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Neuroborreliose

Borreliose übertragende Zecke sitzt am Rand eines blauen Blütenblattes
Der Gemeine Holzbock kann Überträger der Infektionskrankheit Borreliose sein. Befallen die verursachenden Bakterien dein Nervensystem sprechen Mediziner von Neuroborreliose.

Was ist eine Neuroborreliose?

Die Neuroborreliose ist eine Komplikation der Lyme-Borreliose. Sobald sich die bakteriellen Erreger der Borreliose, also Bakterien der Gattung Borrelia, nach einem Zeckenstich in deinem Körper ausbreiten, können sie auch dein Gehirn und deine Nervenbahnen befallen. In schätzungsweise drei bis 15 Prozent der Borreliose-Fälle kann das der Fall sein. Besonders Kinder sind häufig von der Neuroborreliose betroffen.

Was verursacht Neuroborreliose?

Neuroborreliose wird, genau wie die Lyme-Borreliose, von Bakterien der Gattung Borrelia hervorgerufen. Die Borrelien liegen im Mitteldarm infizierter Zecken. Beginnt die Zecke nach dem Stich in deine Haut mit dem Blutsaugen, aktivieren die Borrelien ihren Stoffwechsel und wandern nach etwa 24 Stunden in die Speicheldrüsen der Zecke. Von dort können sie in die Stichwunde und damit in deinen Körper übertragen werden. Daher: Je schneller du eine Zecke entdeckst und entfernst, desto größer die Chance, dass sie Borrelien noch nicht übertragen hat.

Lies mehr über den Infektionsweg der Borreliose-Erreger und erfahre, wie sich Borrelien erfolgreich vor dem Angriff deines Immunsystems tarnen.

Welche Symptome treten bei Neuroborreliose auf?

Bei einer Neuroborreliose kommt es innerhalb von Wochen bis Monaten nach der Infektion mit Borrelien zu einer Entzündung deiner Hirnhäute sowie deiner Nervenwurzeln. Lies mehr zum Krankheitsverlauf der Borreliose.

Die Neuroborreliose kann je nach ihrem Ausprägungsmuster in zwei Formen unterteilt werden:

  1. In 90 bis 95 Prozent der Fälle kommt es bei einer Neuroborreliose zu einer Entzündung deiner Hirnhäute sowie deiner Nervenwurzeln. Das kann Lähmungen, Schmerzen und Missempfindungen verursachen. Häufig sind neben Armen und Beinen auch eine oder beide Seiten deines Gesichts betroffen, Mediziner sprechen dann von einer Faszialisparese. Die Symptome dauern in der Regel weniger als sechs Monate an. Bei Kindern äußert sich die Neuroborreliose am häufigsten in einer Gesichtsnervenlähmung oder einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Lies mehr zu Therapie und Heilungschancen bei Meningitis
  2. In circa fünf bis zehn Prozent der Neuroborreliose-Fälle kommt es zusätzlich zu einer Entzündung deines Gehirns und deines Rückenmarks. Dieser Verlauf der Neuroborreliose ist zwar häufig schmerzfrei, dauert allerdings oft über mehr als sechs Monate an. Langzeitschäden einer Neuroborreliose unter Beteiligung des Gehirns und Rückenmarks sind häufiger und schwerer als bei einer Entzündung der Hirnhäute und Nervenwurzeln. Denn bei einer Entzündung von Nervengewebe können sich zerstörte Zellen nicht mehr nachbilden und sind für immer verloren. Nicht abheilende (chronische) Verläufe sind bei Neuroborreliose möglich. Die Beschwerden bessern sich dann nicht mehr. Symptome einer Neuroborreliose mit Entzündung deines Gehirns und deines Rückenmarks können sein: Gang- und Bewegungsstörungen, Probleme beim Wasserhalten und beim Stuhlgang (Inkontinenz), Sprach-, Hör- oder Wahrnehmungsstörungen, epileptische Anfälle.

Außerdem können folgende Symptome einer durch Zecken übertragenen Borreliose bereits vor Beginn der Neuroborreliose auftreten, frühestens jedoch 7 Tage nach dem Zeckenstich. Da viele Symptome der Borreliose auch zu anderen Krankheiten passen, machen diese sogenannten unspezifischen Symptome die korrekte Diagnose der Borreliose oft schwer.

  • Erythema migrans (Wanderröte): Hierbei bildet sich um den Zeckenstich ein roter Rand, der sich langsam um bis zu 5 Millimeter pro Tag nach außen ausbreitet. Schon bei den ersten Anzeichen einer Wanderröte solltest du unbedingt zum Arzt gehen.
  • Starke Schmerzen in verschiedenen Gelenken sowie Nacken- und Rückenschmerzen.
  • Heftige, meist ringförmige Kopfschmerzen. Ursachen und Hilfe bei Kopfschmerzen
  • Schmerzen beim Haarkämmen („Haarspitzenkatarrh“).
  • Meist einseitige Rachen- und Zungengrundschmerzen.
  • Immer wiederkehrende und oft lange nicht ausheilende Nasennebenhöhlen-Infektionen mit Schleimhautschwellungen.
  • Schmerzlose oder schmerzhafte Lymphknotenschwellungen am Hals und Nacken, unter den Achseln und in den Leisten.
  • Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe am ganzen Körper ohne vorherige körperliche Beanspruchung.
  • Schmerzen an Sehnen und Bändern: Achillessehnenschmerzen, „Tennisarm“ oder „Golfarm“, Karpaltunnelsyndrom, „springende“ Finger oder Fußsohlenschmerzen mit morgendlichem Anlaufschmerz.
  • Schienbein- und Fersenbeinschmerzen (vor allem nachts im Liegen).
  • „Wundschmerzen“ der Rippenansätze im Brustbeinbereich und am unteren Rippenbogen, oft verbunden mit dem Gefühl eines verminderten Atemvolumens und eines Druckes auf dem Brustkorb.
  • Brennschmerzen der Haut und/oder Taubheitsgefühle, die verteilt am ganzen Körper auftreten oder auf einzelne Hautbereiche beschränkt sind.
  • Spontanzuckungen der Muskeln in verschiedenenKörperregionen.
  • Plötzlich einschießende starke Schmerzen in der Muskulatur.
  • Attackenartiges, in der Regel nachts auftretendes Herzrasen ohne jede körperliche Anstrengung.
  • Veränderung eines vorher normalen Blutdruckes auf Bluthochdruck-Werte, wobei meist der diastolische Wert (Druck beim Erschlaffen des Herzmuskels) über 90 mm Hg ansteigt. Ursachen und Behandlung von Bluthochdruck
  • Augenmuskelschmerzen, leichte Doppelbilder, Lidschwäche, Störungen der Nah- und Ferneinstellung des Auges (Akkomodationsstörungen), Pupillenstörungen, häufige Augenentzündungen mit Augenbrennen, Trockenheits- sowie Fremdkörpergefühl.
  • Hörsturz, Tinnitus, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Was tun bei Tinnitus? Ursachen und Therapie von Schwindel.
  • Störungen des Geruchs und Geschmacks.
  • In der Nacht auftretende stark brennende und ziehende Schmerzen in meist nur einem Bein oder Arm (Bannwarth-Syndrom)
  • Gestörtes Temperaturempfinden mit oft ausgeprägtem Frieren, heftigen, überwiegend nächtlichen Schweißausbrüchen, die aber auch tagsüber schubweise bei Männern und Frauen auftreten können.
  • Sexuelle Funktionsstörungen, Libidoverlust, Menstruationsstörungen, Erektionsstörungen und Brustdrüsenschmerzen.
  • Brennschmerzen der Blase und Schmerzen des Hodens ohne Nachweis von Bakterien im Urin, sehr häufiges Wasserlassen, Harninkontinenz, Leistenschmerzen ohne organischen Befund.
  • Magenschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Stuhlunregelmäßigkeiten, Appetitverlust, neu auftretende Laktose- oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
  • Stoffwechselveränderungen wie Übersäuerung, neu auftretende Cholesterinwerterhöhungen, Alkoholunverträglichkeit. Normalwerte für LDL und Normalwerte für HDL
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen (meist Unterfunktion mit TPO-Autoantikörpern, die sog. Hashimoto-Thyreoiditis)
  • Störung des Serotoninstoffwechsels mit Gereiztheit, Panikattacken, Angstzuständen, latenter Aggressivität, Wutanfällen, ausgeprägten depressiven Stimmungsschwankungen und emotionaler Labilität.
  • Schwerwiegende, lang anhaltende Schlafstörungen, oft mit Albträumen. Hilfe bei Schlafstörungen
  • Bei Kindern: Aufmerksamkeitsstörungen und motorische Unruhe mit der Folge von Lernschwierigkeiten („ADHS“), Gereiztheit, Streitsucht und Aggressivität.
  • Selten sind psychische Veränderungen wie Psychosen, Zwangssymptome, manisch-depressive Stimmungsschwankungen, Irritierbarkeit und Aggressivität.
  • Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses, Konzentrationsstörungen, erhöhte Ablenkbarkeit, Aufmerksamkeitsstörungen und verminderte Lernfähigkeit und Auffassungsgabe.
  • In schweren Fällen Orientierungsstörungen und Gedächtnisverlust wie bei Morbus Alzheimer, Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
  • Diffuser Haarausfall (meist bei Frauen) sowie Nagelwachstumsstörungen mit Brüchigkeit.

Welcher Arzt hilft bei Neuroborreliose?

Erster Ansprechpartner zur Zecken-Entfernung und Abklärung zeckenbedingter Erkrankungen ist dein Hausarzt oder ein Facharzt für Allgemeinmedizin. Um die Borreliose von einer viralen oder bakteriellen Meningitis zu unterscheiden, kann dich dein Hausarzt bei Verdacht auf eine Neuroborreliose oder zur Untersuchung deiner Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit an einen Facharzt für Neurologie überweisen. Untersuchungen beim Neurologen

Untersuchungen bei Neuroborreliose

Lies in unserem Artikel zur Borreliose, welche Tests zum Nachweis von Borreliose und Neuroborreliose zum Einsatz kommen können. Untersuchungen bei Borreliose

Was hilft bei Neuroborreliose?

Eine Borreliose lässt sich mit Antibiotika behandeln. Eingesetzt werden die Wirkstoffe Doxycyclin, Penizillin G, Ceftriaxon oder Cefotaxim. Diese medikamentöse Neuroborreliose Therapie dauert bei früh entdeckter Neuroborreliose in der Regel 14 Tage und 14 bis 21 Tagen bei Neuroborreliose im späteren Stadium. Wenn die Antibiotika bei dir nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, heißt das nicht, dass die Borrelien überleben und daher weiterhin Beschwerden verursachen. Es kann vielmehr sein, dass du aufgrund der unspezifischen Symptomatik eine falsche Diagnose erhalten hast und gar keine Neuroborreliose hast, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf die verabreichten Antibiotika anspricht.

Reichen Antibiotika zum Einnehmen aufgrund eines fortgeschrittenen Borreliose-Stadiums nicht aus, um alle Borrelien in deinem Körper abzutöten, kann der Wirkstoff Ceftriaxon auch als Infusion verabreicht werden (intravenöse Antibiotikatherapie). Doch Vorsicht: Ceftriaxon kann das Entstehen von Gallensteinen begünstigen. Bei Kindern kann sich auch sogenannter Gallengries bilden. Das sind viele kleine Gallensteinchen, die sich meistens wieder auflösen, sobald das Antibiotikum abgesetzt wird.

Neuroborreliose vorbeugen

In unserem Artikel zur Borreliose liest du, wie du eine Zecke richtig entfernst. Außerdem erfährst du Wissenswertes zum Zeckenschutz als Neuroborreliose Vorbeugungsmaßnahme.

Neuroborreliose Heilungschancen

Je eher die Borreliose und damit auch die Neuroborreliose erkannt und behandelt wird, desto besser sind deine Heilungschancen. Eine einmal überstandene Borrelien-Infektion verschafft dir allerdings keine Immunität. Derzeit gibt es auch noch keine Impfung gegen Borreliose. Daher ist ausreichender Zeckenschutz umso wichtiger.

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Fachbezeichnungen

FA Neurologie

Auf docinsider registrierter Neurologe sitzt vor einem Modell des menschlichen Gehirns, um das ein Stethoskop gewickelt ist.
Der Facharzt für Neurologie befasst sich mit der Vorbeugung, Erkennung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen der verschiedenen Nervensysteme inklusive der zugehörigen Muskelerkrankungen. Auch Demenz und Schlaganfall gehören in sein Tätigkeitsfeld.

Was ist ein Facharzt für Neurologie?

Der Facharzt für Neurologie wird auch Neurologe genannt. Das Wort „Neurologie“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „die Lehre von den Nerven“. Das Fachgebiet der Neurologie befasst sich also mit den Erkrankungen des Nervensystems, weshalb der Neurologe umgangssprachlich oft als Nervenarzt bezeichnet wird.

Unser Nervensystem

Unser Nervensystem ist komplex. Es teilt sich in das zentrale Nervensystem und das periphere Nervensystem auf. Zum zentralen Nervensystem zählen unser Gehirn und das Rückenmark. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks. Umgangssprachlich sind deine Nerven sozusagen die Signal-Autobahnen in deinem Körper. Zu den Aufgaben deiner Nervenzellen gehört zum Beispiel die Wahrnehmung deiner Sinnesorgane (sensorische beziehungsweise sensible Nerven) und Weiterleitung der Signale und Informationen an dein Gehirn. Streichst du mit deinen Fingerkuppen über einen weichen, flauschigen Stoff oder riechst den Duft eines frisch gebackenen Kuchen, sind es deine sensiblen beziehungsweise sensorischen Nerven, die diese Eindrücke wahrnehmen und an deine Nervenzellen im Gehirn zur Bewusstwerdung und Verarbeitung senden. Deine sensorischen Nerven vermitteln dir außerdem einen gewissen Lage-Sinn. Sie sind dafür verantwortlich, dass du trotz geschlossener Augen eine Idee davon hast, wie du grade deine Arme und Beine hältst.

Sogenannte motorische Nerven dienen als Steuerelemente unserer Muskeln. Machst du zum Beispiel Kniebeugen, sind es deine motorischen Nervenzellen, die deine Muskeln ansteuern und die Muskelfasern im für die Bewegung richtigen Maße zum Zusammenziehen (kontrahieren) bringen. Bist du nach einem Unfall querschnittsgelähmt und kannst deine Beine nicht mehr bewegen, dann ist eine Verletzung deines Rückenmarks oder deiner motorischen Nerven ursächlich dafür.

Im Gehirn führen die Nervenzellen dein Denken aus, steuern dein Handeln und dein Verhalten, bilden dein Gedächtnis und deine Emotionen.

Dein Körper steht außerdem unter der Kontrolle eines sogenannten vegetativen oder autonomen Nervensystems, eines Nervensystems, das unwillkürlich unterbewusst die Funktionen und Abläufe deines Körpers steuert. Beispiele dafür sind die Atemfrequenz, die Schnelligkeit deines Herzschlags, die Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen und die Tätigkeiten deiner Verdauungs- und Stoffwechsel-Organe.

Tätigkeitsfeld des Neurologen

Entsprechend der Komplexität des Nervensystems in deinem Körper ist auch das Arbeitsfeld des FA für Neurologie sehr vielschichtig. Es beinhaltet unter anderem die Vorbeugung, Erkennung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen der verschiedenen Nervensysteme inklusive der Muskelerkrankungen. Das Tätigkeitsfeld eines Neurologen umfasst sowohl akute neurologische Krankheitsbilder wie zum Beispiel den Schlaganfall, eine Hirnblutung oder Meningitis (Hirnhautentzündung) als auch chronische Erkrankungen des Nervensystems und der Muskeln.

Chronische Erkrankungen aus dem Bereich der Nervenheilkunde sind zum Beispiel die „Schüttelkrankheit“ Morbus Parkinson oder andere chronisch (autoimmun) entzündliche Erkrankungen des Nervensystems wie die Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata, MS), bei der die „Isolierung“ der Nerven angegriffen wird.

Muskelerkrankungen können erblich (genetisch) bedingt sein, durch Entzündungen hervorgerufen werden, durch Störungen der zum Muskel führenden Nerven oder der Muskeln an sich verursacht werden. Diese Krankheiten werden in ihrer Komplexität als neuromuskuläre Erkrankungen zusammengefasst und werden auch vom Neurologen diagnostiziert und behandelt. Dazu zählen zum Beispiel die besonders im Kindesalter auftretende Duchenne-Muskeldystrophie, die Myasthenia gravis (Myasthenia gravis pseudoparalytica, Myasthenie) und die Spinale Muskelatrophie. Auch die mit fortschreitenden Muskelschwächen und Lähmungen einhergehende ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), bei der die Muskel-versorgenden Nervenzellen zerstört werden, ist eine neuromuskuläre Erkrankung.

Die Überprüfung der Denkleistung (Kognition) bei fortschreitenden Erkrankungen wie der Demenz, Testung der Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit der Nerven zur Abklärung einer Nervenstörung wie der Polyneuropathie sowie Erkennung und Ursachenklärung von Lähmungen oder Bewegungsstörungen gehören gleichermaßen zum Arbeitsfeld des Facharztes für Neurologie. Einen nicht unerheblichen Teil der Tätigkeit eines Neurologen nimmt die Diagnostik von Krampfleiden und Epilepsien und Abklärung von außergewöhnlichen Kopfschmerzen und Migräne ein. Auch Krebs-Diagnostiken und Tumortherapien führt der Neurologe durch.

Ausbildung zum Neurologen

Die Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie schließt sich an ein abgeschlossenes Medizinstudium mit Erwerb der Erlaubnis zur Ausübung des Arztberufes (Approbation) an. Die Weiterbildung umfasst 60 Monate Weiterbildungszeit.

  • 24 Monate verbringt der Assistenzarzt in Weiterbildung in der stationären, neurologischen Patientenversorgung.
  • Sechs Monate werden in der neurologischen Intensivmedizin abgeleistet.
  • Zwölf Monate der Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie werden im Bereich der Psychiatrie / Psychotherapie verbracht.

Der angehende Neurologe kann bis zu zwölf Monate in anderen Fachdisziplinen und bis zu 24 Monate Tätigkeit im ambulanten Bereich auf seine Weiterbildung anrechnen lassen.

Wo arbeitet ein Facharzt für Neurologie?

Für den Facharzt für Neurologie gibt es sowohl die Möglichkeit im stationären Bereich, also in Krankenhäusern oder Hochschulkliniken, als auch im ambulanten Bereich tätig zu werden. Ambulant kann der Facharzt sich in einer neurologischen Facharztpraxis, in medizinischen Versorgungszentren oder Spezial-Ambulanzen niederlassen.

Neurologen können außerdem einer (medizinischen) Forschungs- und Lehrtätigkeit nachgehen.

Wann gehst du zum Facharzt für Neurologie?

Das Tätigkeitsfeld des Facharztes für Neurologie umfasst die Erkrankungen des Nervensystems und der Muskeln. Einige typische Beschwerden und Krankheitsbilder in diesem Bereich sind nachfolgend zusammengestellt:

Immer wieder brennen und schmerzen deine Füße? Du verspürst so ein seltsames Kribbeln, ein Ameisenlaufen in den Füßen und Testungen beim Hausarzt legen besonders in Hinblick auf deine Vorerkrankungen den Verdacht einer bestimmten Nervenstörung, einer Polyneuropathie, nahe? Polyneuropathien sind häufige Folgen der Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus, können aber auch durch viele andere Ursachen bedingt sein. Der Neurologe ist der Experte in der Abklärung einer Nervenstörung.

Du leidest an Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen, seltsamen Kribbel-Missempfindungen oder Taubheitsgefühlen? Diese Beschwerden können möglicherweise Hinweise auf Erkrankungen deiner Nerven oder Muskeln sein. Diese Symptome sind daher ein häufiger Vorstellungsgrund beim Facharzt für Neurologie. Der Nervenarzt kann deinen Beschwerden auf den Grund gehen.

Seit längerem leidest du bereits an der Erkrankung Epilepsie? Oder ein erster Krampfanfall hat dich in die Notaufnahme eines Krankenhauses geführt? Die Diagnostik und Therapie von Krampfleiden und Epilepsien ist ein Teilgebiet der Tätigkeit eines Neurologen.

Kopfschmerzen (Cephalgien) im Allgemeinen sind häufige Beschwerden und sollten dich in aller Regel erst einmal zum Hausarzt führen. Ursachen und Hilfe bei Kopfschmerzen

Leidest du aber an einer bekannten Migräne, hast Kopfschmerzen (Cephalgien) und begleitend dazu Kribbeln deiner Finger oder Flimmern vor den Augen oder immer wiederkehrende Kopfschmerz-Attacken bis zu mehrmals täglich, kann das ein Grund sein, dir einen Termin beim Neurologen geben zu lassen.

Plötzliche, heftigste, nie dagewesene Kopfschmerzen, starke Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Unfall, Kopfschmerzen mit begleitenden Lähmungserscheinungen oder beispielsweise Kopfschmerzen in Kombination mit Lichtscheu (Photophobie) und hohem Fieber können Hinweise auf eine ernstere Ursache sein. Ab welcher Temperatur beginnt hohes Fieber? In diesen Fällen solltest du umgehend einen Neurologen aufsuchen. Lies mehr zu Ursachen und Therapie von Kopfschmerzen.

Urplötzlich hat alles begonnen sich zu drehen? Du leidest an ungeheurem Schwindel und alles dreht sich? Schwindel kann neben Ursachen aus dem HNO-Bereich (Hals-Nasen-Ohrenheilkunde) auch neurologische Ursachen haben. Neben einem Gang zum Hausarzt und/oder Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde kann eine Schwindelabklärung auch durch einen Neurologen erfolgen. Ursachen und Therapie bei Schwindel

Dir zittern die Hände (Tremor)? Deine Bewegungsabläufe oder dein Gangbild sind gestört? Dir fällt es schwer in die Bewegung „hinein“ zu kommen und hast insbesondere zum Beginn einer Bewegung eine seltsame „Starthemmung“? Deine Muskeln sind verkrampft oder seltsam schwach? Deine Bewegungen wirken in letzter Zeit so unkoordiniert oder „abgehackt“? Bewegungsstörungen, Gangstörungen oder Zittern können Symptome einer neurologischen Erkrankung sein. Der Facharzt für Neurologie kann deine Nerven darauf untersuchen.

Urplötzlich ist Oma ganz anders als sonst? Ihre eine Gesichtshälfte oder der Mundwinkel hängt schlaff herab? Sie klagt über Sehstörungen oder Doppelbilder? Sie sagt alles dreht sich plötzlich, sie kann gar nicht mehr richtig gehen? Oder sie kann nicht reden, redet irgendwie verwaschen oder findet ihre Worte einfach nicht? Sie kann einen Arm nicht mehr heben und/oder wirkt seltsam abwesend? Oder sie klagt über nie dagewesene plötzliche starke Kopfschmerzen? Alle diese Symptome können Hinweise auf einen akuten Schlaganfall sein, der nicht nur bei älteren Menschen durch einen Verschluss eines hirnversorgenden Blutgefäßes oder eine Hirnblutung ausgelöst werden kann. Ein akuter Schlaganfall ist ein Notfall. Die zu wenig durchbluteten Anteile des Gehirns können absterben. In einem solchen Fall solltest du dich direkt an den Rettungsdienst oder andere medizinische Hilfe wenden. Ein Facharzt für Neurologie ist im Krankenhaus mit der Diagnostik und Therapie eines Schlaganfalls betraut.

Du hast das Gefühl, du wirst immer vergesslicher? Auch dein Hausarzt ist der Meinung eine Abklärung einer Demenz könnte sinnvoll sein? Dann kann ein Termin beim Neurologen sinnvoll sein.

Seit wenigen Tagen leidest du unter Rücken- und Beinschmerzen und dein Hausarzt hat den starken Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall (Discus prolaps) geäußert. Nun hast du elektrisierende Schmerzen, die beispielsweise auf der Rückseite deines Oberschenkels bis zur Wade ziehen, hast beginnende Lähmungserscheinungen oder Kribbelgefühle in den Füßen oder hast gar Probleme das Wasser zu halten? Diese neurologischen Symptome können beim Bandscheibenvorfall durch Einklemmung von Nervenwurzeln oder dem Rückenmark entstehen. Der Neurologe ist der richtige Ansprechpartner zur Beurteilung deiner Beschwerden. Mithilfe von Untersuchungen und Messungen kann er dir raten, wie deine weitere Therapie des Bandscheibenvorfalls aussehen sollte.

Untersuchungen beim Facharzt für Neurologie

Um die verschiedenen Komponenten deines Nervensystems zu untersuchen, kann der Facharzt für Neurologie diverse Untersuchungsmethoden durchführen:

  • Neurologische körperliche Untersuchung: In der Regel untersucht der Facharzt für Neurologie dich zunächst einmal körperlich. Dabei testet er mithilfe eines Reflexhammers deine Reflexe und prüft die Funktionsfähigkeit deiner Hirnnerven. Er leuchtet dir mit einer Pupillenleuchte in die Augen und testet, ob Muskellähmungen oder Muskelspastiken vorliegen. Auch Stand- und Gang- sowie Koordinationsübungen können Teil der Untersuchung sein.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Mithilfe der Elektroenzephalographie, auch EEG abgekürzt, kann der Facharzt für Neurologie die elektrischen Ströme in deinem Gehirn aufzeichnen. Die Kommunikation deiner Nervenzellen geschieht unter anderem durch Potentialveränderungen, also eine Art elektrische Spannung und Strom. Zur Messung der Gehirnströme wirst du „verkabelt“. An bestimmten Stellen deines Kopfes werden Elektroden positioniert, die mit einem Kabel versehen sind. Diese Elektroden messen die elektrischen Ströme und leiten sie an das Untersuchungsgerät weiter. Der Computer zeichnet aus den Strom-Ableitungen Kurven, das Elektroenzephalogramm. Diese Kurven können vom Neurologen interpretiert werden. Veränderungen im EEG treten zum Beispiel bei entzündlichen Prozessen, Tumoren, Epilepsien oder Hirnschädigungen zum Beispiel nach einem Schlaganfall auf. Das EEG wird außerdem in der Hirntoddiagnostik genutzt. Wann zum EEG?
  • Elektromyographie (EMG): Mithilfe der Elektromyographie kann die elektrische Aktivität in deinen Muskeln gemessen werden. Beim EMG werden oberflächliche, auf der Haut aufgeklebte Elektroden verwendet oder Nadel-Elektroden, die in den Muskel gepiekst werden. Gemessen wir dann zum Beispiel, ob der Muskel eine krankhafte Spontanaktivität hat. Damit ein Muskel sich zusammenzieht, bedarf es eigentlich eines Nervensignals. Elektrische Spontanaktivitäten oder Veränderungen der elektrischen Ströme können Hinweise auf Nerven- und Muskelerkrankungen liefern.
  • Elektroneurographie (ENG): Die Elektroneurographie dient dem Neurologen als Untersuchungsmethode eines einzelnen Nerven. Mit einem leichten elektrischen Strom wird der Nerv gereizt. Anschließend kann mithilfe einer Elektrode gemessen werden, wie schnell und gut der Nerv den Strom leitet. Dabei wird zum Beispiel die Nervenleitgeschwindigkeit bestimmt, die bei Nerven-Erkrankungen verändert sein kann.
  • Messung von Evozierten Potentiale: Bei der Messung von Evozierten Potentialen werden bestimmte Nerven oder Sinnesorgane gereizt und parallel dazu die Reizantwort des Gehirns gemessen. Unsere Sinneswahrnehmungen werden im Gehirn verarbeitet. Evozierte Potentiale sind also umgangssprachlich Ströme oder elektrische Potentialveränderungen im Gehirn, die durch Sinnesreize hervorgerufen, also evoziert werden. Um die Reizantwort des Gehirns messen zu können, wird gleichzeitig ein Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. Eine Art der evozierten Potentiale sind die VEP, die visuell evozierten Potentiale. Bei der Messung betrachtest du einen Bildschirm. Auf diesem Bildschirm wird dir ein Schachbrettmuster präsentiert, was sich fast sekündlich ändert. Deine Augen nehmen die Muster wahr und über den Sehnerv werden die Informationen über verschiedene Stationen deines Gehirns geleitet. Gemessen werden kann dann zum Beispiel die Zeit, wie lang es dauert, bis dein Sehnerv die Information an deine Sehbahn im Gehirn geleitet hat. Diese Untersuchung kommt zum Beispiel in der Diagnostik der Multiplen Sklerose zum Einsatz. Entsprechend dem VEP kann zum Beispiel auch die Hörbahn mithilfe der AEP, den akustisch evozierten Potentialen, getestet werden.
  • Sonographie (Ultraschall) und farbkodierte Doppler-/Duplex-Sonographie: Der Ultraschall wird in der Neurologie vorwiegend dazu genutzt, um die hirnversorgenden Gefäße und den Blutfluss darin zu beurteilen. Mithilfe der farbkodierten Doppler-/Duplex-Sonographie kann der Blutfluss auf dem Bildschirm hörbar und farblich sichtbar gemacht werden. Engstellen oder Veränderungen der Gefäßwände zum Beispiel der zum Kopf ziehenden Halsschlagader (Arteria carotis) können aufgespürt werden.
  • Bildgebende Verfahren: Oftmals benötigt der Neurologe zum Beispiel zur Beurteilung einer Erkrankung des Gehirns eine Bildaufnahme. Diese Bildaufnahmen kann er bei seinen ärztlichen Kollegen, den Radiologen, in Auftrag geben:  Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können die Strukturen im Schädel untersucht werden. Die MRT kommt dabei ganz ohne den Einsatz von Röntgen-Strahlung aus. Mithilfe der MRT können Veränderungen des Gehirns gut im Detail sichtbar gemacht werden. Doch dauert eine MRT-Aufnahme meist länger und auch Wartezeiten auf einen MRT-Termin können lang sein. Das CCT (kraniales CT, Schädel-CT) kommt dann zum Einsatz, wenn es schnell gehen muss. Beim CT werden Röntgen-Strahlen zur Darstellung verwendet. In Notfallsituationen, zur Diagnostik von Schlaganfällen oder Blutungen wird meist ein CT durchgeführt.
  • Liquorpunktion: Der Liquor ist die Flüssigkeit, die dein Gehirn und dein Rückenmark umgibt. Im stationären Bereich können Untersuchungen des Hirnwassers durchgeführt werden. Bei einer Liquorpunktion wird mithilfe einer Nadel Hirn-/Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Der Liquor kann anschließend untersucht werden. Dabei können beispielsweise Eiter und Bakterien Hinweis auf eine Meningitis (Hirnhautentzündung) liefern, Tumorzellen oder Blutungen gefunden werden oder besondere Eiweiße untersucht werden, die bei bestimmten Erkrankungen im Hirnwasser auftreten.