörungen der ableitenden Harnwege bei Mann und Frau sind Themen wie Inkontinenz, Blasenentleerungsstörungen und bösartige Erkrankungen der Niere, Blase, des Hodens, des Penis und der Prostata zentrale Arbeitsbereiche des Urologen. Was tun bei Blasenentzündung?

In der Krebsvorsorge ist der Urologe ebenfalls tätig. Das Screening auf bösartige Erkrankungen der Prostata (Prostata-Karzinom) wird in Deutschland für alle Männer ab 45 Jahren jährlich angeboten. Es beinhaltet das Abtasten der männlichen Geschlechtsorgane inklusive der Prostata. Die Bestimmung des PSA-Werts im Blut zählt nicht zur regulären Krebs-Früherkennung, wird aber bei Bedarf durchgeführt. Normalwerte für PSA.

Auch operative und minimalinvasive, endoskopische Diagnostiken und Therapien zählen zum Tätigkeitsgebiet des Facharztes für Urologie. Dies beinhaltet zum Beispiel die Versorgung von Verletzungen der Harnwege, die Entfernung bösartiger Tumoren der Harnwege, die Behebung von Harnabflussstörungen durch Harnsteine (Urolithiasis) und die Sterilisation des Mannes.

Ausbildung zum Facharzt für Urologie

Die Ausbildung zum Facharzt für Urologie schließt sich an ein abgeschlossenes Medizinstudium und den Erwerb der Befugnis zur Ausübung des Arztberufes (Approbation) an. Die Weiterbildung zum Urologen dauert in der Regel fünf Jahre. In dieser Zeit als Assistenzarzt lernt der angehende Urologe sein Tätigkeitsgebiet kennen und erwirbt die notwendigen Fähigkeiten zur Tätigkeit im Fachbereich der Urologie. Bis zu zwölf Monate der 60-monatigen Weiterbildungszeit können im ambulanten Bereich abgeleistet werden. Außerdem kann der Assistenzarzt bis zu zwölf Monate in der stationären Versorgung im Fachbereich der Chirurgie verbringen und diese Zeit auf seine Weiterbildungszeit anrechnen lassen.

Wo arbeitet ein Urologe?

Der Facharzt für Urologie kann sowohl im stationären Bereich, also in Krankenhäusern oder Hochschulkliniken, als auch im ambulanten Bereich zum Beispiel in Facharztpraxen tätig sein. Ein Urologe kann auch ambulant in einer Facharztpraxis arbeiten und zusätzlich zu bestimmten Zeiten operativ an Kliniken tätig sein. Auf diese Weise kann der Facharzt für Urologie trotz ambulanter Niederlassung auch im operativen Teil seines Fachgebiets praktizieren. Eine Anstellung in der medizinischen Forschung und Lehre ist für den Facharzt für Urologie ebenfalls möglich.

Wann gehst du zum Urologen?

Einen Termin beim Urologen kannst du mit einer Überweisung von deinem Hausarzt bekommen. Du kannst den Facharzt für Urologie aber auch direkt, also ohne Überweisung, aufsuchen.

Dein richtiger Ansprechpartner ist der Facharzt für Urologie, wenn es um Entzündungen (Infektionen) der Harnwege geht. Dazu zählen zum Beispiel:

Blasensteine, Nierensteine oder Steine im Harnleiter können quälende Schmerzen verursachen. Bei diesen Steinleiden (Urolithiasis) hilft der Facharzt für Urologie weiter.

Dir sind Veränderungen deines Urins aufgefallen? Verfärbungen, Änderungen in der Urinmenge oder Trübungen deines Urins können Hinweise auf Erkrankungen sein oder ganz harmlose Ursachen haben. Der Facharzt für Urologie kann die Urin-Veränderungen abklären.

Wenn du Schwierigkeiten beim Wasserlassen hast, Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie) oder deinen Urin nicht gut halten kannst, ist ein Besuch beim Urologen ratsam. Typische Beratungsanlässe sind:

  • Blasenentleerungsstörungen.
  • Probleme beim Wasserlassen zum Beispiel beim Mann im fortgeschrittenen Alter aufgrund einer Vergrößerung der Prostata (Benigne Prostatahyperplasie).
  • Inkontinenz-Problematiken mit unkontrollierbarem Harnverlust.

Du bist männlich, älter als 45 Jahre und warst noch nie beim Urologen? Ab einem Alter von 45 Jahren bieten Fachärzte für Urologie ein Krebsfrüherkennungsprogramm an, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Das sogenannte Prostatakrebs-Screening umfasst das Abtasten der Prostata und kann mittels weiterer Untersuchungsmethoden, die der Patient selbst zahlt, erweitert werden.

Auch bei Erektionsproblemen oder bei Fragen zur Fruchtbarkeit ist der Facharzt für Urologie der richtige Ansprechpartner. Dieses Teilgebiet der Urologie wird auch Andrologie (Männerheilkunde) genannt und umfasst beispielsweise:

  • Diagnostik und Behandlung von Erektionsstörungen wie der erektilen Dysfunktion.
  • Familienplanung und Sexualberatung des Mannes und des Paares.

Angeborene Fehlbildungen des Harntraktes oder durch Operationen-bedingte Veränderungen werden durch den Urologen betreut und beobachtet. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Versorgung eines Blasen-Dauerkatheters zur Urinableitung aus der Blase bei Kontinenzproblemen oder bei Personen mit Vorerkrankungen mit der Unfähigkeit des „normalen“ Wasserlassens.
  • Versorgung von alternativen Harnableitungen zum Beispiel nach Entfernung einer Niere oder der Blase.
  • Betreuung von Patienten mit angeborenen Harntrakt-Anomalien.

Auch angeborene Fehlbildungen und Probleme der männlichen Sexualorgane im Kindesalter behandelt der Urologe. Typische Beratungsanlässe sind:

  • Hodenhochstand beim Kind (Maldescensus testis) inklusive operativer Therapie.
  • Vorhautverengung (Phimose).
  • Leistenbruch (Leistenhernie) und Leistenhoden.
  • Krampfadern im Hodensack (Varikozele).

Der Urologe betreut und behandelt Patienten mit Krebs-Erkrankungen der Harnwege und der männlichen Geschlechtsorgane. Von der operativen Therapie bis hin zur Strahlentherapie, Chemotherapie sowie der medikamentösen und hormonellen Therapie: der Urologe plant, koordiniert und führt die Therapie der Krebserkrankung durch. Bösartige Erkrankungen der Harnwege und des männlichen Genitaltrakts sind beispielsweise:

  • Blasenkrebs (Harnblasen-Karzinom, Urothel-Karzinom).
  • Nierenkrebs (Nieren-Karzinom).
  • Prostata-Krebs (Prostata-Karzinom).
  • Hodentumore.

Notfälle, die der Facharzt für Urologie versorgt, sind unter anderem:

  • Akute Stieldrehung des Hodens (Hodentorsion).
  • Harnverhalt (Anurie).
  • Nierenkoliken oder Harnleiterkoliken aufgrund eines Steinleidens (Urolithiasis).

Untersuchungen beim FA Urologie

Der Facharzt für Urologie kann neben einer ausführlichen urologischen und Sexual-Anamnese (Aufnahme der medizinisch relevanten Informationen und der Vorgeschichte des Patienten) noch viele spezielle Untersuchungen durchführen. Um deine Harnwege und dein Urogenitalsystem zu untersuchen, können zum Einsatz kommen:

  • Prostata-Krebs Früherkennungsuntersuchung: Das Screening auf Prostata-Krebs wird für alle Männer ab 45 Jahren jährlich angeboten. Der Urologe stellt dabei gezielte Fragen zu Beschwerden der Geschlechtsorgane oder Prostata, untersucht die Hoden und den Penis und tastet die Prostata vom Enddarm aus ab. Bei dieser digitalen rektalen Untersuchung, wie das Abtasten der Prostata mit dem Finger über den Enddarm auch genannt wird, kann der Facharzt für Urologie Veränderungen wie Vergrößerungen oder Verhärtungen der Prostata ertasten und weitere Diagnostik einleiten. Auf Wunsch des Patienten kann zusätzlich die Messung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut durchgeführt werden. Wann zum PSA-Test?
  • Sonografie: Der Ultraschall, wie die Sonografie oder Sonographie auch genannt wird, ist ein wichtiges Verfahren zur Darstellung der Harnwege und der Nieren. Mittels eines Schallkopfes und Ultraschallgel können die anatomischen Strukturen auf einem Bildschirm dargestellt werden. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise ein Harnstau, Restharnbildungen in der Blase oder Erweiterungen des Nierenbeckens aufspüren. Auch zur Untersuchung einer Hodenschwellung kann ein Ultraschall beim Urologen durchgeführt werden.
  • Urindiagnostik: Durch die Beurteilung der Farbe, der Trübung und des Geruchs des Urins kann der Urologe erste Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen wie Infektionen oder Blutbeimengungen im Urin ziehen. Mittels Teststreifen, sogenannten U-Stix, kann die Zusammensetzung des Urins untersucht werden und getestet werden, ob zum Beispiel Glucose als Hinweis auf eine Zuckererkrankung (Diabetes mellitus), Albumin als Hinweis auf eine Nierenschädigung oder rote und weiße Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) als Entzündungszeichen vorhanden sind. Lies mehr zu Leukozyten in Blut und Urin. Mikroskopische oder bakteriologische Untersuchungen des Urinsediments, also der durch Zentrifugation der Urinprobe gewonnen festen Urinanteile, können weitere Indizien zum Beispiel für Infektionen liefern. Das Anlegen einer Urinkultur dient der Erregerdiagnostik bei Infektionen der Harnwege: Eine Urinprobe wird gemeinsam mit einer Nährlösung für Bakterien bebrütet, sodass ein mögliches Wachstum von Bakterien gefördert wird und eine Erregeridentifizierung bei vorhandenen Keimen möglich ist. Auch die Untersuchung des Urins auf das Vorkommen veränderter Zellen der Harnwegsschleimhaut (Urozytologie) ist Teil der Urindiagnostik.
  • Uroradiologie: Diese Röntgen-Untersuchungen der Niere und Harnwege können mit oder ohne Kontrastmittel durchgeführt werden. Bei der Kontrastmittel-Untersuchung, dem Urogramm, auch intravenöse Urographie genannt, wird dir Kontrastmittel über die Vene verabreicht. Die Ausscheidung des Kontrastmittels über deine Nieren und die Blase kann dann in Hinblick auf mögliche Urin-Abflussbehinderungen oder Harnleitersteine vom Urologen beurteilt werden. Die Zystographie dient der Darstellung der Harnblase. Dabei wird deine Harnblase über einen Blasenkatheter mit Kontrastmittel gefüllt und geröntgt. Du kannst auch dazu aufgefordert werden, nach Entfernung des Katheters Wasser zu lassen. So kann eine bewegte Röntgen-Aufnahme beim Wasserlassen getätigt werden kann. Diese Untersuchung gibt dem Urologen Aufschluss über den Ablauf des Wasserlassens (Miktion). Die Miktionszystourethrographie kann außerdem Hinweise liefern auf einen Reflux. So wird das Zurücklaufen des Urins aus deiner Blase in die Harnleiter in Richtung Niere bezeichnet. Bei der retrograden Urethrographie wird deine Harnröhre mit Kontrastmittel gefüllt und auf eventuelle Verengungen oder Veränderungen untersucht.
  • Urodynamische Untersuchung: Eine urodynamische Untersuchung kombiniert die Messung deines Harnstrahls (Uroflowmetrie) mit der Messung der unterschiedlichen Druckverhältnisse in deiner Blase (Zystometrie), der Muskelaktivität deines Blasenmuskels und der verschiedenen Blasen- und Harnröhrenschließmuskel. Mit der urodynamische Untersuchung können zum Beispiel Blasenentleerungsstörungen und verschiedene Formen der Inkontinenz untersucht werden. Während der Untersuchung wird deine Harnblase mittels eines Blasenkatheters mit Flüssigkeit gefüllt. Dabei werden die Druckverhältnisse in der Harnblase gemessen. Auch die Funktion der Schließmuskel kann aufgezeichnet werden. Danach wirst du aufgefordert zu urinieren. Hierbei können deine Harnflussrate und die Muskelaktivität deines Blasenmuskels gemessen werden und vom Urologen in Hinblick auf Kontinenzprobleme beurteilt werden.
  • Endoskopie/Zystoskopie/Ureterorenoskopie: Als Endoskopie werden Untersuchungs- und Operationsmethoden bezeichnet, bei denen das Innere deines Körpers beziehungsweise einzelne Organe von innen angeschaut werden können. Die Untersuchung erfolgt mit einem Endoskop. Ein Endoskop ist ein medizinisches Gerät, das einem dünnen Gummischlauch oder Metallrohr ähnelt und mit einer Lichtquelle, einer Kamera und einem Arbeitskanal ausgestattet ist. Die Endoskopie wird meist über einen natürlichen Zugangsweg wie zum Beispiel über deine Harnröhre oder deine Speiseröhre vorgenommen, erfolgt also ohne großen chirurgischen Eingriff. Bei der Zystoskopie, der endoskopischen Spiegelung deiner Blase, wird ein Endoskop (Zystoskop) über deine Harnröhre in deine Blase eingeführt. Dabei können deine Harnröhre und deine Blase von innen betrachtet werden. Veränderungen deiner Blasenschleimhaut oder Aussackungen deiner Blase können aufgespürt werden. Über den Arbeitskanal des Endoskops können Instrumente, wie zum Beispiel eine kleine Zange, in deine Blase eingeführt werden. So können Proben aus deiner Blasenschleimhaut entnommen werden. Auch kleine operative Eingriffe, wie beispielsweise das Abtragen eines Blasenpolyps, einer kleinen Wucherung der Schleimhaut, können über das Endoskop vorgenommen werden. Mithilfe des Endoskops können auch deine oberen Harnwege inklusive der Harnleiter untersucht werden (Ureterorenoskopie). Bei Vorliegen von Harnleitersteinen kann der Urologe über das Endoskop versuchen, die Steine zu entfernen und somit die Ursache von Harnleiterkoliken zu beseitigen. Weitere Infos zu Ablauf, Vorbereitung und Nachsorge einer Blasenspiegelung (Zystoskopie).
  • Ejakulatuntersuchung: In Fragen der Fruchtbarkeit und bei unerfülltem Kinderwunsch kann der Facharzt für Urologie die Untersuchung des Ejakulats und der männlichen Samenzellen (Spermien) vornehmen. Das wird als Spermiogramm bezeichnet. Die durch Masturbation gewonnene Ejakulatflüssigkeit wird dabei auf ihre Zusammensetzung, das Volumen, die Spermienkonzentration und die Spermienbeweglichkeit untersucht.

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Laborwerte

HS: Harnsäure

HS ist bei Laborwerten die Abkürzung für Harnsäure.
Die Harnsäurekonzentration kann im Blut sowie im Urin bestimmt werden. Erhöhte Harnsäurespiegel werden als Hyperurikämie bezeichnet, erniedrigte als Hypourikämie.

Was bedeutet HS?

HS ist die Abkürzung für Harnsäure. Harnsäure entsteht in deinem Körper als Endprodukt beim Abbau bestimmter Bestandteile der im Zellkern enthaltenen Erbinformation, der DNA.

Die DNA (Desribonukleinsäure) besteht aus einer Aneinanderreihung von Zuckerteilchen und weiteren chemischen Verbindungen wie den DNA-Basen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin. Die bestimmte Art der Aneinanderreihung der DNA-Basen bildet einen Code, der beim Ablesen der Erbinformation entschlüsselt wird. Aus einer scheinbar wahrlosen Aneinanderreihung chemischer Verbindungen wird so eine präzise Erbinformation gewonnen. Die DNA-Basen nehmen dabei die Rolle der Code-Zeichen ein. Entsprechend ihres chemischen Aufbaus werden die DNA- bzw. Nucleinbasen in zwei Arten von Basen eingeteilt, die Purin-Basen (Adenin, Guanin) und die Pyrimidin-Basen (Cytosin, Thymin).

Harnsäure entsteht beim Abbau der Purin-Basen, wenn alte Zellen und mit ihnen ihre DNA abgebaut wird. Harnsäure wird, wir ihr Name verrät, hauptsächlich über deine Nieren ausgeschieden. Doch nicht nur in deinem Körper entsteht Harnsäure. Auch in unserer Nahrung sind Purine enthalten, die in deinem Körper wiederum zu Harnsäure abgebaut werden.

Fällt zu viel Harnsäure in deinem Körper an, bilden sich Harnsäure-Kristalle. Diese können sich in den Gelenken oder in der Niere ablagern. Das kann zu Gelenk- oder Nierenbeschwerden führen. Ein erhöhter Harnsäure-Spiegel (Hyperurikämie), der mit typischen Gelenkbeschwerden auftritt, ist als Gicht bekannt. Plötzliche Anstiege des Harnsäure-Werts können Gichtanfälle auslösen. Hohe HS-Spiegel können auch die Bildung von Nierensteinen (Nephrolithiasis) fördern.

Wann wird der HS-Wert bestimmt?

HS wird zum Beispiel bei Gelenkschmerzen zur Abklärung einer Gicht im Blutserum bestimmt.

Da die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren erfolgt, kann der HS-Wert auch als Kontrollwert für die Nierenfunktion zum Beispiel bei chronischen Nierenerkrankungen dienen. Auch bei vorliegenden Nierensteinen kann eine HS-Bestimmung zur Ursachenklärung der Nierensteine erfolgen.

Da sich der Harnsäure-Wert als Abbauprodukt der DNA in gleicher Weise mit dem Ausmaß des Zellabbaus oder Zelluntergangs verändert, kann HS auch als Marker für den Zellzerfall genutzt werden. Das kann zum Beispiel bei einer Krebsbehandlung wie einer Bestrahlungs- (Radiatio) oder Chemotherapie oder bei Erkrankungen des Blutes (hämatologische Erkrankung) geschehen.

Außerdem kann der HS-Wert im Blut bestimmt werden zur Abklärung von Krankheiten, die eine Erhöhung des Harnsäure-Wertes verursachen können. Dazu zählen Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Alkoholmissbrauch oder eine Störung des Fettstoffwechsels.

Der HS-Wert kann nicht nur im Blutserum, sondern zusätzlich auch im Urin bestimmt werden. HS-Werte aus dem Urin können dabei helfen, das Risiko für Nierensteine einzuschätzen, einen erniedrigten HS-Wert abzuklären oder die Ursachen für einen hohen HS-Wert zu finden.

Normalwerte für HS

HS wird im Blutserum bestimmt. Gemessen wird HS in mg/dl, also Milligramm pro Deziliter.

Die Normalwerte für Harnsäure im Blutserum hängen vom Alter sowie vom Geschlecht ab.

Alter weiblich männlich
Kinder 0-5 Tage 1,9 – 7,9 mg/dl 1,9 – 7,9 mg/dl
1-4 Jahre 1,7 – 5,1 mg/dl 2,2 – 5,7 mg/dl
5-11 Jahre 3,0 – 6,4 mg/dl 3,0 – 6,4 mg/dl
12-14 Jahre 3,2 – 6,1 mg/dl 3,2 – 7,4 mg/dl
15-17 Jahre 3,2 – 6,4 mg/dl 4,5 – 8,1 mg/dl
Erwachsene 2,4 – 5,7 mg/dl 3,4 – 7,0 mg/dl

Die Normalwerte für HS im Urin sind für Männer und Frauen gleich. HS-Werte im Urin werden in Gramm pro Tag (g/d) angegeben.

Normalwert für Harnsäure im Urin: 0,9 g/d

Deine Werte weichen von den hier genannten Normalwerten ab? Das ist zunächst einmal kein Grund zur Sorge. Je nach Labor und verwendeten Messgeräten werden andere Normalwerte für HS angegeben. Sprich bitte deinen Arzt an und bitte ihn um eine Erklärung deiner HS-Werte.

Was bedeutet es, wenn dein HS-Wert zu hoch ist?

Ist dein HS-Wert erhöht, ist zu viel  Harnsäure im Körper vorhanden. Für diese Hyperurikämie, wie erhöhte Harnsäure-Werte auch genannt werden, gibt es unterschiedliche Ursachen.

Hohe HS-Werte im Urin können auf Störungen des Harnsäurestoffwechsels, Nierensteine oder eine Störung der Nierenfunktion hindeuten. Der HS-Wert im Urin kann aber auch nach Fastenkuren, Diäten, einer Strahlenbehandlung oder einer Chemotherapie erhöht sein.

Eingeteilt werden die erhöhten Harnsäure-Werte bzw. Hyperurikämien in primäre und sekundäre Hyperurikämien. Sekundäre Hyperurikämien treten im Rahmen einer anderen Grunderkrankung oder durch einen anderen definierten Umstand auf. Generell können den erhöhten Harnsäure-Werten im Blut zwei Mechanismen zugrunde liegen, wobei sich die Ursachen der primären und sekundären Hyperurikämien unterscheiden:

  • Störung der Ausscheidung der Harnsäure über die Niere. Die Harnsäure sammelt sich im Körper an.
  • Harnsäure-Überproduktion.

Primäre Hyperurikämie

Ursachen der primären HS-Erhöhungen bzw. Hyperurikämien können sein:

  • Störung der Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren bei ansonsten normaler Nierenfunktion.
  • Harnsäure-Überproduktion aufgrund (angeborener) Stoffwechsel-Erkrankungen des Purin-Stoffwechsels.

Die Störung der Harnsäure-Ausscheidung, die zur primären Hyperurikämie führt, ist genetisch vorbestimmt. Oft treten hierbei hohe Harnsäure-Werte oder Gicht-Erkrankungen familiär gehäuft auf. Eine genaue Ursache ist für diese idiopathische Form der Hyperurikämie nicht bekannt.

Purin-Stoffwechselerkrankungen als Ursache einer primären Hyperurikämie infolge einer vermehrten Harnsäure-Produktion sind überaus selten. Dazu gehört zum Beispiel das Lesch-Nyhan-Syndrom. Andere seltene Erkrankungen gehen mit einer übermäßigen Neubildung von Purinen und folglich einer erhöhten Harnsäure-Produktion einher.

Sekundäre Hyperurikämie

Ursachen der sekundären HS-Erhöhungen bzw. Hyperurikämien können sein:

  • Verminderte Harnsäure-Ausscheidung aufgrund einer Nierenerkrankung, Medikamenteneinnahme, sonstiger chronischer Erkrankungen.
  • Gesteigerte Harnsäure-Produktion/-Zufuhr.

Ursache für eine verminderte Harnsäure-Ausscheidung können chronische Nierenerkrankungen mit einer verminderten Nierenfunktion sein. Auch Medikamente wie Beta-Blocker oder harnfördernde Mittel (Diuretika) können die Harnsäure-Ausscheidung beeinflussen. Durch Vergiftungen oder Erkrankungen der Hormondrüsen wie der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann es ebenfalls zu hohen HS-Werten kommen.

Eine gesteigerte Harnsäure-Produktion kann durch einen vermehrten Zelluntergang hervorgerufen werden. Als Ursache des Zellabbaus kommt zum Beispiel eine bösartigen Erkrankung oder Erkrankung des Bluts (hämatologische Erkrankung) in Frage. Auch Krebstherapien können zum Harnsäure-Anstieg durch zerstörte (Tumor-)Zellen führen. Ebenso kann eine Blutarmut, bei der die Blutzellen zugrunde gehen (hämolytische Anämie) Ursache für den Anstieg der HS-Werte sein.

Oftmals liegt die Ursache der erhöhten Harnsäure-Werte in einer zu hohen Purin-Zufuhr und einem ungesunden Lebensstil. Dann tritt die Hyperurikämie erst bei Überernährung, übermäßigem Konsum von Alkohol oder übermäßigem Verzehr Purin-haltiger Kost in Erscheinung. Beispiele für Lebensmittel mit hohem Purin- bzw. Harnsäure-Gehalt sind:

  • Innereien wie Nieren, Kalbsbries oder Rinder- oder Kalbsleber.
  • Fleisch- und Wurstprodukte.
  • Schwarte vom Schwein, Haut von Geflügel.
  • Fischsorten wie Hering, Sprotten, Hummer, Miesmuscheln, Sardinen, Thunfisch, Matjes.
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen, Sojabohnen, Linsen.

Aber auch Fastenkuren bzw. Diäten, Stoffwechselverschiebungen und weitere Lebensmittel wie Zuckeraustauschstoffe oder Alkohol können die Harnsäure-Werte erhöhen.

Am besten setzt du dich gemeinsam mit deinem Arzt mit dem Thema Ernährung auseinander. So könnt ihr eventuelle Problemfelder in deinem Lebensstil erkennen, die die HS-Werte in die Höhe treiben können.

Zu hohe HS-Werte: Das Wichtigste in Kürze

Der HS-Wert alleine gibt keinen Aufschluss darüber, was die Ursache der HS-Erhöhung ist. Weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen können der Ursache der Hyperurikämie auf den Grund gehen.

In der Tabelle sind Ursachen der primären und sekundären Hyperurikämie zusammengefasst:

Primäre Hyperurikämie Sekundäre Hyperurikämie
Störung der Harnsäure-Ausscheidung Genetisch / familiär bedingt Chronische Nierenerkrankung, Medikamenteneinnahme, andere Systemerkrankung
Harnsäure-Überproduktion Angeborene Purin-Stoffwechselerkrankung, wie z.B. Lesch-Nyhan-Syndrom

Gesteigerte Harnsäure-Neubildung

Bei Überernährung, Purin-reicher Kost, Alkoholkonsum

Vermehrter Zellabbau bei bösartigen Erkrankungen, Erkrankungen des Bluts, Krebstherapien

Was bedeutet es, wenn dein HS-Wert zu niedrig ist?

Erniedrigte Harnsäure-Werte werden auch Hypourikämien genannt. Erniedrigte HS-Werte im Blut können folgende Ursachen haben:

  1. Hypourikämien können Zufallsbefunde ohne erkennbare Ursache oder ohne erkennbare Krankheitswerte darstellen. Eine Kontrolle der Blutuntersuchung kann Aufschluss geben.
  2. Einer Hypourikämie kann eine verminderte Harnsäure-Produktion zugrunde liegen. Zur Produktion von Purin-Basen wird Vitamin B9 (Folsäure) benötigt. Folsäure nehmen wir mit der Nahrung auf. Damit du die Folsäure verwerten kannst, muss sie in der Leber in eine andere Form umgewandelt werden. Diese Umwandlung ist gestört, wenn schwere Leberschäden (Hepatopathie) vorliegen. Daher können erniedrigte HS-Werte auch durch schwere Lebererkrankungen bedingt sein. Auch eine Behandlung mit Arzneistoffen gegen Gicht wie Allopurinol kann die Harnsäure-Bildung senken und erniedrigte HS-Werte bedingen.
  3. Eine vermehrte HS-Ausscheidung kann Grund einer Hypourikämie sein. Die Ausscheidung der Harnsäure kann zum Beispiel durch Nierenerkrankungen gesteigert sein. Auch Gicht-Arzneistoffe können in die Harnsäure-Ausscheidung eingreifen. Urikosurika sind Arzneimittel, die dafür sorgen, dass mehr Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden wird und der Harnsäure-Spiegel gesenkt wird. Östrogenpräparate, Salicylate (Salze und Ester der Salicylsäure) oder Phenylbutazon (Arzneistoff, der als starkes Schmerzmittel verwendet wird) wie auch die Gabe von Röntgenkontrastmittel können ebenfalls erniedrigte HS-Werte bewirken.

 Erniedrigte HS-Werte im Urin können auf eine Vergiftung, eine Störung der Leber- oder Nierenfunktion, eine Stoffwechselstörung oder auf eine Erkrankung der Schilddrüse hindeuten. Eine weitere Ursache für einen erniedrigten HS-Wert im Urin kann die Einnahme von Medikamenten aus der Wirkstoffgruppe der Diuretika (harntreibende und entwässernde Mittel), Salicylate (schmerzlindernde, entzündungshemmende und fiebersenkende Mittel) oder Gicht-Arzneistoffe wie Probenecid sein.

Was kannst du bei abweichenden Werten selbst tun?

Verminderte HS-Spiegel (Hypourikämien) haben nur in den seltensten Fällen einen eigenen Krankheitswert. Hingegen können erhöhte Harnsäure-Werte (Hyperurikämien) Probleme wie zum Beispiel Gicht oder Nierensteine bereiten.

Hohe HS-Werte, die durch eine zu hohe Purin-Zufuhr bedingt sind, kannst du durch deine Ernährung und deinen Lebensstil beeinflussen. Am besten setzt du dich mit deinem Arzt zusammen. Im Gespräch und durch Führen eines Ernährungstagebuchs könnt ihr eventuelle Fehlerteufel in deinem Lebensstil erkennen, die für die hohen Harnsäure-Werte verantwortlich sein könnten.

Zur Senkung deines Harnsäure-Spiegels kannst du auf eine Purin-arme, gesunde Ernährung achten. Deine Ernährung sollte viel Obst und Gemüse enthalten und möglichst fettarm gestaltet werden. Fettarme Milchprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte kannst du problemlos verzehren. Bei fettarmen Fischsorten und fettarmen Fleisch- bzw. Wurstsorten solltest du darauf achten, nur kleine Mengen zu verzehren. Deinen Alkoholkonsum solltest du einschränken, da Alkohol die Harnsäure-Ausscheidung hemmt. Auch auf eine ausreichende Bewegung sowie auf ein normales Körpergewicht und eine ausreichende Trinkmenge von mindestens zwei Litern täglich solltest du zum Wohle deiner Gesundheit achten.

Auf diese Purin-reichen Lebensmittel solltest du verzichten bzw. sie nur in geringen Maßen genießen:

  • Innereien wie Nieren, Kalbsbries oder Rinder- oder Kalbsleber.
  • Fettreiche Fleisch- und Wurstprodukte, Schwarte vom Schwein, Haut von Geflügel.
  • Fettreiche Fischsorten wie Hering, Sprotten, Hummer, Miesmuscheln, Sardinen, Thunfisch, Matjes.
  • Süßwaren, die Fructose oder Süßungsmittel enthalten.
  • In geringen Maßen können Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen, Sojabohnen, Linsen verzehrt werden.

Am wichtigsten ist, dass du auf eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse sowie auf Bewegung achtest und dich an den Tipps deines Arztes oder Ernährungsberaters zur Purin-armen Ernährung orientierst.

Wenn dein HS-Spiegel trotz optimaler Ernährung nicht ausreichend gesenkt werden kann, kann dein Arzt dir auch Medikamente zur Senkung des Harnsäure-Spiegels verschreiben.