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FA Haut- und Geschlechtskrankheiten

Eine Hautärztin untersucht im Rahmen der Hautkrebs-Früherkennung mit einem Dermatoskop die Leberflecken auf dem Rücken eines Patienten
Beim Hautarzt, auch Dermatologe, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Facharzt für Dermatologie und Venerologie genannt, steht die Erkennung und Behandlung sowie Vorbeugung von Hauterkrankungen im Vordergrund der Tätigkeiten. Hierzu gehört auch das sogenannte Hautkrebs-Screening.

Was ist ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten?

Der FA für Haut- und Geschlechtskrankheiten wird auch Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Hautarzt oder Dermatologe genannt. Die Dermatologie ist die Heilkunde der Haut. Der Ausdruck Venerologie bezeichnet die Lehre der Geschlechtskrankheiten.

Das Aufgabengebiet von Hautärzten ist vielfältig. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten stehen die Diagnose, Therapie und Vorbeugung von Hauterkrankungen. Hierzu gehören beispielsweise entzündliche Hautausschläge (Ekzeme), infektiöse Hauterkrankungen, Veränderungen der Schleimhäute, Akne, chronische Hauterkrankungen wie die Schuppenflechte (Psoriasis) sowie Autoimmunerkrankungen wie die Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes). Hauttumore gehören ebenfalls zum Tätigkeitsfeld eines FA für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Das Teilgebiet der Dermatologie, das sich mit Hautkrebs beschäftigt, wird auch Dermatoonkologie genannt. Hierbei spielt neben der Therapie der Tumoren auch die Hautkrebs-Früherkennung eine große Rolle. Für alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem Alter von 35 Jahren ist das sogenannte Hautkrebs-Screening Leistung der Krankenkasse.

Darüber hinaus schließt das Fachgebiet der Dermatologie auch Erkrankungen der sogenannten Hautanhangsgebilde, also der Nägel und Haare ein. Dazu gehören beispielsweise den Nagelpilz (Onychomykose). Lies Wissenswertes zu Ursache, Behandlung und Vorbeugung von Nagelpilz.

Der Dermatologe untersucht auch  Erkrankungen der unter der Haut liegenden Gefäße und chronische Wunden, die ursächlich durch Gefäßerkrankungen wie Krampfadern (Varizen, chronisch venöse Insuffizienz) verursacht werden. Außerdem widmet er sich allergologischen Fragestellungen und untersucht beispielsweise mit Allergietests, ob ein Hautausschlag durch ein bestimmtes Allergen (allergieauslösende Stoffe) ausgelöst wird.

Im Teilgebiet der Venerologie diagnostiziert und  behandelt der FA Haut- und Geschlechtskrankheiten sexuell übertragbare Erkrankungen, die oftmals mit Haut- oder Schleimhautveränderungen einhergehen. Dazu zählen beispielsweise die Syphilis (Lues), Tripper (Gonorrhoe) oder auch AIDS (acquired immune deficiency syndrome, erworbenes Immu-Defizienz-Syndrom).

Insbesondere Haut- und Geschlechtskrankheiten betreffen oftmals nicht nur die Haut und Schleimhäute, sondern können Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben. Ebenso kann sich eine Vielzahl von Erkrankungen zunächst in Form von Hauterscheinungen zeigen, die dann Hinweis auf die zugrundeliegende Allgemeinerkrankung sind. Der Hautarzt steht viel im Austausch mit Kollegen anderer Fachdisziplinen und arbeitet daher zum Teil auch fächerübergreifend (interdisziplinär).

Zur Behandlung der Hauterkrankungen wendet der Dermatologe neben konservativen Therapiemethoden wie speziellen Cremes oder Lotionen, Strahlentherapien, Medikamenten- und Lasertherapien auch operative Therapiemethoden an. Entfernungen von bösartigen Muttermalen, Verödungen von Krampfadern oder Hauttransplantationen sind Beispiele für die operativen Fertigkeiten eines Hautarztes.

Ausbildung zum FA Haut- und Geschlechtskrankheiten

Bis zum Erwerb des Facharzt-Titels FA Haut- und Geschlechtskrankheiten muss der angehende Hautarzt einige Jahre Weiterbildung absolvieren. Voraussetzung zur ärztlichen Weiterbildung ist ein absolviertes sowie mit Approbation, also der Erlaubnis zur Ausübung des Arztberufes, abgeschlossenes Medizinstudium.

Anschließend durchläuft der Assistenzarzt insgesamt fünf Jahre, also 60 Monate Weiterbildung an einer zertifizierten Weiterbildungsstätte, wovon 30 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden können. Bis zu zwölf Monate kann der angehende Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in benachbarten Fachgebieten verbringen.

Wo arbeitet ein Hautarzt?

Ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten kann stationär tätig sein. Dann arbeitet er zum Beispiel in einem Krankenhaus oder in einer Hochschulklinik. Auch ambulant kann der Hautarzt tätig werden. Anstellungen oder eine Niederlassung in einer dermatologischen Facharzt-Praxis, in medizinischen Versorgungszentren oder speziellen medizinischen Ambulanzen sind möglich. Daneben stellen auch die medizinische Forschung und Lehre ein mögliches Tätigkeitsfeld für Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten dar.

Wann gehst du zum Hautarzt?

Seit Eintritt der Pubertät leidest du an Akne? Vielleicht hast du schon viele Cremes und Waschgele gegen Pickel vergeblich ausprobiert. Der FA Haut- und Geschlechtskrankheiten steht dir bei Problemen mit Akne und deren Therapiemöglichkeiten mit Rat und Tat zur Seite.

Deine Kopfhaut schuppt sich neuerdings. Auf gerötetem Untergrund bilden sich schuppende Herde. Dazu kommt ein unangenehmer Juckreiz und möglicherweise sind dir zusätzlich Hautveränderungen an deinen Ellenbogen oder Kniescheiben aufgefallen. Möglicherweise leidest du an einer Schuppenflechte (Psoriasis). Dein Hautarzt kann dir weiterhelfen.

An deinen Zehennägeln sind dir Veränderungen aufgefallen und du vermutest, dass ein Nagelpilz (Onychomykose) dahinter stecken könnte? Der Hautarzt kann deine Nagelveränderung diagnostizieren und behandeln.

Rückblickend begann irgendwie alles mit einem schmetterlingsartigen Ausschlag im Gesicht, der über beide Wangen und den Nasenrücken reichte. Besonders nach Sonneneinwirkung ist deine Haut empfindlich und in letzter Zeit bist du müde und fühlst dich abgeschlagen. Hinzu kommen Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen oder Nierenprobleme. Allgemein- beziehungsweise Autoimmunerkrankungen wie der Lupus erythemtodes, die Schmetterlingsflechte, betreffen oftmals viele verschiedene Organe des Körpers und äußern sich häufig auch in Hautbeschwerden. Die Erkennung der Hautveränderungen und des Krankheitsbildes sowie die Behandlung der Autoimmunerkrankungen fallen in das Aufgabengebiet des FA Haut- und Geschlechtskrankheiten.

In deinem Intimbereich sind dir warzenartige Veränderungen aufgefallen. Du machst dir Sorgen, was dahinter steckt. Neben dem Frauenarzt, auch als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe bezeichnet, kennt sich der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten ebenfalls gut mit Genitalwarzen aus. Genitalwarzen oder auch Feigwarzen (Condyloma acuminata) werden durch verschiedene Typen des sogenannten Humanen Papillomvirus (HPV) ausgelöst. Dein Hautarzt kann dir hier mit geeigneten Therapien weiterhelfen. Wann zur HPV-Impfung?

Seit deiner Kindheit leidest du an starker Neurodermitis (atopische Dermatitis) und bist Allergiker? Der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten ist dein Ansprechpartner, wenn es um die Abstimmung der Therapie deiner Haut geht.

Vor ein paar Tagen sind dir Bläschen aufgefallen, die sich auf deiner Haut in einem bestimmten Areal ausbreiten. Sie schmerzen oder jucken und erinnern dich irgendwie an die Windpocken. Hier könnte das Varizella-zoster-Virus dahinterstecken. Womöglich leidest du an einer Gürtelrose (Herpes zoster). Der Hautarzt behandelt infektiöse Hautausschläge wie diese. Lies Wissenswertes zu Ursache und Therapie von Gürtelrose sowie Ursachen und Therapie von Windpocken. Erhalte weitere Infos zur Impfung gegen die Gürtelrose und zur Windpocken-Impfung.

Seit einiger Zeit quält dich ein juckender oder brennender Ausschlag. Trotz Abwarten und gründlicher Hautpflege hat sich nichts getan. Nun möchtest du wissen, was für deine Beschwerden verantwortlich ist. Ist es ein allergischer Ausschlag? Könnte es sich um eine Pilz-Infektion (Mykose) handeln? Oder steckt gar etwas ganz anderes dahinter? Der Dermatologe, wie der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten auch genannt wird, kann die Ursache deines Hautauschlages herausfinden und die geeignete Therapie mit dir besprechen.

Vor Monaten hast du einen Hautdefekt im Genitalbereich bemerkt. Da er dir keine Probleme bereitete und er innerhalb weniger Wochen abheilte, hast du dir nichts dabei gedacht. Nun leidest du unter einer allgemeinen Müdigkeit und Schwäche, deine Lymphknoten sind geschwollen, außerdem hast du Fieber. Ab welcher Temperatur beginnt Fieber? Dazu hast du einen Ausschlag an deinem Körper bemerkt, der sich besonders an deinem Bauch, Rücken oder deinen Flanken ausbreitet und schließlich etwas auf die Hand- und Fußinnenflächen übergreift. Der Hausarzt, den du um Rat gefragt hast, schöpft den Verdacht, dass du dich mit der sexuell übertragbaren Erkrankung Syphilis (Lues, Franzosenkrankheit) angesteckt hast. Die Erkennung und Behandlung von Geschlechtskrankheiten zählt zum Aufgabengebiet des Facharztes für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Du bist auf ein Muttermal aufmerksam geworden, das dir nicht ganz geheuer ist? Es ist mit der Zeit größer geworden, ist sehr dunkel und dabei ungleichmäßig gefärbt und irgendwie auch unscharf begrenzt. Du sorgst dich, ob du an schwarzem Hautkrebs (Melanom) erkrankt sein könntest? Oder du bist 35 Jahre alt geworden und möchtest nun deinen Termin zur Hautkrebs-Früherkennung wahrnehmen. Beim Hautarzt bist du an der richtigen Adresse, wenn es um die Erkennung, Diagnostik und Therapie von gut- oder bösartigen Hautveränderungen geht.

Du leidest an Haarausfall? Das bereitet dir große Sorge, besonders da du dir nicht erklären kannst, woran der Haarausfall liegt. Auch Haarausfall, die sogenannte Alopezie, fällt in das Tätigkeitsgebiet des Hautarztes.

Untersuchungen beim FA für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Um herauszufinden, was hinter deinen Hautveränderungen steckt, wendet der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten verschiedene Untersuchungsmethoden an.

  • Ausführliche Anamnese, Inspektion und körperliche Untersuchung: Der FA Haut- und Geschlechtskrankheiten kann viele Hautveränderungen bereits erkennen, indem er sich ein genaues Bild von deinen Beschwerden, dem zeitlichen Verlauf und dem Aussehen deiner Hautveränderung macht. Dabei legt der Dermatologe Wert darauf, deine gesamte Haut zu betrachten und die Hautveränderungen abzutasten, medizinisch palpieren genannt. Auch deine Haare, Nägel und Schleimhäute nimmt der Dermatologe genau „unter die Lupe“. Mithilfe einfacher Testverfahren beispielsweise mittels eines Spatels kann der Hautarzt Näheres über die Hautveränderungen in Erfahrung bringen und anhand der Eigenschaften eine Verdachtsdiagnose stellen. Verwendet der Hautarzt einen Glasspatel, den er zur Untersuchung einer Hautrötung auf die Hauterscheinung aufdrückt und beobachtet, ob die Rötung wegdrückbar ist, wird das Verfahren auch Diaskopie genannt.
  • Blutuntersuchung: Infektiöse Erkrankungen, ansteckende Geschlechtskrankheiten oder Autoimmunerkrankungen können spezifische Veränderungen deines Blutes hervorrufen. Mithilfe verschiedener Blutuntersuchungen und Testverfahren kann der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Hinweise auf spezielle Krankheitsbilder erhalten oder Verdachtsdiagnosen bestätigen. Dazu wird dein Blut beispielsweise auf das Vorkommen verschiedener Antikörper, also Abwehrkörperchen untersucht.
  • Auflichtmikroskopie: Die Auflichtmikroskopie oder Dermatoskopie ist ein Untersuchungsverfahren der Haut, das besonders in der Hautkrebs-Früherkennung zum Einsatz kommt. Mithilfe eines Dermatoskops kann der Hautarzt Hautveränderungen wie beispielsweise Muttermale oder entzündliche Hautveränderungen wie bei der Krätze (Skabies) genau in einer bis zu 100-fachen Vergrößerung inspizieren und verdächtige Veränderungen entdecken.
  • Allergische Provokationstests: Wird eine Allergie als Ursache deiner Hautprobleme vermutet, können allergologische Tests beim FA Haut- und Geschlechtskrankheiten durchgeführt werden. Einer der Haut-Tests ist der sogenannte Prick-Test. Lies mehr zur Durchführung des Prick-Tests. Ein anderer Allergie-Test ist der Epikutantest. Dieser Test wird zum Beispiel bei der Fragestellung nach einer Allergie gegen bestimmte Arbeitsstoffe oder Kosmetika durchgeführt. Wie funktioniert der Epikutantest?
  • Mikrobiologische Diagnostik: Vermutet dein Hautarzt, dass ein Krankheitserreger Grund deiner Hautveränderung ist, kann er mithilfe eines Abstriches oder einer Probe der Hautveränderung Klarheit gewinnen.
  • Probeexzision, Hautbiopsie und histologische Untersuchung: Hat der Hautarzt eine krebsverdächtige Veränderung entdeckt, ist zur Abklärung in der Regel eine pathologische beziehungsweise histologische also feingewebliche Untersuchung der Veränderung notwendig. Manche dermatologische Abteilungen haben eigens ausgebildete Dermatohistologen. Das ist Fachpersonal, das auf die Untersuchung des Haut-Gewebes auf feinste Veränderungen in Aufbau und Struktur spezialisiert ist. In der Regel untersucht aber ein Facharzt für Pathologie das Gewebe. Lies mehr zu Untersuchungen beim Pathologen. Eine Gewebeuntersuchung spielt nicht nur in der Tumordiagnostik eine Rolle, sondern bringt auch Klarheit in vielerlei anderen Fragestellungen der Dermatologie, wie beispielsweise den Autoimmunerkrankungen. Zur Untersuchung entnimmt der Hautarzt die Gewebeveränderung und schickt diese sogenannte Probeexzision zur histologischen Untersuchung zum FA für Pathologie. Der Pathologe begutachtet die Probe unter dem Mikroskop und kann deren Aufbau, Struktur und Zellen analysieren. Außerdem können spezielle Färbe- und Untersuchungsmethoden der Mikroskopie-Präparate zum Einsatz kommen, nämlich die Histochemie und Immunhistochemie. Solche immunologischen Färbemethoden dienen dazu biochemische Prozesse und spezielle Bestandteile der Hautzellen und des Gewebes hervorzuheben. Damit können beispielsweise Ablagerungen bestimmter Eiweiße, Stoffwechselvorgänge oder Antikörper also Abwehrkörperchen farblich sichtbar gemacht werden. Auch die Verwendung von fluoreszierenden Farbstoffen und die Betrachtung unter einem speziellen Mikroskop, die Fluoreszenzmikroskopie, kann eingesetzt werden. Ebenso kommen molekularpathologische Untersuchungen in Betracht. Bei bestimmten Fragestellungen ist es für die Diagnostik und Therapie der Erkrankung wichtig, relevante Veränderungen des Erbguts (DNA, Desoxyribonukleinsäure) der Zellen zu erkennen. Untersuchungen des Erbguts von Zellen und Geweben finden zum Beispiel in der Tumor-Diagnostik und der Therapie-Auswahl oder zum Erregernachweis bei Infektionskrankheiten Anwendung.
  • Phlebologische Funktionsuntersuchungen: Geht es um die Abklärung von Erkrankungen des Venengefäßsystems, das unter der Haut liegt, kann der FA Haut- und Geschlechtskrankheiten mithilfe verschiedener Methoden testen, wie das Blut in deinen Venen fließt und ob deine Venenklappen funktionieren. Die Phlebologie wird auch Venenheilkunde genannt. Ultraschall-Untersuchungen oder die farbkodierte Doppler-/Duplex-Sonografie, bei der der Blutfluss mithilfe von Ultraschallwellen in den Blutgefäßen hörbar und farblich sichtbar gemacht werden kann, kommen zum Einsatz.
  • Untersuchung mithilfe des Wood-Lichts: Die Wood-Lampe ist eine besondere Lampe, die mithilfe von Ultraviolett-Strahlung (UV-Strahlung) bestimmter Wellenlänge arbeitet. Manche Krankheitserreger rufen Veränderungen der Haut hervor, die bei Beleuchtung mit der Wood-Lampe verschiedenfarbig fluoreszieren. Auch in der Diagnostik von Pigmentstörungen oder Tumoren kann das Wood-Licht angewendet werden.
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Laborwerte

RF: Rheumafaktor

RF ist bei Laborwerten die Abkürzung für Rheumafaktor.
Der Laborwert RF steht für Rheumafaktor. RF ist ein Eiweiß, das sich gegen körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) richtet. RF kann bei Gelenk- und Muskelbeschwerden bestimmt werden.

Was bedeutet RF?

RF ist die Abkürzung für Rheumafaktor. Der Rheumafaktor ist ein Antikörper (Immunglobulin), der von bestimmten Immunzellen deines Körpers, den B-Zellen, freigesetzt wird. Antikörper sind kleine, Y-förmige Eiweiße, die im Rahmen der Immunabwehr von Abwehrzellen produziert werden und verschiedene Aufgaben erfüllen. Sie sollen körperfremde Teilchen, zum Beispiel Zuckerketten auf der Oberfläche von Bakterien oder Viren, erkennen und die Erreger unschädlich machen. Antikörper können ebenso befallene, erkrankte körpereigene Zellen erkennen und sie markieren. Ein Antikörper ist immer genau auf die Erkennung einer bestimmten Struktur (sein Antigen) ausgerichtet und ist sozusagen „Experte“ in der Bekämpfung dieses einen Eindringlings. Der Antikörper kann nur diese eine Struktur erkennen und er liegt in deinem Blut in vielen, identischen Kopien vor.

Aber auch dein Immunsystem kann sich irren. Es kann vorkommen, dass dein Körper Antikörper gegen körpereigenes, gesundes Gewebe bildet. Solche Antikörper werden Autoantikörper genannt. Durch diese überschießende Immunantwort kann eine Autoimmunerkrankung entstehen.

Rheumafaktoren zählen zu den Autoantikörpern. Sie sind nicht gegen fremde, sondern gegen körpereigene Strukturen gerichtet. Ganz genau genommen sind Rheumafaktoren Autoantikörper, die andere „normale“ Antikörper angreifen. Sie sind also sozusagen Antikörper gegen körpereigene Antikörper.

RF heißt Rheumafaktor, weil das Vorhandensein der Autoantikörper im Blut mit rheumatischen Erkrankungen wie der Chronischen Polyarthritis in Zusammenhang gebracht wird. Die Rheumafaktoren spielen eine Rolle in der Entzündungsreaktion, die der Autoimmunerkrankung Rheuma zugrunde liegt. Welche Rolle Rheumafaktoren genau im Ablauf rheumatischer Erkrankungen spielen, ist nicht so leicht herauszufinden. Jedoch können Erhöhungen des RF-Wertes Hinweise auf das Vorhandensein einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis geben. 

Wann wird der RF-Wert bestimmt?

RF wird bestimmt, wenn die Fragestellung einer rheumatischen Erkrankung im Raum steht. Symptome, die deinen Arzt an Rheuma, also die Chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis), denken lassen können sind zum Beispiel:

  • Gelenkschmerzen
  • Gelenkentzündungen und Gelenkschwellungen an Hand-, Finger- oder Zehengrund- oder Fingermittelgelenken
  • Morgensteifigkeit der Gelenke
  • Grippe-ähnliche Allgemeinsymptome.

Auch zur Verlaufsbeurteilung einer rheumatischen Erkrankung kann der RF-Wert bestimmt werden.

Normalwerte für RF

RF wird in deinem Blut-Serum bestimmt. Angegeben werden die Messwerte in IU/ml. Das sind Internationale Mess-Einheiten (International Units) pro Milliliter, also pro tausendstel Liter.

In unterschiedlichen Labormethoden kann untersucht werden, ob und wie viele Autoantikörper RF in deinem Blut vorhanden sind. Bei einer bestimmten Methode, der Immunnephelometrie, ergeben sich folgende Normalwerte für die im Blut vorhandene Menge an Rheumafaktoren:

  • Der Messwert ist kleiner als 30 IU/ml: Das Ergebnis ist negativ für RF.
  • Der Messwert liegt zwischen 30 und 60 IU/ml: Das Ergebnis ist schwach positiv für RF.
  • Der Messwert ist viel größer als 30 IU/ml: Das Ergebnis ist positiv für RF.

Da die Bestimmung des RF-Wertes auch anhand anderer Labormethoden erfolgen kann, kann es sein, dass dein RF- Wert von den hier angegebenen Normalwerten abweicht oder dein Arzt das Testergebnis anders interpretiert als hier beschrieben. Denn auch von Labor zu Labor können die Normalwerte variieren. Mach’ dir bitte keine Sorgen über deinen abweichenden RF-Wert und besprich’ deine Laborergebnisse mit deinem Arzt.

Was bedeutet es, wenn dein RF-Wert zu hoch ist?

Hohe RF-Werte in Zusammenhang mit Rheuma-typischen Beschwerden wie Gelenkschmerzen, -Schwellungen und –Entzündungen können ein Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung sein.

Der rheumatische Formenkreis umfasst verschiedene Erkrankungen. Dazu zählt zum Beispiel die Rheumatoide Arthritis (Chronische Polyarthritis), die im Allgemeinen als das typische „Rheuma“ bekannt ist.

Weitere Autoimmunerkrankungen, die zu den rheumatischen Erkrankungen zählen und zu hohen RF-Werten führen können, sind zum Beispiel:

  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew): Diese entzündlich-rheumatische Erkrankung kann in Schüben zur Versteifung deiner Gelenke, insbesondere der Wirbelsäule im Bereich des unteren Rückens und Beckens führen.
  • Psoriasis-Arthritis (Arthritis psoriatica, Schuppenflechten-Arthritis): Bei der Psoriasis-Arthritis steht eine Schuppenflechte (Psoriasis) mit Haut- und Nagelveränderungen nebst rheumatischen Gelenkentzündungen im Vordergrund.
  • Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte): Diese Autoimmunerkrankung kommt als systemischer Lupus erythematodes und als Haut-Variante (kutaner Lupus erythematodes) vor. Bei der systemischen Lupus-Erkrankung kann es potentiell zur Schädigung jedweden Organs kommen. Beim kutanen Lupus erythematodes können viele unterschiedliche Hauterscheinungen auftreten. Namensgebend für die „Schmetterlingsflechte“ ist ein Schmetterlingsförmiger Ausschlag im Gesicht, der bei einigen Betroffenen auftritt.
  • Sjögren-Syndrom: Beim Sjögren-Syndrom zerstört das eigene Immunsystem hauptsächlich Tränen- und Speicheldrüsen.
  • Sklerodermie: Die Sklerodermie zeichnet sich durch eine zunehmende Verhärtung (Sklerose) der Haut und des Bindegewebes aus. Auch innere Organe können von der Verhärtung betroffen sein.
  • Polymyalgica rheumatica (rheumatischer Vielmuskelschmerz): Bei der Polymyalgica rheumatica sind besonders die Muskeln des Schulter- und Beckenbereichs betroffen. Oft tritt  der rheumatische Vielmuskelschmerz gemeinsam mit einer Entzündung der oberflächlichen Schläfenarterie (Arteriitis temporalis, Riesenzellarteriitis, Morbus Horton) auf.
  • Polymyositis: Durch Einwanderung von Entzündungszellen in den Muskel kommt es zur Muskelentzündung (Myositis) mit Muskelschwächen und Muskelkater-ähnliche Beschwerden in den Oberarmen und Oberschenkeln.
  • Dermatomyositis (Lilakrankheit): Bei der Dermatomyositis treten Beschwerden einer Polymyositis in Kombination mit Hautveränderungen auf. Die Hautveränderungen erscheinen lila-farben, daher wird die Autoimmunerkrankung auch Lilakrankheit genannt.

Hohe RF-Werte allein sind aber noch kein Beweis dafür, dass du an Rheuma leidest. Mit weiteren Untersuchungen zum Beispiel im Blut oder einer Bildgebung kann dein Arzt dem Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung nachgehen und Näheres zu deinen Beschwerden in Erfahrung bringen.

Hohe Rheumafaktor-Werte können auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Chronische Lebererkrankungen
  • Tuberkulose
  • Hepatitis B.  Lies mehr zur Hepatitis B-Impfung.
  • Malaria. Lies mehr zum Malaria-Schutz.
  • Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber).

Auch können erhöhte RF-Werte zu einem geringen Anteil bei Gesunden vorkommen. Je älter du bist, desto wahrscheinlicher ist es, dass dein RF-Wert erhöht ist. Auch wenn du an keiner rheumatischen Erkrankung leidest.

Aus all den genannten Gründen werden erhöhte RF-Werte von deinem Arzt nur im Zusammenhang mit Rheuma-typischen Symptomen gesehen und vor dem Hintergrund deiner Beschwerden bewertet.

Was bedeutet es, wenn dein RF-Wert zu niedrig ist?

Du leidest an Gelenkbeschwerden wie Schwellungen, Rötungen, Morgensteifigkeit und Schmerzen, die dein Arzt den typischen Rheuma-Beschwerden zuordnet? Nun soll die Untersuchung herausfinden, ob du tatsächlich an Rheuma leidest, aber dein Rheumafaktor ist negativ?

Beim „typischen“ Rheuma, der rheumatoiden Arthritis (Chronische Polyarthritis) ist beim Großteil der Betroffenen ein positiver RF nachweisbar. Das gilt jedoch nicht für alle Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung. Es gibt auch sogenannte Rheumafaktor-negative Arthritiden, also Gelenkentzündungen. Daher ist ein negativer Rheumafaktor-Wert kein Ausschluss-Kriterium für eine rheumatische Erkrankung.

In diesem Fall wird dein Arzt vermutlich noch weitere Untersuchungen durchführen, um deinen Gelenkbeschwerden auf den Grund zu gehen.

Was kannst du bei abweichenden RF-Werten selbst tun?

Der Rheumafaktor im Blut ist kein Wert, den du bewusst selbst beeinflussen kannst. Tritt der Rheumafaktor in deinem Blut auf, ist dein Immunsystem überaktiv und produziert fälschlicherweise Abwehr-Eiweiße (Antikörper) gegen körpereigenes Gewebe (Autoantikörper). Diesen Vorgang kannst du nicht direkt unterbinden oder beeinflussen, denn Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung.

Leidest du aber an Rheuma-Beschwerden wie Gelenkentzündungen, Morgensteifigkeit und Gelenkschmerz, kannst du mithilfe deiner Ernährung und deines Lebensstils die Beschwerden lindern und den Rheuma-Verlauf eventuell abmildern. Wichtige Bausteine der Rheuma-Therapie, die du selbst durchführen kannst, sind Bewegung und Sport. Krankengymnastik, regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivität können dir bei Rheuma gut tun. Sport kann deine Gelenkbeweglichkeit erhalten und deine Muskeln stärken. Ein positiver Nebeneffekt des Sports: Vermutlich purzeln ein paar Pfunde. Bist du übergewichtig, ist das schlecht für deine Gelenke. Übergewicht fördert die Entzündungsaktivität in deinem Körper.

Auch kannst du darauf achten, deinem Körper nicht zusätzlich mit „Lastern“ zuzusetzen. Rauchen und hoher Alkoholkonsum können sich negativ auf deinen Rheuma-Verlauf auswirken.

Bei deiner Ernährung kannst du dich an der typischen mediterranen Küche orientieren. Mit viel Gemüse, Salat, Obst, Kräutern, Nüssen, Hülsenfrüchten und Fisch kannst du dir Gutes tun und deine Entzündungsaktivität im Körper versuchen zu senken. Auf viel rotes Fleisch wie Kalbs-, Rinder-, Schweine- und Lammfleisch solltest du lieber verzichten. Nahrungsmittel, die viele einfache Kohlenhydrate enthalten, wie Nudeln, Reis oder Weißbrot, solltest du in geringeren Maßen genießen. Besser sind Vollkornprodukte. Dein Arzt steht dir in allen Fragen zu rheumatischen Erkrankungen, zur passenden Ernährung und Sport gerne zur Seite.