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Untersuchungen

Differentialblutbild

3-D-Illustration eines Monozyten, rechts und eines neutrophilen Granulozyten, umgeben von roten Blutkörperchen
Im Differentialblutbild werden die Unterarten der weißen Blutkörperchen bestimmt. Auf dem Foto siehst du rechts einen Monozyten (wandelt sich im Gewebe in eine Fresszelle um) und links einen neutrophilen Granulozyten. Im Hintergrund befinden sich rote Blutkörperchen.

Was ist ein Differentialblutbild?

Liegt die Anzahl deiner weißen Blutkörperchen (Leukozyten, Leukos) außerhalb der Normalwerte, kann dein Arzt mit dem Differentialblutbild genauer nachschauen, welche Unterarten der Leukozyten höhere oder niedrigere Werte aufweisen. Beim Differentialblutbild wird also der prozentuale Anteil der Leukozyten-Unterarten gezählt. Leukozyten-Unterarten sind: Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten. Die Werte dieser auch als weißes Blutbild bezeichneten Blutuntersuchung geben deinem Arzt Hinweise auf eine Infektion, Vergiftung, Parasitenbefall, Leukämie, eine Entzündung und damit auch auf die Aktivität und den Zustand deines Immunsystems. Um die einzelnen Zelltypen erkennen und unterscheiden zu können, müssen die Leukos im Rahmen eines Blutausstrichpräparates mit einem Farbstoff angefärbt werden.

Granulozyten zeigen akute Infektionen an

Granulozyten bilden zahlenmäßig die größte Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Zu den Hauptaufgaben der Granulozyten gehört die Abwehr von Bakterien, Viren und Pilzen. Auch an allergischen Reaktionen sind Granulozyten beteiligt.

Je nach ihrer Anfärbbarkeit mit chemischen Substanzen unterscheidet das Labor neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten. Die neutrophilen Granulozyten werden noch einmal in stabkernige und segmentkernige unterteilt.

Neutrophile Granulozyten und eosinophile Granulozyten (EOS) sind Fresszellen. Sie können fremde Eindringlinge wie Bakterien oder körpereigene Abfallprodukte in sich aufnehmen und auflösen.

  • Stabkernige neutrophile Granulozyten, kurz STAB, haben einen stabförmigen Kern und sind eine nicht voll ausgebildete, junge Entwicklungsstufe der Granulozyten. Ist ihre Zahl erhöht, könnten akute Infektionen und Entzündungsprozesse dahinter stecken.
  • Segmentkernige neutrophile Granulozyten, kurz SEG, sind reife und voll ausgebildete Granulozyten. Erhöhte Zahlen können auf eine akute bakterielle Infektion, chronische Entzündungen oder Stress hindeuten. Zu wenig segmentkernige neutrophile Granulozyten könnten für eine Virusinfektion oder eine Blutvergiftung (Sepsis) sprechen.
  • Eosinophile Granulozyten bekämpfen vor allem Parasiten und Würmer. Sind ihre Werte zu hoch, könntest du an einer Allergie oder einem Parasitenbefall leiden. Bei zu niedrigen Werten könnten Infekte oder Stress die Ursache sein.
  • Basophile Granulozyten, kurz BASO, können Histamin und andere Entzündungsparameter (Entzündungsanzeiger) freisetzen. Basophile Granulozyten sind an allergischen Reaktionen beteiligt. Ebenso an der Abwehr von Parasiten. Sind die Werte für BASO erhöht, könnten beispielsweise allergische Reaktionen, Leukämien oder eine gesteigerte Blutneubildung (Polyzythämie) dahinter stecken. Zu niedrige BASO-Werte können bei einer Überfunktion der Schilddrüse, einer Strahlentherapie oder bei Stress vorkommen.

Granulozyten erhöht?

Sind deine Granulozyten-Werte zu hoch können akute Infektionskrankheiten dahinter stecken. Denn beginnende Infektionskrankheiten lassen deinen körpereigenen Granulozytenbedarf vorübergehend ansteigen.

Bei schweren Infektionen können die Werte für deine Granulozyten im späteren Verlauf der Erkrankung unter den Normalwert absinken. Zu niedrige Granulozyten-Werte können auch bei Folsäure-Mangel oder einer Schädigung des Knochenmarks auftreten.

Monozyten sind Fresszellen

Monozyten können aus dem Blut in dein Gewebe wandern und sich dort in Fesszellen (Makrophagen) umwandeln. Makrophagen können Bakterien und andere Erreger, Zelltrümmer und veränderte Eiweiße verdauen sowie Botenstoffe aussenden, die weitere Aktivitäten in deinem Immunsystem auslösen.

Ein erhöhter Monozyten-Wert in deinem Blut wird als Monozytose bezeichnet. Erhöhte Monozytenzahlen können ein Anzeichen für eine bakterielle oder virale Infektion sein. Aber auch für bestimmte Krebsarten, eine Herzinnenhautentzündung oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Erniedrigte Monozyten-Werte kommen praktisch nur bei einer Verminderung des gesamten Leukozyten-Wertes vor.

Lymphozyten organisieren deine Abwehr

Lymphozyten werden in den Organen deines lymphatischen Systems gebildet, vor allem in der Milz und in den Lymphknoten. Je nach ihrer Abstammung und ihrem Aufenthaltsort werden sie in zwei Hauptgruppen unterteilt: die T-Lymphozyten und die B-Lymphozyten. Beide erfüllen wichtige Aufgaben bei der Abwehr, vor allem von Virusinfektionen.

B-Lymphozyten (B-Zellen), die sich überwiegend in deiner Milz und in deinen Lymphknoten befinden, sind für die Bildung von Antikörpern (Immunglobulinen) verantwortlich.

T-Lymphozyten (T-Zellen) organisieren deine Abwehr. Über Botenstoffe, die sogenannten Zytokine, übermitteln sie Nachrichten an Fresszellen, B-Lymphozyten und weitere an deiner Immunabwehr beteiligte Zellen und regen diese zu ihrer Tätigkeit an.

Lymphozyten erhöht oder erniedrigt?

Erhöhte Lymphozyten-Werte können auf bakterielle oder virale Infektionen hinweisen, aber auch auf Krebsarten wie Leukämie. Ein Anstieg der Lymphozyten findet sich beispielsweise bei Herpesinfektionen, Keuchhusteninfektionen und Röteln. Mehr zu Keuchhusten (Pertussis) liest du in unserem Artikel zur Keuchhusten-Impfung. Infos zu Röteln erhältst du im Artikel zur Röteln-Impfung.

Bitte beachte: Einzelne Werte sind häufig nicht aussagekräftig, sondern müssen immer in Zusammenhang mit anderen Laborwerten, deinen Symptomen und der Verdachtsdiagnose deines Arztes gesehen werden. Sprich mit deinem Arzt über deinen Laborbefund.

Erniedrigte Lymphozyten-Werte (Lymphopenie) können hervorgerufen werden durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Ebenso kann die Lymphopenie vorkommen bei einer HIV-Infektion und Krebsarten wie Morbus Hodkin, Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte), bei einer Strahlentherapie und bei Mangelernährung.

Wie kannst du dich auf das Differentialblutbild vorbereiten?

Da beim reinen Differentialblutbild nur die Untergruppen der weißen Blutkörperchen, also Blutzellen, untersucht werden, ist es in der Regel nicht nötig, nüchtern zur Blutabnahme zu erscheinen. Sollen hingegen noch zusätzliche Blutwerte im Blutserum bestimmt werden, ist es wichtig, nüchtern zu erscheinen. Nüchtern heißt, dass du acht bis zwölf Stunden vor der Blutabnahme nichts mehr essen solltest sowie auf Milch, Kaffee, schwarzen Tee, gesüßte Getränke, Alkohol und Nikotin verzichten solltest. Sprich mit deinem Arzt darüber, auf was du achten solltest. Vor allem dann, wenn du täglich Medikamente einnimmst und abgeklärt werden muss, ob du diese am Tag der Blutabnahme weglassen musst und darfst.

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Impfungen

Wichtige Infos zur Impfung

Ärztin impft kleines Mädchen, um dessen Abwehrkräfte anzuregen.
Eine Impfpflicht besteht in Deutschland zurzeit nicht. Dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) eine Reihe von Schutzimpfungen insbesondere im Kindes- und Jugendalter.

Was bedeutet impfen?

Bei einer Impfung werden deinem Körper Stoffe verabreicht, die zur Ausbildung von Abwehrmechanismen des Immunsystems gegen bestimmte Krankheiten führen sollen.

Schutzimpfungen enthalten Bestandteile von Krankheitserregern oder abgeschwächte Krankheitserreger selbst. Dein Immunsystem lernt anhand des Impfstoffs die Krankheitserreger schnell zu erkennen und bereits erlernte Abwehrmechanismen sofort einzusetzen. Auf diese Weise kann dein Immunsystem im Falle eines erneuten Kontakts zum Krankheitserreger schnell und effektiv auf die Eindringlinge reagieren und einen Ausbruch der Erkrankung verhindern oder abschwächen. Dieser Zustand wird Immunität genannt.

Eine Impfpflicht besteht in Deutschland derzeit nicht. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt jedoch eine Reihe von Schutzimpfungen insbesondere im Kindes- und Jugendalter sowie Auffrischungen des Impfschutzes im Erwachsenenalter. Wann sind Auffrischungsimpfungen nötig?

Warum impfen?

Impfungen können dem Organismus Schutz gegen gefährliche Infektionskrankheiten bieten. Bei einer aktiven Schutzimpfung werden deinem Körper mit der Impflösung entweder Erreger oder Bestandteile von Krankheitserregern wie Eiweiße der Viren-Hülle oder Eiweiße der Bakterien-Gifte zugeführt. Dein Körper reagiert auf die Impferreger genauso, wie er auf „echte“ Erreger reagieren würde und setzt eine Reihe von komplexen Abwehrmechanismen in Gang. Im Anschluss an die Abwehrreaktion kann sich dein Immunsystem an die Krankheitserreger mithilfe sogenannter Gedächtniszellen erinnern. Es kann dank der Gedächtniszellen bei erneutem Kontakt zum Erreger sofort mit spezifischen Abwehrmechanismen, den Antikörpern, eingreifen und den Ausbruch der Erkrankung eindämmen oder gar verhindern.

Antikörper sind kleine, im Blutserum vorhandene Eiweiße, die jeweils einen speziellen Erreger genau erkennen. Sie machen den Erreger entweder auf direktem Wege unschädlich oder sorgen dafür, dass andere Abwehrzellen wie Fresszellen (Makrophagen) die Erreger abtöten.

Was passiert beim Impfen im Körper?

Durch die im Impfstoff  enthaltenen Erreger oder Erregerbestandteile werden Abwehrzellen angelockt und aktiviert. Zuerst eintreffende Fresszellen (Makrophagen) nehmen die Krankheitserreger in sich auf, töten die Erreger ab und zerlegen sie in kleinere Einzelteile. Diese Fragmente präsentieren die Fresszellen für andere Abwehrzellen nun auf ihrer Oberfläche, ganz nach dem Motto: „Schaut euch den Feind an!“. Gleichzeitig schütten die Fresszellen Botenstoffe aus und locken so andere Abwehrzellen, wie die T- Lymphozyten und B-Lymphozyten, an.

Die T-Zellen, wie die T-Lymphozyten auch genannt werden, patrouillieren ständig durch dein Blut und deine Lymphorgane. Sie tragen auf ihrer Oberfläche sogenannte Rezeptoren. Das sind Eiweiße, mit denen sie erkennen können, wenn eine Fresszelle einen Teil eines Krankheitserregers präsentiert. Das auf den Fresszellen präsentierte Eiweiß, welches die T-Lymphozyten erkennen und gegen welches sich deine Immunabwehr richtet, wird Antigen genannt.

Erkennt eine T-Zelle ein Antigen, wird sie dazu angeregt sich zu vermehren. Es entstehen viele T-Zellen, die alle denselben, gegen das spezifische Antigen gerichteten, Rezeptor tragen. Dabei entstehen verschiedene Unterformen der T-Zellen, die T-Helferzellen. T-Helferzellen können selbstständig Erreger abtöten und spielen eine wichtige Rolle in der weiteren Immunabwehr.

Die B-Lymphozyten oder B-Zellen tragen genau wie die T-Zellen einen Rezeptor auf ihrer Oberfläche, mit denen sie Krankheitserreger erkennen können. Sie können das Antigen allerdings nicht nur erkennen, sondern es ähnlich wie die Fresszellen auch in sich aufnehmen, zerkleinern und wiederum auf ihrer Oberfläche präsentieren. Trifft nun eine T-Helferzelle mit ihrem speziellen Rezeptor auf eine B-Zelle, die wiederum Teile des Krankheitserregers (Antigen) auf ihrer Oberfläche trägt, bilden die T-und B-Zelle eine Arbeitseinheit. Durch die Wechselwirkung zwischen den Zellen werden von den T-Zellen Botenstoffe ausgeschüttet, die die B-Zellen aktivieren und dazu anregen, sich in Plasmazellen umzuwandeln.

Plasmazellen produzieren effektive Abwehrmechanismen, die genau auf diesen einen speziellen Krankheitserreger abgestimmt sind: unsere Antikörper (Immunglobuline). Antikörper sind kleine, im Blut schwimmende Eiweiße, die Krankheitserreger erkennen und binden. Dadurch werden die Erreger für Fresszellen und Killerzellen erkenntlich gemacht. Außerdem können sie bereits durch die Bindung „harmlos“ gemacht werden (Neutralisierung).

Neben den Plasmazellen entstehen aus den B-Zellen auch die sogenannten Gedächtniszellen. Diese Zellen produzieren selbst zunächst keine Antikörper, bleiben dem Körper aber lange erhalten. Sie sind der Grund dafür, dass unsere Impfungen so gut funktionieren.

Kommt es nach der Impfung erneut zum Kontakt mit dem Krankheitserreger, erinnert sich das Immunsystem anhand der B-Gedächtniszellen. Die Gedächtniszellen werden aktiviert, wandeln sich zu Plasmazellen um und bilden augenblicklich effektive Antikörper, die den Krankheitserreger unschädlich machen.

Ab wann wirkt die Impfung?

Nach einer Schmutzimpfung beginnt der Abwehrmechanismus im Sinne der Antikörperbildung schon kurze Zeit nach der Impfung. Bereits nach ungefähr einer bis zwei Wochen sind in deinem Blut schon große Mengen Antikörper und Gedächtniszellen vorhanden. Wann genau du nach einer Impfung allerdings geschützt bist, hängt von der Impfung und deinem eigenen Körper ab.

Wird die Impfung zum Beispiel nach einem Monat wiederholt, wird die Antikörperbildung erneut und wesentlich stärker angeregt. Es dauert nun nur wenige Tage und die nun gebildeten Antikörper erkennen die Krankheitserreger noch besser und Gedächtniszellen verweilen umso länger im Körper. Daher kann es sinnvoll sein bestimmte Impfungen entsprechend der STIKO-Empfehlungen zu wiederholen und Impfungen auch im Erwachsenenalter auffrischen zu lassen.

Falls du noch am selben Tag der Impfung mit dem Krankheitserreger in Kontakt kommst, sollte dein Arzt entscheiden, wie ihr vorgeht. Je nach Impfung und Ansteckungsgefahr der Erkrankung wird das Vorgehen individuell entschieden. Manchmal kann eine passive Impfung vorgenommen werden, wenn von einem unzureichenden Impfschutz ausgegangen werden muss. Passive Impfungen enthalten Antikörper gegen die Erreger, die dein Immunsystem kurzzeitig zur akuten Abwehr der Erkrankung unterstützen können.

Solltest du dich bereits vor der Impfung mit einer Erkrankung angesteckt haben, kann eine Impfung dir möglicherweise helfen einen schweren Krankheitsverlauf oder Komplikationen abzuwenden. Bei manchen Infektionen kann eine Impfung den Krankheitsverlauf möglicherweise sogar aufhalten. Besprich dieses wichtige Thema am besten mit deinem Arzt.

Wie wird geimpft?

Impfstoffe können in Form von Spritzen, Schluckimpfungen oder nasalen Impfungen verabreicht werden.

Die meisten der verfügbaren Impfungen werden gespritzt also mittels Spritzen verabreicht. Gespritzt wird nach gründlicher Hautdesinfektion in der Regel intramuskulär, das bedeutet in einen Muskel. Bevorzugt wird dazu der Deltamuskel am Oberarm genutzt. Bei Säuglingen kann die Impfung auch in den vorderen, seitlichen Oberschenkel erfolgen.

Die Injektion der Impflösung kann auch subkutan erfolgen. Der Impfstoff wird hier unter die Haut in das Unterhautfettgewebe gespritzt.

Schluckimpfungen werden zum Beispiel gegen Rotaviren, Cholera oder Typhus verabreicht. Sie werden dir in den Mund (oral) verabreicht und müssen herunter geschluckt werden.

Die nasale Impfung stellt eine Ausnahme dar. Für Kinder zwischen dem 2.-7. Lebensjahr ist ein Impfstoff gegen Grippe (Influenza) zugelassen, der mittels eines Nasensprays verabreicht werden kann. Die nasale Impfung stellt eine alternative Verabreichungsform dar, auf die bei Gegenanzeigen gegen übliche Verabreichungsarten zurückgegriffen werden kann.